Rechthaben.

Lieber Herr Brechbühl
Sie haben Recht bekommen…

So fängt eine email an, die mir das Herz lüpft – vor allem wenn sie von der Präsidentin des Studienauschusses kommt. Es ist ja nicht so, dass ich da Neuigkeiten lesen täte. Recht habe ich immer und Recht bekommen tue ich auch meistens.

Freuen tut mich die email aus einem anderen Grund: Meine Verhandlungspartnerin hat beschlossen, dass sie sich selber und mir einen Haufen Arbeit erspart. Der Weg vom Rechthaben zum Recht bekommen ist nämlich jedesmal lang, steinig, voller Schwitzen, Fluchen, Stöhnen und Klagen.

Der Witz vom Recht bekommen ist folgender: Ich finde für mich heraus, ob es mir wichtig ist. Wichtig können auch Kleinigkeiten sein, wenn genug Emotionen damit verknüpft sind. Danach überlege ich mir, was recht und anständig ist. Meinem Verhandlungspartner teile ich dann mein Anliegen mit, was ich haben möchte und mache einen vernünftigen Vorschlag, der für alle funktioniert. Er mag das annehmen oder ablehnen. Es ist seine Entscheidung, sein freier Wille. Wir reden bis zu diesem Punkt einfach über praktisches, mögliches, was sich gehört unter normalen Menschen. Ich habe den anderen informiert. Ich habe ihm Gelegenheit gegeben, das Problem auf eine gute Art zu lösen.

Mein Gegenüber wird in den meisten Fällen vom hohen Ross herab mich abputzen. Wir leben in einer Schweiz, wo Anstand nichts mehr gilt. Anstand wird immer öfter als Wehrlosigkeit ausgelegt. Nun verhält es sich allerdings so, dass es in unserer Rechtstradition für beinahe alles, was ein gesunder Mensch als recht und anständig wahrnimmt, auch ein Gesetz gibt.

Von da an ist meine Aufgabe, die für meinen Fall zutreffenden Gesetze und Reglemente zu finden. Meistens nutze ich dazu die Hilfe von Spezialisten. In dem Fall hier kostete mich der Anwalt 1300 Franken. Es ging um meinen Studienabschluss und war wirklich wichtig für mich. Das juristische Hintergrundwissen gibt Sicherheit, wenn die anderen nicht weiterwissen.

Dieser Schritt zur rechtlichen Kenntnis ist wichtig: Er ist an Vorbedingungen geknüpft, sonst funktioniert es nicht. Ich muss sehr präzise definiert haben, was mein Anliegen ist. Viele Menschen sind diffus, wollen dieses oder jenes, sind unzufrieden, schimpfen ein wenig herum. So geht das nicht. Man muss ein Anliegen ausformulieren. Sonst wird der rechtliche Rat teuer und nützt erst noch nichts.

Im weiteren muss ich bereit sein für die Konsequenzen. Die Konfrontation ist unbequem. Ich darf keine Skrupel haben. Der andere hatte die Gelegenheit, das Problem vernünftig zu lösen. Er hat von mir alle notwendigen Informationen bekommen. Er hat abgelehnt. Von nun an geht es nach dem Reglement. Das ist mühsam und meistens nicht so gut nach Mass geschnitten, wie wenn man sich auf eine vernünftige Lösung einigt.

Auseinandersetzungen führe ich grundsätzlich selber. Bernische Anwälte sind immer um den Ausgleich bemüht. Sie scheuen den Unfrieden, gehen Konfrontationen aus dem Weg. Sie wollen mit allen gut auskommen, vor allem mit den Herren Kollegen und Richtern. Sie denken nicht an diesen einen meinen Streit sondern an ihr gutes Ansehen in der Zukunft. Um es kurz zu machen: Die allermeisten Bernischen Anwälte sind Pfeifen, Tratschtanten, geschwätzig aber feige. (Sicher, die beiden löblichen Ausnahmen nenne ich gerne auf Anfrage.)

Wie geht es nun weiter mit meinem unabdingbaren Willen, Recht zu bekommen? Ich habe einen vernünftigen Vorschlag gemacht, habe erklärt, wie es für alle funktionieren könnte, habe mich mit Augenmass gehalten daran, was recht und anständig ist. Dennoch bin ich nicht zum Ziel gekommen. Mein Gegenüber hat frei gewählt. Seine Wahl war, auf die vernünftige Lösung zu verzichten. Er muss nun mit den Schmerzen und mit der Mühsal leben. Es ist sein Schicksal. Von jetzt an läuft es nach dem Reglement.

Für mich bedeutet Recht bekommen, fast immer einen Haufen Arbeit. Das ist lästig. Darum freut mich, wenn jemand den einfachen Weg wählt und rechtzeitig merkt, dass ich recht habe.

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