Tönerne Füsse.

In der Bundesverfassung festgeschrieben hat das Schweizervolk den Schutz der Moore und Moorlandschaften im Jahr 1987 mit der Rothenthurminitiative.

Hochmoor Chaltenbrunnen, Bild:BAFU

Der von den Verwaltungen auf dem Verordnungsweg herbeigeführte Moorschutz ignoriert den Volkswillen und geht über den Verfassungstext hinaus.

Dem Schweizervolk wurden zu jener Zeit spannende Fotos verwunschener Urlandschaften gezeigt – von Hochmooren eben. Davon war das Stimmvolk beeindruckt und das hat es bewilligt. Damals erklärte man den Leuten, es gehe um zwei Dutzend besonders schöne und gesamtschweizerisch von Liebhabern geschätzte Moore. So wurde dann auch in der Bundesverfassung Art. 87, Abs. 5 festgeschrieben, dass Moore von schweizweiter Bedeutung und von besonderer Schöhnheit geschützt seien.

Vor kurzem schaute ich mir das Inventar des Bundes, Kartierung und Objektblätter an. Mir gingen die Augen über. Aus den zwei Dutzend besonders schöner und national wichtiger Hochmoore des Abstimmungskampfes machte die Verwaltung an die 3000 Schutzobjekte aus allen möglichen Lebensräumen. Ausserhalb des demokratischen Diskurses wird mit diesem Tun die Nachhaltigkeit sämtlicher Schutzbemühungen gefährdet.

Auf einmal sind es nicht mehr die paar letzten Hochmoore von „besonderer Schönheit und schweizweiter Bedeutung“. Jeder Flecken von 6 Aren Grösse und mit einer einzigen aus einer Liste von vier Hochmoorpflanzen hat auf einmal eine nationale Bedeutung und schwupps haben wir weit über 700 geschützte Hochmoorstandorte im Inventar. Viele davon sind für den Laien als Hochmoore gar nicht zu erkennen, weil sie mit einem schlecht gewachsenen Wald bestanden sind. Oder sie sind klein, unbedeutend und so abgelegen, dass sie landwirtschaftlich halt nicht genutzt werden konnten. Weil man sowieso grad dabei war, hat man die Interpretation der Verfassungsbestimmung grosszügig ausgeweitet und 1700 Flachmoore zusammen mit Sumpfwiesen, Riedern in Verlandungsgebieten und Seeuferröhrichten auch grad noch als Moore im Sinn der Bundesverfassung definiert und unter Schutz genommen. Im ganzen sind es an die 3000 Schutzobjekte.

Dass Flachmoore und Hochmoore im deutschen Sprachraum beides als „Moore“ bezeichnet werden, ist kaum mehr als ein sprachlicher Zufall. Im Englischen unterscheidet man korrekt zwischen „bog“ und „fen“ und meint damit zwei wirklich verschiedene Vegetationstypen. Das einzige, was sie gemeinsam haben, findet man in einer Definition der fünften Auflage des Ellenberg (1996). In beiden Vegetationstypen wird im Untergrund Torf angehäuft. Vegetationskundlich kann man laut Ellenberg Flachmoore in vielen Fällen nicht von Sumpfwiesen unterscheiden. Die Übergänge in der Pflanzengarnitur sind fliessend. Nachdem die Definition eines Moores eine bodenkundliche ist (fortlaufende Ansammlung von Torf), können Ellenberg zufolge nur Bodenuntersuchungen eine saubere Abgrenzung ermöglichen.

Im Scheffer-Schachtschabel (2010), in der 16. Auflage, lesen wir über hydromorphe Humusformen. Hier finden wir heraus, welche Prozesse darüber entscheiden, ob nur ein schlammiger Sumpfboden entsteht oder ob tatsächlich „Torf“ angesammelt wird. Zuerst einmal: „Torf“ in der Fachwelt ist nicht das was man in der LANDI im Plasticsack als 40 Liter Ballen kauft. Zu Torf wird jegliches Pflanzenmaterial, das im Wasser komplett von Sauerstoff abgeschlossen und nur noch ganz wenig abgebaut wird. Der Torf von der LANDI stammt aus Hochmooren und enthält die Überreste von Feinfaserigen Torfmoosen. Torf aus Flachmooren, enthält struppige Stengel, ein schleimiges Gwurgg von Sauergräsern. Wir der Boden einer Sumpfwiese nur für einen Teil des Jahres überflutet, oder ist das Wasser genug nährstoffreich, dann wird immer noch ein grosser Teil des toten Pflanzenmaterials abgebaut. Teils wird es von Wassertieren gefressen, teils fängt es unter Luftabschluss an zu faulen und wird also zu einem stinkenden, morastigen Faulschlamm. Erst wenn beide Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind, ganzjährige Überflutung und nährstoffarmes Wasser, dann wird das Pflanzenmaterial so langsam abgebaut, dass über die Jahrhunderte der Morast sich anhäuft und zum Torf wird.

Hat eine sumpfige Wiese einen dermassen nassen und verarmten Boden, dann nennen es die Fachspezialisten „Flachmoor“ und nicht mehr „Sumpfwiese“. Der ausgebildete Vegetationskundler kann es wie gesagt nicht zuverlässig unterscheiden, wenn er keine Bodenproben nimmt. Darum hat man vorsorglich alles zum Flachmoor gemacht, was von den Gräsern und Kräutern her ein Flachmoor sein könnte. Und weil Flachmoore nährstoffarm gehalten werden müssen, schneidet man um jede dieser sumpfigen Wiesen herum grad noch grosszügige Gürtel von Fruchtfolgeflächen ab, wo die Bauern nicht mehr richtig anbauen dürfen.

Für den Laien sieht das Flachmoore genaugleich aus wie eine Sumpfwiese und hat mit Sicherheit nicht das allergeringste zu tun mit dem, was er als Stimmbürger zu schützen glabute, als wir den Rothenthurm-Artikel in die Bundesverfassung aufnahmen. Dennoch, weil schliesslich in der Bundesverfassung „Moor“ steht, werden also zusätzlich zu den 700 Hochmooren noch einmal 1700 Flachmoore geschützt.

Die meisten dieser Lebensräume sind gefährdet. Sie beheimaten seltene oder gar vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere. Es gibt nichts zu nörgeln, sie zu schützen ist sicher eine gute Idee und auch viel Mühe wert. Dennoch wurde dieser Schutz abgekoppelt vom demokratischen Diskurs auf Verwaltungsebene eingeführt. Der Moorschutzartikel ist hier nicht mehr die Anleitung sondern der Deckmantel. Das Stimmvolk zu dumbem Pöbel zu machen, an den Leuten vorbei zu verwalten, führt in der Sache grosse Risiken herbei. Dieser Schutz ist auf tönernen Füssen gebaut.

a) In der Notsituation, wenn die Dinge gefährdet sind, dann sind zuwenig Leute informiert und engagiert genug, um im Parlament sich durchzusetzen und um die Regierung zur Räson zu zwingen.

b) Die Fachleute gehen aus. Seit 15 Jahren werden in der Schweiz keine Ökologen mehr ausgebildet, die diese schutzwürdigen Lebensräume als solche überhaupt erkennen und unterscheiden können. Die Universitäten der Deutschschweiz verweigern die Ausbildung solcher Ökologen. In den nächsten 15 Jahren kommt eine Pensionierungswelle bei diesen Fachleuten und der Bedarf von jährlich 20 bis 30 fähigen Ökologen kann nicht gedeckt werden.

c) Die Pflege dieser Schutzgebiete ist langfristig nicht gesichert und kann auf die Zeit hinaus nicht finanziert werden. Die Bauern, die das heute machen, werden sich innert der nächsten 10 bis 20 Jahre einer nach dem anderen verabschieden.

Verwendete Literatur:
Heinz Ellenberg (1996): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, 5. Auflage
H.-P. Blume et. al (2010): Scheffer/Schachtschabel – Lehrbuch der Bodenkunde, 16. Auflage.

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16 Gedanken zu „Tönerne Füsse.

  1. Ich kann kaum glauben, dass ein Biologe gegen den Schutz ist. Ohne die Rothenturminitive die bis heute nicht umgesetzte ist (vor allem wegen der SVP), wäre gar nichts mehr vorhanden. Im Übrigen sind wir auf die Pflege nicht auf Bauern angewiesen. Der Grossteil wird sowieso nicht von Bauern gepflegt. Die Mehrheit der Gebiete wird durch Bird Life, Pro Natura, Gemeinden und die Kantone gepflegt. Natürlich kann diese Arbeit an Bauern vergeben werden, die dann ganz normal per Stunde bezahlt werden. Aber meist wird das durch Staatliche Stellen ausgeführt.

  2. Habe ich geschrieben, ich sei gegen den Schutz? Ich lese nirgends im Text etwas in der Art.

    Hingegen schreibe ich, dass das Schweizer Volk den „Schutz der Moore von gesamtschweizersicher Bedeutung und besonderer Schönheit“ beschloss und dass dies in keiner Art und Weise dem entspricht, was die Verwaltungen daraus machten.

    Ich habe zudem bisher keine biologischen oder ökologischen Argumente gehört für den Schutz dieser kleinen und kleinsten Flecken von Hochmoorresten. Was ich höre ist, „es hat sowieso fast keine mehr“. Das ist aber weder ein populationsbiologisches noch ein juristisches Argument, warum in Hinterfultigen ein Flecken schlecht wachsender Wald – kleiner als der Parkplatz vor dem Gemeindehaus – einen solcherart absoluten Schutz geniessen soll. Ich weiss, dass es ein Hochmoor ist. Ich würde vermutlich sogar die eine oder andere seltene oder gefährdete Pflanze darin finden. Aber welcher andere Spaziergänger achtet auch noch darauf?

    Intakte Hochmoore müssen nicht besonders gepflegt werden. Dazu schreibt die Bundesverfassung als Schutzmassnahme vor, dass man sie in Ruhe lassen und nicht baulich verändern dürfe. Auch diese Verfassungsvorschrift wurde sehr grosszügig ausgeweitet. Heute versucht man mit Restaurierungen, Schäden aus früheren Jahrzehnten zu beheben. Hochmoorrenaturierungen werden, wie Sie zu recht sagen, zur Hauptsache von Gemeinden, Kantonen oder Naturschutzverbänden gemacht.

    Anders sieht es aus bei der jährlichen Mahd von Sumpfwiesen, Riedern, Röhrichten, Flachmooren. Dort gibt es Flächenbeiträge und Bewirtschaftungsbeiträge. Und das funktioniert nur, solange es Bauern gibt, die halbgratis die Landschaftsgärtner spielen wollen.

    Persönlich habe ich nichts dagegen, diese Biotope zu schützen. Aber man soll der Realität in die Augen sehen und dazu gehört auch die Frage, wie diese Verwaltungsentscheide eigentlich in der Bevölkerung verankert sind. Sie sind es nicht. Es ist eine kleine und sehr einsame Clique von weniger als 500 Leuten, die das durchzieht. Von den daran beteiligten Ökologen sind mindestens 200 mehr oder weniger kurz vor der Pensionierung ohne das irgendwo weit oder breit Nachwuchs in Sicht wäre. Die Universitäten verweigern in diesem Bereich den gesetzlichen Berufsbildungsauftrag.

  3. Ich habe nicht Hochmoorrenaturierungen gemeint. Für den jährliche Mad von Sumpfwiesen, Röhrichten, Flachmooren sind in den meisten Gebieten Bird Life, Pro Natura, Gemeinden und die Kantone verantwortlich. Oft wird dann die Arbeit wegen den Geräten durch Bauern ausgeführt. Die sich so einen Zusatz verdienen. In Kantonen mit grösseren Gebieten übernimmt diese Arbeit oft Kantonsangestellte. Diese Mad wird nur über Landwirtschaftsbeiträge bezahlt, falls die Bauern Eigentümer sind.

    Nach ihrer Argumentation könnten wir den ganzen Gewässerschutz streichen. Wegen den wenigen Fischen lohnt sich der Einsatz nicht mehr.

  4. Über Gewässerschutz habe ich gar nichts geschrieben, auch nicht recherchiert.

    Im Entlebuch habe ich Bauern gesehen beim Mähen von Flachmooren und Sumpfwiesen und sie waren entweder Eigentümer oder Pächter. Möglich, dass das anderswo anders ist.

  5. @Jürg Sie schreiben ob der Schutz einiger kleiner Reste sinnvoll ist. Im Prinzip haben wir praktisch in allen Bereichen nur noch kleinste Restnatur in der schweiz. So wie ich ihren Text verstanden habe, könnten wir darauf verzichten. So im Sinne von. Wen interessiert dieser Rest, manche wir das platt. So praktisch alle unsere Nachbarn haben grössere und damit wertvollere Naturräume. Wir haben nur noch eine Agrarwüste.

  6. @Hansli Ich sagte nicht, wir sollten verzichten auf den Schutz dieser Lebensräume. Ich beobachte, dass in den meisten ökologischen Disziplinen auch zuwenig Wissen vorhanden ist, wie gross und wie dicht gestreut, solche Schutzgebiete sein müssen, um gesunde Populationen auf die Dauer zu erhalten. Aus diesem Grund bestreite ich, dass wir wissen, wieviel Schutz mindestens notwendig ist. Das heisst, bis auf weiteres sind wir auf der sicheren Seite, wenn wir eher mehr als weniger schützen.

    Hingegen sage ich, die Naturschützer und die Naturverwaltungen sollen sich dem öffentlichen Diskurs stellen und sich nicht hinter einem Volksbeschluss verstecken, der etwas ganz anderes und sehr viel weniger beinhaltete. Man soll nicht so tun, als sei das eine gemachte Sache. Ich sage im weiteren, dass diese Art von Verwaltungs-Naturschutz nicht nachhaltig ist, weil sowohl die fachliche wie auch die finanzielle Zukunft nicht gesichert wird, wenn nicht ein grosser Teil der Bevölkerung interessiert, informiert, beteiligt ist.

    Was die Agrarwüste betrifft, so ist in der vielgestaltigen Schweiz mit ihrem abwechslungsreichen Gelände keine allzugrosse Gefahr.

  7. @Hansli,

    dort wo der schweizerische Naturschutzbund selber Land kaufte und es nach eigenem Wissen und Wollen gestaltet, da habe ich nicht das geringste einzuwenden. Es ist sein Eigentum und er soll damit machen, was er für gut befindet. Ich habe auch schon Geld für solche Käufe gespendet.

    Allerdings ist auch pro Natura auf qualifiziertes Personal angewiesen. Sogar mit den besten Absichten und dem grössten materiellen Vermögen des Naturschutzbundes, wird sich die mangelhafte universitäre Ausbildung der Fachspezialisten auswirken.

    Ich mag grad niemanden hier im Blog namentlich blosstellen. Aber ich hatte vor kurzem ein seltsames Erlebnis mit zwei solchen akademisch geschulten Naturschutzfachleuten, denen wirklich etliches an Grundlagenwissen abging. Der eine diplomierte Botaniker verwechselte Dryopteris dilatata mit Dryopteris filix-mas (zwei Farne) und beide Leiter zusammen waren nicht in der Lage, eine Ackerkratzdistel korrekt zu bestimmen. (Ich habe das Material hinterher selber gesammelt und nachbestimmt). Simpelste vegetationskundliche Kenntnisse zu den unterschiedlichen, in Gürteln angeordneten Hochmoor-Bruchwäldern fehlten. Ich zeigte mit den Armen auf die beiden nahezu konzentrischen Gürtel von Hochmoor-Fichtenwald und Hochmoor-Bergföhrenwald und fragte den Leiter nach der Ursache für diese Abgrenzung. Der Exkursionsleiter stand davor und behauptete laut und selbstsicher, hier habe es ausschliesslich Bergföhren und was ich da sagen täte von wegen Fichten, sei nicht wahr. Er hatte die Grotzen vier Meter vor seiner Nase und sah keine Fichten.

    Die zweite Exkursionsleiterin war der Meinung, im Entlebuch sei der allergrösste Teil des Waldes von selber aufgekommen.Von den enorm aufwändigen Pflanzungen von Schutzwäldern seit 1908 und wie sich diese auswirkten, wusste sie nichts – dies als doktorierte Fortsingenieurin. Im Verlauf von weniger als 50 Minuten leisteten die beiden sich ein halbes Dutzend grober Anfängerfehler.

    Beide sind Naturschutzprofi, aktive Ausbildner, beruflich sehr engagiert in der Sache und beide wurden eben gerade in der Zeit seit Ende der 90er Jahre ausgebildet, wo man aufgehört hatte, Artenkenntnis und Vegetationskunde gründlich zu unterrichten.

  8. Das sind leider keine Einzelfälle. Allerdings sollten sich bessere Botaniker finden lassen. Im Gegensatz zu allem anderen Organismengruppen ist die Systematik und Ökologie der Pflanzen an der ETHZ, WSL und UZH noch nicht ganz verkümmert. (Nebenbei: ZH-Absolventen aus ETHZ und Uni übernehmen gerade das ganze Business)
    Zum gleichen Thema, aber anders Studium: Ein Bekannter musste bei einem Jobinterview eine Aufgabe lösen. Sie waren 14 und nur 3!!! konnten die gestellte Aufgabe lösen. Dabei hatten alle auf dem Papier die verlangte Ausbildung. Die Aufgabe war nichts besonderes, sondern eine Alltagsaufgabe.

  9. @Hansli,
    Die WSL ist ein Refugium von solchen, die aus Bern vertrieben wurde und vermutlich von anderen Universitäten auch. Vier der dortigen Spezialisten hielten im Gepsräch mit mir fest, dass der Nachwuchs fehlt und dass keine Hochschule, auch ETH und Uni in Zürich nicht, die notwendige Ausbildung bieten.

    Ich mag den Baltisberger nicht schlecht machen und habe mir persönlich kein Bild davon gemacht. Aber ich sehe, welche Fehler die Leute machen, die von dort kommen.

  10. Herr Baltisberger ist wahrscheinlich der beste Botaniker der Schweiz punkto Artenkenntnisse. Ihm wurden nur von der Schulleitung die Kurse massiv gekürzt. Die WSL Leute könnten anstatt zu jammern sich selbst aktiv um den Nachwuchs kümmern. Die Jammeris haben schliesslich die Möglichkeit aktiv etwas dagegen zu unternehmen. Das wäre jedoch mit Arbeit und zu beginn mit einigen Auseinandersetzungen um Geld verbunden. Ich habe nicht geschrieben die ETH oder UZH bieten die notwendige Ausbildung, nur sind da rudimentäre Reste noch vorhanden.

  11. @Hansli

    Dieses Blog wird wöchentlich von WSL-Angehörigen ***nicht*** gelesen, so wie es auch täglich von Angehörigen der Uni Bern nicht gelesen wird und auch nicht von der ETH Zürich und nicht von der Uni Zürich. So können wir annehmen, die Leute von der WSL Ihre Worte schon zu Herzen nehmen.

    Zur Ehrenrettung muss ich sagen, dass an der Uni Bern einer von drei Masterstudenten in Pflanzen- und Vegatationsökologie bei Prof. Christoph Scheidegger abschliesst. Der hat den Lohn von der WSL und ist an der Uni Bern gratis Professor. Auch PD Beatrice Senn-Irlet betreut gratis, zum grössten Teil in ihrer Freizeit, Studenten der Uni Bern in Pilzbiologie und -ökologie. Sie hat ihren Lohn an der WSL. Von da her ist mein Eindruck eher, dass die Spezialisten von der WSL nicht jammern sondern an den Grenzen des möglichen Fronarbeit leisten.

    Auch zu den Bestimmungsabenden der bryolich kommen Fachspezialisten von der WSL, die dort in der Freizeit mitmachen.

  12. Ich kenne noch andere die in ihrer Freizeit Kurse durchführen. Für eine richtige Ausbildung müssten jedoch Vorlesungen kombiniert mit Übungen und Exkursionen angeboten werden. Da müsste der Kampf geführt werden. Ein grosses Problem dabei ist, dass einiges Saisonbedingt während der Sommerpause durchgeführt werden müsste. Dazu müssten noch entsprechende Masterarbeiten angeboten werden.

    Ein weiters Problem sind die praktisch nicht finanzierbaren Doktorarbeiten in diesem Bereich. Da würden die wirklichen Experten ausgebildet. Heute ist die Pop-Genetik und Evolutionsbiologie die Spielwiese. Zwar extrem spannend und eine wichtige Entscheidungsgrundlage , aber keine relevante Fähigkeit für die Praxis. Für die Politik und die Unis ist das eine Win-Win-Situation. Die Unis können angesagte Paper publizieren, und die Politiker können sich im Rankingruhm der Unis sonnen. Viel wichtiger für die politisch Mehrheit in diesem Land ist jedoch die Verhinderung gut ausgebildeter Ökologen. Um diesen Ökofundis die Grundlage zu entziehen wurden die Mittel für diese Forschung gestrichen. Die treibende Kraft dieser Politik ist übrigens ihre SVP. Denn wenn niemand den wert der Natur kennt, dann kann man die Natur ungehindert zerstören. Beziehungsweise die Naturfreunde können sich ohne Kompetente Leute nicht gut verteidigen. Zudem werden ohne Feldforschungen die massiven Zerstörungen zu spät erkannt. Das ist ein weiterer Pluspunkt für die Naturzerstörer.

  13. @Hansli

    An der Uni Bern war es mit Sicherheit nicht die SVP, die die ökologische Forschung und Lehre gebodigt hat. Es waren zwei parallele Entwicklungen: Mitte der 90er Jahre wurden wir Geobotankir als phil-anderthalber belächelt. Zudem schloss ein Viertel aller Biologiestudenten bei einem einzigen Professor ab und zwar Kryptogamenbiologie wie auch Vegetationskunde. Das weckte den Neid der anderen Professoren. Also beschloss man, diesen Wildwuchs auszurütten und richtige Wissenschaft anzusiedeln. Da wurde mit harten Bandagen gekämpft, um die nicht genehemen Leute zu vertreiben. Das war die Fakultät im allgemeinen und einzelne Biologieprofessoren im speziellen.

    Die zweite Entwicklung, die hier mitspielt war die Furzidee der deutschschweizer Unirektoren Ende 90er Jahre, man wolle das verstaubte schweizerische Hochschulwesen an die Zustände im Ausland anpassen. Anstatt akademischer Kompetenz von Forschern und Doktoranden war auf einmal die rasche Produktion von Publikationen gefragt.

    An beiden von diesen Entwicklungen war die SVP nicht einmal aus der Ferne beteiligt. Das einzige was man ihr vorwerfen kann, war die allzu restriktive Beschränkung der Studienzeit bis zum Diplom.

  14. So plump ist niemand!
    Die Gelder für diese Forschung wurden gezielt bei Bund und Kantonen gekürzt. Das BAFU hat kein Geld mehr, die Natur- und Umweltabteilungen der Kantone und die Fischerei- und Jagdverwaltungen ebenfalls keins mehr. Das wurde alles in den letzten 15 Jahren langsam aber stetig bei jeder Sparrunde ein bisschen mehr gekürzt. Nun bleibt für die Forschung nur noch der SNF, aber der unterstützt kaum ökologische oder Biodiversitätsthemen. Da die anderen Geldquellen versiegten wurde die Forschung der Unis auf den SNF ausgerichtet. Ab und zu finanziert die EU noch etwas Ökologisches.

  15. @Hansli

    Doch, genau so plump war es an der Uni Bern.

    Da wurde ein komplette, funktionierende ökologische Forschungsabteilung einfach hinausgeworfen, innert 6 Monaten alles abgeschoben, verkauft, verschrottet, verschenkt. Büros wurden geleert und abgeschlossen, standen einfach jahrelang leer. Superteure, spezialisierte Mikroskopausrüstungen wurden auf den Estrich geräumt.

    Der eine Doktorand musste dann jede Woche nach München fahren, wo er jeweils am Donnerstagnachmittag das Mikroskop für seine Mikorrhiza-Pilze gebrauchen durfte. Dort gab es dasselbe Mikroskop, das in Bern auf dem Estrich wegeschlossen verstaubte, auf dem Boden direkt über einem abgeschlossenen, leeren 60m2 grossen Büro!

    Ja, das gibt es und der Professor, der solches erzwang, hat auch einen Namen! Er war es auch, der den ganzen botanischen Garten weghaben wollte.

    Ich war zu jener Zeit nicht in der Gegend. Hätte einer probieren sollen mit mir!

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