Der Mann kann!

Ich nehme an, sein finsterer Blick von der Seite gelte nicht wirklich mir, sondern vielmehr der Frage, was er wohl morgen früh im Blog lesen werde über seinen heutigen Vortrag. Unser Assistent redet vor der bernischen botanischen Gesellschaft über die Forschung der pflanzenökologischen Arbeitsgruppe an invasiven Neophyten.

Nun denn, hier bekäme er zu lesen, dass er schwierige wissenschaftliche Sachverhalte auf Deutsch sehr viel besser vorträgt denn auf Englisch.

Seine englischsprachigen Vorlesungen sind chaotisch und verzettelt. Eine meiner jungen Studienkolleginnen machte daraus unverblümt ein Charakterproblem und bezeichnet ihn persönlich selber als Chaoten. Ein anderer Studienkollege findet etwas zuvorkommender, man können diesem Assistenten beim Denken zuhören, wenn er sich die Sache überlegt, die er einem erklären will. Dieser Gewährsmann findet, er komme damit gut zurecht, aber andere würden wohl den Überblick über den Lehrstoff verlieren. Wie gesagt, jeder dieser Kritiker hat unsren Redner nur auf Englisch unterrichten gehört.

Mir selber war auch schon aufgefallen, wie dieser Assistent auf Englisch Powerpoint Folien projiziert und dann davor steht und herauszufinden versucht, was jetzt darauf ist und wie er das wohl erzählen wolle.

Heute vor dem Publikum aus Laien und Ehemaligen redet er Deutsch, fliessend, zusammenhängend, frei von der Sache her, ohne Zögern, ohne Schwanken und Schwafeln. Die Zuhörer bleiben die ganzen fünfviertelstunden hindurch wach, aufmerksam und stellen am Schluss Fragen, die sie direkt aus dem Vortrag heraus entwickeln.

Dieser allzudeutliche Unterschied beim sprachlichen Können gibt mir schon sehr zu denken, vor allem wenn ich im Auge behalte, dass der gleiche Assistent immer noch die Bachelorstudenten in gesetzeswidriger Weise nötigt, Leistungskontrollen auf Englisch abzulegen.

Bei fast allen Dozenten in der Biologie herrscht ein falscher Dünkel, dass man die jungen Bachelorstudenten mit englischsprachigen Vorlesungen traktieren solle. Man meint dann, man sei so ganz viel wissenschaftlicher. Grosszügig ignoriert wird das Universtiätsgesetz, wonach Unterrichtssprache Deutsch oder Französisch sei, und anderssprachige Dozenten in nützlicher Frist die Landessprache zu erlernen haben. Es ist, als würden gewisse Leute die Gesetzgebung hemdsärmlig selber an die Hand nehmen.

Meine heutige Feststellung, dass ein qualifizierter Deutscher Wissenschaftler nur als chaotischer und verzettelter Redner daherkommt, wenn er den Vortrag auf Englisch hält und das alles auf Deutsch sehr viel besser kann, das sollte ein deutlicher Hinweis sein.

Meine Studienkollegen kommen an die Uni, um sich in der Biologie auszubilden. Wollten sie gutes wissenschaftliches Englisch lernen, so gäbe es an der Uni spezialisierte Englischlehrer und zugehörige Lehrveranstaltungen. Biologen abkommandieren,um den jungen schlechtes Englisch anstatt gründliche Biologie beizubringen, ist erstens schwachsinnig und zweitens ein Missbrauch von jugendlichem Talent und Verschwenung der hochqualifizierten Intelligenz solcher Assistenten.

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