Ja u jitz?

War das alles? Der Vorstand der Schweizerischen Hochschul-Rektorenkonferenz wollte am Donnerstag, 11. Oktober beschliessen, wie man mithilfe unpolitischer Äusserungen den angeblich parteipolitisch motivierten Angriffen der SVP begegnen könne.

Die Unirektoren haben sehr offensichtlich nicht die allergeringste Ahnung, wozu wir Universitäten haben. Lässt man sie machen, so befürchte ich den grössten Larifari. Die Parteien und die Parlamente müssen ohne Verzug die Kontrolle über die Hochschulen an sich reissen. Sonst verlottert der Betrieb, weil die klugen Köpfe davonlaufen.

Der Vorstand der Rektorenkonferenz kündigte an, man wolle mit unpolitischen Massnahmen die Wellen glätten, die das politisch motivierte Mobbing gegen Nationalrat Christoph Mörgeli branden liess. Was ist dabei herausgekommen? In der Weltwoche vom 18. Oktober finden wir ein Aufsätzchen von Antonio Loprieno, Rektor der Universität Basel, Präsident der Rektorenkonferenz der schweizerischen Universitäten.

Der Text von Antonio Loprieno kommt in vier Teilen daher: Zur Einleitung lesen wir verklausuliert den Hinweis, dass man mit den dummen Sprüchen der SVP nichts zu tun haben wolle und über solchem Proletentum stehe.

In der gleichen Einleitung steht das Eingeständnis, dass der „IQ von Professoren“ nicht höher sei „als jener von Politikern, Journalisten, Managern“. Das ist der Alb aus den schlimmsten Träumen von uns Studenten! Wie nur konnte es so weit kommen?

Wozu haben wir also eine Uni und Professoren? Loprieno zufolge, damit sie den gleichen Kram wie die Politiker, Journalisten, Manager erzählen können aber „manchmal parallel, manchmal kombinierbar, manchmal widersprüchlich“. Professoren müssten, dem Oberprofessor zufolge, länger reden, wenn sie Antwort geben. Daraus also besteht in der Sicht der Rektoren das professorale: Sie sind eine weitere Sorte von Schwätzern in der Schweiz, einfach ein wenig komplizierter.

Die beiden nächsten Abschnitte im Aufsatz von Antonio Loprieno zeigen die gesamte verwirrte Haltlosigkeit, das gleiche Fehlen von Selbstbewusstsein. Er hat augenscheinlich keine Idee, wie eine Uni sich gestalten könnte.

Meine jungen Studienkollegen benoten solches für gewöhnlich mit dem Kommentar: „Der ist ohne Konzept.“ Damit gebe ich ein Beispiel für diesen seltsam unpolitischen, übernüchternen Jugendslang, mit dem ich mich jeden einzelnen Tag am Institut, in der Bibliothek, im botanischen Garten herumschlage. Man ist nicht mehr nur „kuuhl“, man ist explizit nüchtern.

Wie in einer Republik sollten die Fakultätsmitglieder über die Geschicke der Universität bestimmen. So wurde das von alters her geregelt. Heutzutags lässt man nach Belieben in einem totalen Chaos jeden dreinreden, der sich grad wichtig machen will. In der Aufzählung von Loprieno: Politiker, Journalisten, Manager, Vertreter der Kulturszene, der Privatwirtschaft, ausländische Professoren, Querdenker. Das nennt man dann „strategische Gremien“.

Als Grundwerte dieser „Republik“ gälten, die „Freiheit der Wahl des Forschungsgegenstandes“ und „Qualität der wissenschaftlichen Arbeit“. Meine täglichen Beoachtungen in Bern zeigen, wie diese Grundwerte pervertiert wurden zu „jeder wurstelt für sich alleine und schottet sich wo immer möglich von den Kollegen in der eigenen Uni ab“.

Zudem sei man emotional mit der eigenen Universität verbunden. Es spiele keine Rolle mehr, was einer studiert habe, sondern an welcher Hochschule. Die Universität sei ein Verein. Das sei eine neue angelsächsische Mode. Ich habe keine Ahnung auf welchem Friedhof Loprieno diese stinkende Leiche ausgegraben hat. Wie bei jedem richtigen Zombie ist auch diese von allen guten Geistern verlassen.

Die einzigen konkreten Aussagen finden wir im letzten Abschnitt. Hier wird in Abgrenzung zu den kollabierenden Organen der Fakultäten die Funktion der Universitätsleitung beschrieben. [Zur Erklärung für mein junges Publikum: Universitätsleitungen wurden erst in den letzten 10 bis 12 Jahren geschaffen, um die exponentiell wachsenden administrativen Vorgänge unter Kontrolle zu bekommen. Als da wären Stress mit Drittmittelbeschaffung und Kontakt zu Kontrollbehörden, Leerläufe wie die Koordination mit anderen Gremien und mit Gremien von Gremien oder auch bürokatischer Wahnsinn in der Form von Verwaltungsrechtsprechung, Gleichstellung der Gleichgestellten und „Qualitätskontrolle“.]

Adriano Loprieno zufolge ist die Funktion der Universitätsleitung, dass sie für den transparenten Einsatz der Steuergelder sorge, indem man kostspielige Dinge tue wie Gleichstellungsbüros schaffen, den öffentlichen Auftritt der Uni steuern mit Werbung, Medienmanipulation, gewitzten Logos und einheitlichem Schreibpapier (im professoralen neudeutschen speak geht es um „marketing“ und „corporate design“). Zu den Aufgaben der Universitätsleitung gehöre auch „Lehrentwicklung“. Letzteres ist jetzt echt ein Wort, das ich noch nie gehört habe und bei dem ich mich wundere, was es mit „transparentem Einsatz von Steuergeldern“ zu tun haben könnte.

Meine Schlussfolgerung aus dem ganzen: Der Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten hat nicht die geringste Ahnung, wozu wir eigentlich Universitäten haben. Mir scheint dringendst notwendig, dass die Parteien sich bemächtigen, in den Parlamenten die Ansprüche der Bürger aushandeln und vernehmbar ihre Forderungen an die Universitäten stellen.

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P.S. Wie sagte die Blogista gabi im mamablog?

Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht.

Der hier besprochene Aufsatz des Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz ist übertitelt mit „Schulen der Offenheit“.

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