Chlüder.

Einen neuen Blogleser habe ich heute zum Kommentarschreiber gewinnen können. Es gibt so faule Tage, da kommt bis weit in den Nachmittag hinein ein ganz allereinziger Besucher vorbei. Aber diesmal war es eine Überraschung, einen so ausführlichen und überlegten Kommentar zu bekommen.

Mein aufmerksamer Leser Otho findet:

Studieren ist kein Ego-Projekt um für sich auf Kosten der Allgemeinheit das Beste herauszuholen.

Ausserdem sollten die Studenten sich an den Ausbildungskosten beteiligen und zwar nicht nur mit den heutigen mehr oder weniger symbolischen Semestergebühren sondern einen wesentlichen finanziellen Beitrag an die Ausbildung leisten.

Meine Worte: Ich bin dafür, dass die Studenten ihre Ausbildung selber bezahlen. Kompromissbereit wäre ich bei 50% der Ausbildungskosten bei den einheimischen und 120% bei den ausländischen Bolognatouristen. Ein Germanistikstudent kostet geschätzt um die 15’000 Fr. pro Jahr. Bei einem Biologen werden es schon 25’000 sein und bei einem Mediziner so zwischen 30 und 40’000.

Selbstverständlich hat kaum ein 20-jähriger ein paar hundertausend Franken übrig für ein Unistudium. Auch die meisten Eltern sind nicht so gut gestellt. Leser Othos Überlegungen gehen in die gleiche Richtung, wie ich das mehrmals schon öffentlich geäussert hatte: Anstatt Stipendien zu verteilen, sollte der Kanton rüchzahlbare Studiendarlehen gewähren. Eine saubere Lösung wäre zum Beispiel zinsfrei während der Studiendauer und danach eine Zeit von 15 Jahren zum amortisieren zu einem günstigen Zinssatz.

Sobald die Studenten ihre Ausbildung selber bezahlen müssen, überlegen sie sich im voraus, was sie wirklich lernen wollen, wozu sie begabt sind und in welchem Bereich sie später sich im Beruf nützlich machen können.

Zudem lassen sich Studenten,die ihre Ausbildung selber finanzieren, nicht einfach alles gefallen, sondern intervenieren bei der Fakultät, wenn das Studium ihre Qualitätsanforderungen nicht erfüllt. Das wäre zum Beispiel beim Biologiestudium dringend nötig.

In anderen Teilen hat Otho eher ein allzu romantisches Bild vom Studentenleben:

Ausgerechnet den Studis sollte man das Leben finanzieren, damit sie eine schöne Studienzeit haben und viel Bier trinken und mit Studentinnen anbandeln können?

22-jährige Studentinnen von heute leben in festen Beziehungen. Da gibt es nichts anzubandeln. Die jungen sind wesentlich bünzliger als Otho sich das vorstellt. Zudem hat von denen gar niemand Zeit, um herumzuhocken und viel Bier zu trinken.

Da wäre auch grad ein Missverständnis zu korrigieren: Keiner klagt darüber, dass er nach Bern pendelt. Das war einzig eine Feststellung zur Frage, wie diese Studenten ihr Studium finanzieren. Sie halten die Kosten niedrig. Ist eine gute Lösung.

Ein wichtiges Anliegen, das Otho mehrmals äussert ist, dass Akademiker der Gesellschaft gegenüber verpflichtet seien. Er argumentiert:

Denjenigen, denen man das finanziert, kommt eine verantwortungsvolle Aufgabe zu. Sie sind der Gesellschaft gegenüber verpflichtet!

Ich denke eher nicht, dass solches Pflichtgefühl über die Finanzen geregelt werden kann. Es wird immer verbohrte, verdummte, abgebrühte Nihilisten geben, die nur an sich selber denken. Man kann sich das Studium finanzieren lassen und selbstgefällig versumpfen. Man kann das Studium selber finanzieren und daraus die Berechtigung ableiten später immer nur an sich selber zu denken, weil man niemandem etwas schuldet.

Meine Beobachtung ist, dass man 20-jährige nicht nacherziehen kann. Die haben ihre Macken und das werden ihre selben Macken sein auch in 70 Jahren noch. Wer als Kind zuhause gelernt hat, Verantwortung wahrzunehmen, wird das auch als Erwachsener tun. Ich kenne keinen anderen Ort, um solches erfolgreich zu lernen.

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