Hoppla Schorsch!

Als engagiertem SVP-Wähler wurde ich natürlich schon letztes Wochenende in Sachen Mörgeli angetüpft. In den Kreisen, wo ich verkehre, da ist man Links und Nett. SVP wählen darf man schon, aber nicht darüber reden. He nu, hier ist was ich denke:

Erstens, offensichtlich war Christoph Mörgelis Entlassung schon länger geplant und abgemacht. Einen solchen riesigen Mais macht eine Insitution nur, wenn sie von sich und von den eigenen Problemen ablenken will. Es geht in der Folge darum, wovon abzulenken es gibt.

Zweitens, sämtliche prominenten Parlamentarier verwenden einen Teil ihres Arbeitspensums für die politische Arbeit, politisieren also auf Kosten ihrer Arbeitgeber. Nur wäre ich als Berner Steuerzahler strikte dagegen, dass ich Staatsangestellten den Lohn zahle, damit sie dann damit im Parlament sich umtun. Was die Zürcher machen, geht mich als Berner hingegen nichts an.

Zu erstens: Die Vorwürfe an Christoph Mörgeli waren, dass seine Sammlung nicht gut genug gepflegt sei und das Museum veraltet. Die Pflege der Sammlung kann ein Kurator nicht alleine betreiben. Er müsste dazu professionell ausgebildete Restauratoren zur Hand haben. Das sind teure, hochspezialisierte Handwerker, die man zuerst finden muss.

Gut im Gedächtnis habe ich abendelange Gespräche mit einer befreundeten Clique von Textilrestauratorinnen. Sammlungen pflegen gibt irrsinnig viel Arbeit. Eine von den Frauen war in einem europäischen Völkerkundemuseum angestellt, mit der weltweit grössten Sammlung und ausgesprochen einzigartigen Sammelstücken. Diese verrotteten in feuchten Kellern. Eine allereinzige Restauratorin konnte das nicht alleine erledigen.

In dem vorliegenden Fall ist die Frage, ob der Kanton Zürich überhaupt Geld ausgeben und die Sammlung pflegen will. Genau das müsste nun ein akademisch geschulter Kurator angehen. Wenn er mit solchen Vorwürfen konfrontiert wird und es fehlt das Personal, dann muss er nicht die Sammlung in Ordnung bringen, sondern er muss Konzeptpapiere schreiben, Sitzungen anberaumen, Budgets auflisten. Vorausschauend muss er Papier produzieren und einer verstaubten, unterbeschäftigen Erziehungsbürokratie etwas zum Arbeiten geben. Diese Beamten können dann ebenfalls Sitzungen anberaumen, Mitberichte verfassen, emails verschicken, Spesen verrechnen, kurz und gut, ihre überflüssige berufliche Existenz wird gerechtfertigt. Und der Kurator kann hinterher gewissenhaft von sich behaupten, er habe alles mit seinen Möglichkeiten erreichbare getan.

Zu zweitens: Die Jagd nach Drittmitteln, nach Forschungsgeldern zwingt unsere Uniprofessoren als Handelsreisende durch die Welt zu jetten, ihr Institut zu verkaufen. Sie müssen Allianzen schmieden, Videokonferenzen durchführen, hier Händeschütteln, dort in die Kamera lächeln, an einem weiteren Ort die Presse zufrieden stellen. Wonach tönt das eigentlich? Richtig, wir zwingen unsere Professoren, Bildungspolitik in eigener Sache zu machen.

Die bundesrätliche Schnapsidee, Milliarden von Forschungsgeldern in die europäischen Forschungs-Institutionen zu verschieben und dann dieses Geld mit bürokratischem Aufwand an unsere Unis zurückzuholen, hat genau das zur Folge: Hunderte von professoralen Staatsangestellten verplempern die von uns Steuerzahlern bezahlten Arbeitspensen mit Politik in eigener Sache.

Gescheiter würden wir einfach jeden Ordinarius von Anfang an mit genug Geld versorgen, damit er in Ruhe das tut, wofür wir ihn angestellt haben: forschen und unterrichten. Aber dann hätten unsere Bundesräte weniger Gelegenheit, europaweit sich auf die Schultern klopfen zu lassen und die Grossmänner zu spielen.

Advertisements

24 Gedanken zu „Hoppla Schorsch!

  1. Aber sie haben ein grünes Gewand an und sehen grimmig aus! Dumm nur, wenn dem Bären nur das geringste passiert, schaut der Wildhüter sicher als erstes bei ihnen nach!

    Puschlaver Bärenjäger, Foto: Blick

Was Du denkst:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s