Am Rand der Legalität.

Die phil-nat Fakultät der Universität Bern verletzt mit flächendeckendem englischsprachigem Unterricht in Biologie und Klimawissenschaften die gesetzlichen Vorschriften.

Je weiter ich mich vorwärtswühle, desto mehr wird klar, dass zum mindesten das Departement für Biologie und im besonderen der Studiengang zum Master in Ökologie und Evolution jenseits der gesetzlichen Vorschriften organisiert sind. Der Betrieb funktioniert nur noch nach dem System:
Wo kein Kläger ist, ist kein Richter.

Verschiedentlich hörte ich von jungen Studenten, dass sie in Schwierigkeiten kommen mit dem Unterricht in englischer Sprache. Besonders mühsam ist der Unterricht von Dozenten, die selber nicht Muttersprachler sind und sich für gewöhnlich improvisiert, schwammig und fehlerhaft in Englisch ausdrücken. Das betriff 98% der Dozenten in Ökologie und Evolution. Die Studenten verstehen oft nur ein paar wenige Brocken von dem Unterrichtsstoff. Besonders die Jungs sind benachteiligt und auch die Tessiner, die sich in ihrem Fremdsprachenunterricht extra auf ein Studium in der Deutschschweiz vorbereitet hatten.

Zeuge wurde ich von Leistungskontrollen, wo Studentinnen ein paar Worte radebrechen, das eine oder andere Fachwort so ungefähr oder auch ähnlich hervorzukramen versuchen und dabei so tun, als wüssten sie eigentlich schon, wovon sie reden. Gleichzeitig ist da ein prüfender Assistent, der ebenfalls nicht besonders gewandt sich in der mündlichen Prüfung bewegt und so tut als hätte er verstanden, wovon die Studentin redet, die so tut als wüsste sie wovon sie redet. Selbstverständlich darf man in einer solchen Situation für die ungefähre Andeutung von möglicherweise vorhandenem Wissen keine ungenügende Note geben.

Ich bin sehr aufmerksam, wenn mir junge Studenten von ihren Schwierigkeiten mit dem pseudoenglischen Radebrechen an dieser pseudoelitären Uni klagen. Ich selber rede Englisch wie Berndeutsch und bin einzig beim aktiven Wortschatz in einem sehr schmalen Band von Fachausdrücken eingeschränkt. Mir persönlich liegt der Ausdruck im Englischen besser als im Hochdeutschen. Erst die Arbeit an meinen verschiedenen Blogs hat mir das Hochdeutsche etwas näher gebracht. Ich bringe darum das Gespräch mit jungen Studienkollegen auf den einen einzigen Professor am Institut, der besser Englisch kann als ich selber.

Ich frage, ob sie dort auch Schwierigkeiten haben. Es ist offensichtlich, dass dieser Professor seine Vorlesungen minutiös vorbereitet, an vielen Sätzen feilt, bevor er sie vorträgt, genau darauf achtet, die wirklich treffenden Formulierungen zu benutzen. Er ist weit davon entfernt, einen vereinfachten Wortschatz für Sprachschüler zu benutzen. Darum bin ich überrascht von der Antwort meiner jungen Gesprächspartner: Sie verstehen den Muttersprachler wesentlich besser als die Deutschen, Deutschschweizer, Welschen, die sich da mit ihrer Englischkenntnis herumschlagen. Nach den Gründen gefragt, höre ich, die wesentlichen Gründe für das einfachere Verständnis seien der Redefluss, der Sprechrhythmus, die ordentliche Aussprache beim Briten.

Das Universitätsgesetz schreibt im Wortlaut vor, dass Unterrichtssprachen an der Uni Deutsch und Französisch seien. Andere Unterrichstssprachen sind in besonderen Fällen erlaubt. Fremsprachige Professoren haben innerhalb von zwei Jahren die Landessprache zu erlernen. Die parlamentarische Diskussion um diesen Sprachenartikel im Grossen Rat des Kantons Bern handelte davon, dass nur ausnahmsweise in der fremden Sprache unterrichtet werden darf, wenn das Fach dies unbedingt erfordert. Um Anglistik zu unterrichten, muss man Englisch reden, in der Romanistik sind Französisch, Spanisch, Portugiesisch zwingend erforderlich. Zu keiner Zeit vertrat der Grosse Rat die Ansicht, schweizerische Studenten seien zugunsten von ausländischen Master- und Doktoratsstudenten vorsätzlich zu diskriminieren.

Das Biologiestudium in Bern ist überproportional am Lesen von Forschungsergebnissen aus wissenschaftlichen Fachzeitungen ausgerichtet. Diese Lesearbeit von englischsprachigen Texten mag bei einer Masterarbeit ca. 20% bis 30% des Zeitaufwandes ausmachen. Dass der Student genug Englisch können soll, um diese Artikel zu lesen und deren Inhalt aufzufassen, ist sicher berechtigt. Dass aber der gesamte Unterricht, die Instruktionen, die Berichterstattung auf Englisch durchgeführt werden, ist schlicht gesetzeswidrig.

Die Fakultät hat in rechtsmissbräuchlicher Weise den Sprachenartikel im Unigesetz umfunktioniert, um die Masterstudiengänge in Ökologie und Evolution, wie auch in Klimawissenschaften auf Englisch durchzuführen. Der Grosse Rat des Kantons Bern hat nie beschlossen, dass ausländische Studenten bevorzugt behandelt werden sollen, dass sich unsere Uni auf ein internationales Publikum von Master- und Doktoratsstudenten auszurichten habe. Der Kanton Bern hat seine Uni für die bernischen Studenten eingerichtet und akzeptiert, dass auch ausserkantonale Studenten hier studieren dürfen, unter der Voraussetzung, dass deren Herkunftskantone auch die Studienkosten übernehmen. Ausländische Studenten sind bisher einfach geduldet worden. Deren Finanzierung wurde nie ausgehandelt. Bei uns studieren Leute aus sechs oder acht Herren Länder und alle tun das so gut wie gratis, ohne dass ihre Heimatländer sich an den Kosten beteiligen täten.

Um es kurz zu machen: Um sich mit einem fehlgeleiteten Internationalismus brüsten zu können, werden einheimische Studenten gezielt diskriminiert. Die anwendbaren Gesetze werden gebrochen. Ich habe mir für diesen Winter vorgenommen, die notwendigen Rechtsgrundlagen zusammenzusuchen, ein erfolgversprechendes rechtliches Vorgehen auszuarbeiten. Es muss nicht sein, dass ich persönlich der richtige Fall bin, um ein Präzedenz in der Rechtsprechung zu schaffen. In Frage kämen auch politische Zugänge zum Problem. Dazu wäre in erster Linie eine funktionierende Fachschaft nötig. Die paar wenigen Aktiven Mitglieder stecken lieber den Kopf in den Sand. Besonders konfliktfähig sind diese Frauen nicht.

Im ganzen gehe ich davon aus, dass im Fall des Masterstudiums in Ökologie und Evolution ein klagbarer Anspruch auf Unterricht in deutscher Sprache besteht. Fraglich ist allerdings, ob sich ein Kläger findet, der auf seinen persönlichen Rechten beharrt und seine Angelegenheit im Verwaltungsverfahren geltend macht.

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