Warum ändert es keiner?

„Warum ändert es niemand, wenn es so offensichtlich ist?“, das fragt mich ein junger Studienkollege beim Mittagessen.

Ausgegangen war ich in dem Gespräch von den Klagen aus der forstwirtschaftlichen Forschung (WSL 2005). Unsere schweizerischen Universitäten verfügen über keinerlei akademische Kapazität, um lebenswichtige ökologische Fragestellungen zu erforschen. Werner Suter klagt in seinem Beitrag zu dem zitierten Tagungsband „Vom Verbissprozent zur Walddynamik“ über die fehlende Erforschung von Populationsbiologie, sozialem Verhalten und physiologischer Anpassung von Hirsch, Reh, Gemse. Zudem habe man es verschlampt, zu erforschen, wie sich die Einführung des Luchses im Berner Oberland auf diese Vorgänge ausgewirkt habe. Im Unterschied zu den Einschränkungen bei der Erforschung der sehr langlebigen Bäume:

Hier sind es nicht die Generationendauer, sondern die wegen des Raumbedürfnisses der Tiere notwendige Grösse und oftmals schlechte Zugänglichkeit der Unterschuchungsgebiete, welche das Arbeiten erschweren.

In der Tat ergibt die Durschsicht der Forschungsprofile der Zoologischen Insitute an Schweizer Universitäten oder der vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützten zoologisch-ökologischen Forschung …, dass die allermeisten Forscher solchen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen.

Sie konzentrieren sich auf leichter beobachtbare Artengruppen (zum Beispiel Vögel oder Insekten) und vor allem auf Fragestellungen verhaltensökologischer oder evolutionsbiologischer Ausrichtung, die sich unter Labor- oder experimentellen Bedingungen bearbeiten lassen, was Untersuchungsgebiete der Grössenordnung zwischen Quadratmetern und einigen Hektaren anstelle von Dutzenden bis Hunderten von Quadratkilometern erfordert!

Zum Hintergrund: Unsere Schutzwälder können langfristig nur erhalten werden, wenn die Naturverjüngung zuverlässig funktioniert. Gerade der Wildverbiss ist ein ständig von neuem beobachteter ausgesprochen zerstörerischer Einfluss auf die Verjüngung störungsempfindlicher Baumarten wie der Weisstanne oder auch der Arve. Die Bejagung von Hirsch und Reh hat die Situation nicht wirklich verbessert. Es fehlen Kenntnisse sowohl zur Populationsdynamik der Bäume, wie zur Bewegung und dem Verhalten der Tiere im Feld.

Um es kürzer zu machen: publikationsgeilen Professoren und den Forschungsappartschiks beim Nationalfonds fehlen das Wissen und Können, um das zu erforschen, was unser Land wirklich braucht. Man zieht Blattläuse in Klimakammern heran, zählt und wägt und hat alle drei Wochen etwas für die Fachzeitungen und eine gute Rechtfertigung für neue Forschungskredite. Den Hirschen würde man fluchend und schwitzend, mürbe von Hunger und Kälte, während dreier Jahre hinterhersteigen und hätte danach auch etwas zum Publizieren.

Nicht nur verweigern unsere Universitäten dem Land die Forschung, die es benötigt. Sie versäumen es auch, die Biologen auszubilden, die bei Ämtern, Bundesforschungsanstalten, privaten Arbeitgebern, Gutachterbüros benötigt werden.

Warum also wird es nicht geändert? Ich liste auf, welche Akteure an einer Veränderung interessiert sein könnten und fasse kurz, warum sie nichts tun. Die Gründe sind unchristlicher Egoismus der Professoren, Feigheit der jungen Studenten, Bequemlichkeit der Arbeitgeber, Unfähigkeit des grünen Erziehungsdirektors, Teilnahmslosigkeit der politischen Parteien.
1) Es gibt ein System von falschen Anreizen bei der Forschungsförderung. Das habe ich schon erwähnt, nämlich die einseitige Ausrichtung auf Massen von nichtssagenden, oft auch überflüssigen Publikationen.
2) Die Arbeitgeber protestieren nicht, sondern schieben das Problem vor sich her. Sie haben zur Zeit noch genügend Personal aus früheren Zeiten. Da sind sehr viele hochspezialisierte Angestellte, die in den nächsten 10 bis 15 Jahren pensioniert werden. Wenn die Arbeitgeber zu leiden beginnen, kommt ihr Protest zu spät. Vom Alarmruf bis zur Problemlösung, bis dass sowohl fähige Professoren angestellt wie auch die jungen Wissenschafter ausgebildet sind, vergehen 10 Jahre.
3) Die jungen Studenten stellen keine Forderungen, sondern laufen einfach davon. Sie denken in den ersten Jahren an der Uni nicht wirklich über ihre berufliche Zukunft nach, machen sich kein gründliches Bild darüber, wo biologische Ökologen benötigt werden. Da ist es extrem gäbig für die Professoren, wenn sie die Jungen durch das Grundstudium peitschen mit seinen infantilisierenden Leistungskontrollen und den ausufernden Studenplänen. So unterdrückt man sorgfältiges Nachdenken und kritische Wortmeldungen. Spätestens zum Bachelor fangen die Jungen nämlich mit Nachdenken an. Und da merken sie, dass ihre Qualitätsanforderungen an eine wissenschaftliche Ausbildung nicht erfüllt werden.
4) Die Professoren verzichten leichtherzig auf hiesigen Nachwuchs und fliegen für ihre Forschung die Doktoranden aus dem Ausland ein. Junge Studenten auszubilden, ist drum anstrengend und erfordert viel Aufmerksamkeit von den Professoren. Wir Kuhschweizer sind gut genug, zu blechen dafür, dass Doktoranden aus Deutschland, Holland, Frankreich, China, Indien, Italien, was ich was woher, bezahlt werden können. Ob ein einziger von denen uns je irgendetwas nützt, die Frage wird schon als unanständig vermerkt.
5) Der Kanton Bern hat seine Uni aufgegeben. Der Erziehungsdirektor denkt lieber über subventionierte Kinderhüteeinrichtungen und obligatorischen Kindergarten ab 4-jährig nach als über eine Uni. Vermutlich ist das ungefähr das sachliche Niveau, das er im Griff hat. Im Grossen Rat fällt mir keine einzige Partei mit Kompetenz in Ausbildungsfragen auf. Der Uni hat man die politische Autonomie per Gesetz erteilt und meint nun, die Sache sei geregelt, wenn man immer ein bisschen Chölen hinüberschiebt.
6) Der Uni Bern ist es ebenfalls egal, was der Kanton eigentlich benötigt oder was die Steuerzahler interessiert. Die Unileitung kommt jedes Jahr zum Anfang vom Herbstsemester daher und betet ihr ritualisiertes Gejammer herunter von wegen, man brauche mehr Geld. Dass man auch etwas spannendes bieten muss, wenn man von den Stimmbürgern Geld haben möchte und dass Luchse und Hirsche und Bergwälder spannender sind denn Blattläuse in Klimakammern und Schotenkressen in Blumenhäfeli, das muss sich glaube ich noch herumsprechen.

verwendete Literatur:
Eidgenössische Forschungsanstalt WSL (Hrsg.) 2005: Wald und Huftiere – eine Lebensgemeinschaft im Wandel. Forum für Wissen 2005

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16 Gedanken zu „Warum ändert es keiner?

  1. Eigentlich ist das ganz einfach zu erklären: Die freie Forschung existiert nicht! Wer zahlt befielt und damit forschen die Professoren wofür sie Geld bekommen. Da die Gelder für die eher angewandte ökologische Forschung von SVP, CVP und FDP gezielt in diversen Sparrunden zusammengestrichen wurden, bleibt nur noch der SNF übrig. Der finanziert jedoch von seiner Ausrichtung her die Grundlagenforschung. Da dies mehr oder weniger die einzig verbliebene Geldquelle ist, wird halt die ganze Forschung darauf ausgerichtet.

  2. @Hansli,

    Man kann auch mit Weisstannen, Rothirschen und mit Luchsen Grundlagen erforschen. Aber man kann darüber nicht alle drei Wochen publizieren.

    „Grundlagen“, die anhand von Blattläusen und Schotenkresse erforscht wurden, sind kaum auf die Populationsdynamik von Waldbäumen und die Wechselwirkungen von Säugetieren anwendbar. Das mit der „Grundlagenforschung“ ist eine beliebte und sehr beliebige Ausrede von Seiten der Forscher.

    Den Anwendern im Bereich der Erhaltung von Schutzwäldern fehlt genau das, nämlich das Grundlagenwissen. Für die angewandte Forschung haben die Forstingenieure bei weitem genug Geld.

  3. @Jürg Grundlagenforschung ist für den SNF nicht im Feld irgendwelche Grundlagen für Förster zu erstellen. Das ist grundlegende biologische Fragestellungen / Prinzipien zu beantworten, deren Ergebnisse möglichst in Natur publizierbar sind. Das ist Ziel und Zweck des SNF.

  4. Kleiner Nachtrag: In der Biologie haben wir eine Finanzierungslücke zwischen der SNF-Grundlagenforschung und der wirtschaftlich angewandten Forschung. Dazwischen haben wir ein Forschungsgraubereich, der kaum gefördert wird.

  5. @Hansli
    Ist das jetzt wirklich Ihr Ernst? Fragen nach Hirschen, die im Wald Weisstannen fressen ergeben keine Erkenntnisse zu ökologischen Grundlagen? Deren Verhalten und der Einfluss der Raubtiere passieren jenseits jeglichen ökologischen Grundlagenwissens? Erbslein, die von Blattläusen gefressen werden hingegen schon? Und wenn Parasitoide die Blattläuse fressen, dann ist das grundlegender, als wenn streunende Luchse beunruhigte Hirsche verscheuchen? Come on. Solche Behauptungen sind wissenschafts-ideologische Propaganda, es fehlt jegliche theoretische Begründung für eine solche Unterscheidung.

    Die einzigen Unterschiede sind, dass das eine methodische Kreativität erfordert, harte körperliche Arbeit beinhaltet, eine langfristige Planung benötigt, statistisch anspruchsvoll genug ist.

  6. @Jürg In der vom SNF geförderten Grundlagenforschung interessiert der konkrete Organismus niemand. Zuerst steht da die zu testende Hypothese und dann wird dazu ein labortauglicher Organismus ausgewählt. Experimente unter Laborbedingung n erlauben die Hypothesen zu testen und alle anderen Faktoren auszuschliessen. Das ist nun einmal die vom SNF geförderte Grundlagenforschung. Eine forstbezogene Fragestellung ist da bereits zu angewandt. Ausser die Fragestellung könnten in einen evolutionsbiologischen Studie versteckt werden. Nur würde da das Geld nicht fliessen, weil dazu das Modell keine schnellen Ergebnisse zulässt.

  7. @Hansli

    Mich würde mehr interessieren, wer eigentlich die Nationalfonds Projekte bewilligt.

    Die Art der Experimente habe ich schon verstanden. Wie sie gerechtfertigt werden auch. Nur sind sie leider meistens belanglos, langweilig, nichtssagend. Mit Grundlagen haben sie fast nie zu tun. Sie werden einfach als „Grundlage“ etikettiert, um jedem Kritiker vorzusetzen, dass er ein ignoranter Trottel sei.

    Hypothesen, die anhand eines beliebigen Organismus überprüft werden, sind meinen Beobachtungen zufolge von unglaubwürdig naiver Beliebigkeit. Es werden keine ökologischen Grundlagen erforscht, sondern willkürlich Mutmassungen angestellt, die auf die spezifische Lebensweise (natural history) eines im voraus gewählten schnellebigen Insektes oder Ackerunkrautes zugeschnitten sind. Meistens sind solche Spielereien nichts weiter als die Fortschreibung von früheren Experimenten, eine Art Kunsthandwerk, das nur nebenbei mit Wissenschaft zu tun hat

    Theoretisch begründete Vorhersagen müssten an verschiedensten Organismen und in ihrem natürlichen Lebensraum überprüft und falsifiziert werden. Eine gut gemachte Theorie ist nicht abhängig von einem bestimmten grad besonders tauglichen Organismus.

  8. Der gute Forscher macht eben keine willkürlichen Mutmassungen. Aber die Wahl des Modellorganismus ist für die Überprüfung von entscheidender Bedeutung. Gerade Läuse sind dazu ideal, da kurze Generationszeit, keine Stichprobenproblem und der Genotyp ist fixiert. Zudem sind die einfach mit geringem Aufwand zu halten. Aber Grundlagenforschung ist zu 99% Schrott. Darum ist das auch Grundlagenforschung.
    Zudem ist von den Modellorganismen sehr viel genetische Hintergrundinformation vorhanden. Zudem erfüllen Pflanzen und Insekten einen weiteren wichtigen Punkt. Dafür wird keine Tierversuchsbewilligung benötigt. Das gesetzgeberische Ziel ist Tierversuche zu vermeiden. Da stehen alle betreffenden Tiergruppen auf der Abschussliste, beziehungsweise die Forschung wird eigestellt oder ins Ausland verlagert.
    Aber gerade das Beispiel mit dem Hirsch ist keine Grundlagenforschung. Die Auswirkungen wurden bereits bei anderen Säugetieren untersucht (vermutlich auch beim Hirsch, kenne die Literatur dazu nicht) und sind in jedem Lehrbuch zu finden. Genauso das Verhalten gegenüber Raubtierdruck. Das wäre eine spezifische Studie die rein die Interaktion von Hirsch/Weisstanne/Luchs oder Wolf untersuchen würde. Da wird keine neue Theorie/Hypothese überprüft. Vermutlich wird das Gleiche herauskommen wie bei allen anderen ähnlichen Untersuchungen. Das heisst auch der Tierschutzantrag hat sehr grosse Wahrscheinlichkeit, dass er wegen der bereits vermutlich eher umfangreich vorhandenen Literatur abgelehnt wird. Dass eine solche Untersuchung von absoluter Notwendigkeit ist, das bezweifle ich nicht. Denn die Ergebnisse wären auf die spezifischen Bedürfnisse der örtlichen Forst-Jagdbehörde zugeschnitten. Aber eben, diese Mittel wurden gekürzt. Teilweise wird argumentiert, dass sei Sache der Fachhochschulen.

  9. Mein Fazit warum dieses Beispiel der Hirschuntersuchung nicht gemacht wird:
    – schwierige Finanzierung
    – geringe wissenschaftliche Relevanz = kleiner Impactfaktor der möglichen Zeitschriften
    – langwierige Untersuchung, d.h geringe Anzahl Paper/Zeiteinheit
    – Probleme mit der Tierversuchsbewilligung

    Sprich: Das Karriereaus für jeden Forscher im heutigen System

    Am Schluss gilt: Wer zahlt, diktiert die Bedingungen. Solange dieses System von der Politik erwünscht ist, solange wird sich nichts ändern.

  10. @Hansli

    Das mit dem Karriereaus kann der Fall sein. Ob die Politik solche Forschung will, bezweifle ich. Es gibt ein allgemeines politisches Desinteresse. Mir kommt vor, dass sich unsere Parteien foutieren.

    Ich habe einmal die Publikationsliste der Abteilung im zoologischen Institut angeschaut, die sich mit der Ökologie der Lebensgemeinschaften abgibt.

    http://apps.iee.unibe.ch/zfw/ecolEnPub2011.html

    Hier finde ich einen spannenden Wechsel zwischen den Vorgehensweisen: Anwendungsorientierte Untersuchungen im Feld führen zu grundlegenden Vermutungen über Wirkungsgefüge, die man im Labor kurz einmal nachprüfen kann. Wenn man den Effekt aus dem Feld im Labor nicht wiederfindet, bedeutet das normalerweise, dass die Hypothese zu kurz greift und man andere Einflüsse suchen muss.

    Ich finde solche Forschung spannend. Das Problem auf die Schweiz bezogen ist, dass ausschliesslich mit kurzlebigen, leicht zu beobachtenden Organismen geforscht wird. Das hat eher weniger mit „Grundlagenforschung“ zu tun, als viel mehr damit, dass man möglichst viel, möglichst schnell mit möglichst wenig Aufwand publizieren soll.

  11. Die Liste ist wirklich gut.

    Ich teile absolute deinen Standpunkt über möglichst viel in möglichst kurzer Zeit. Das ist allerdings kein CH-Problem. Das ist Weltweit der heutige Standard.

    Die Politik will genau diese Forschung. Wichtig ist da ein möglichst gutes Ranking der Uni! Das heisst ganz einfach möglichst viele Papers in den besten Zeitschriften. Der Inhalt ist egal, der Impactfaktor ist alles.
    Die neue Tierschutzgesetzgebung (vom Volk angenommen) will möglichst wenig Tierversuche bei gleichzeitiger Ausweitung des Begriff Tierversuch und massiv verschärften Vorschriften. Das verhindert Konsequent die Forschung mit betroffenen Tiergruppen. Das ist das praktische Aus für die Forschung mit Säugetieren, Vögel, Amphibien, Reptilien, Krebsen und Fischen.
    Gleichzeitig wurde wie geschrieben die Mittel für die ökologisch Praxisnahe Forschung weitgehend gekürzt.

    Die Politik bestimmt wohin die Reis geht.

  12. @Hansli

    Angenommen, ich wäre so ein Wildbiologe und möchte wissen, ob Hirsche bei bestimmten schlechten Wintertemperaturen lieber windgeschützt unter einer Tanne verharren und ob sie dann noch äsen und welches Futter sie auswählen. Dann wäre das Deinem Votum zufolge ein Tierversuch, weil der Hirsch in meinem Gehege frieren muss, statt in einem Gebirgswald?

    Und wenn ich für drei Tage den Hirsch in einem klimakontrollierten Stall in der Kälte ausharren liesse, damit ich unter kontrollierten Bedingungen etwas über seine physiologische Reaktion erfahre, dann brauche ich dafür die Bewilligung der Ethikomission?

    Kürzlich habe sie die Ethikkomission aufgeboten bei einem Menschenversuch im Altersheim hier im Emmental: Die alten Leute durften mit einem speziellen Computergame spielen und unter Anleitung Bewegungstraining machen. Das sollte ihnen helfen, ihren wackeligen Gang zu verbessern. Die Grosi hatten natürlich Freude an dem bisschen Action in dem eintönigen Alltag. Nach drei Monaten wurde dann gemessen, ob in der behandelten Gruppe die Gangqualität und -distanz verbessert wurden im Vergleich zur unbehandelten Kontrollgruppe. Damit wir das Augenmass behalten: Die Verbesserung war im Bereich von 10 Schritte ohne Rollator gehen anstatt nur 3 Schritten vor dem Training.

    Dieser Menschenversuch musste von einer Ethikkomission begutachtet und bewilligt werden. Das Bewilligungsprozedere hat mich als Steuerzahler vermutlich gleich viel gekostet wie der gesamte übrige Versuch. Hier geht es nicht mehr um Ethik, sondern um Unsinnsproduktion. Verhinderte Wissenschafter, gescheiterte Akademiker können sich da als besserwisserische Bürokraten eine fette Pension ersitzen.

  13. Bei einem Hirsch im Gehege braucht erst einmal das Gehege eine Bewilligung. Der Versuch selbst, auch wenn nur Beobachtet wird, der muss separat bewilligt werden. Natürlich müssen zusätzlich noch die beteiligten Personen die entsprechende Ausbildung als Tierversuchsberechtigter etc. vorweisen. Sonst geht da nichts. Sobald an einem Tier eine Hypothese getestet wird (auch nur Beobachtet) so ist das ein Tierversuch. Ich denke Naturbeobachtungen gehören nicht dazu, aber in einem Gehege ist das ein Tierversuch. In der Natur ist jede Handlung an einem Tier Tierversuchsbewilligungspflichtig. Also z.Bsp. Eine Reuse setzen und nachher die Fische messen. Wobei man bereits in der Bewilligung angeben muss wie viele Fische man Untersuchen will!!!!! Das gilt nur beim testen einer Hypothese! Was ja das Ziel jeder Forschung ist. Macht ein Ökobüro eine Bestandeskontrolle mit einer Reuse, so ist das kein Tierversuch, da nichts getestet wird.

  14. @Hansli

    Darf das Ökobüro ohne Tierversuchsbewilligung die Länge der Fische messen, wenn es vermutet, dass sie dieses Jahr weniger Nahrung fanden?

    Und ehrlich, verarschst Du mich wirklich nicht?

  15. Nein, das ist die bittere Wahrheit. Das steht alles in der Tierschutzverordnung von 2008, die nach dem Volksmehr zum Tierschutzgesetz in Kraft getreten ist. Die meisten die ich kenne haben dem Druck nachgegeben und gehen für die tierschutzrelevanten Untersuchungen (Feldarbeit, Experimente etc..) ins Ausland oder haben sich wie die ganz grosse Mehrheit auf Organismen verlegt die nicht unter das Tierschutzgesetz fallen. Tierversuchsbewilligungen für Untersuchungen wie Fische messen, Vögel wägen, Tiere im Gehege oder Aquarium Beobachten, DNA Proben von einer Haarprobe oder Abstrich etc. sind reinste Schikane. Diese Schikanen will keiner über sich ergehen lassen. Und nicht zu vergessen muss alles im Voraus geplant und eingegeben werden. Der ganze Prozess dauert so ca. 4 bis Monate, da eine Kommission darüber entscheidet. Jede kleinste Versuchsänderung muss nachträglich Bewilligt werden von dieser Kommission, was wiederum diese 4 bis 5 Monate dauert. Zudem benötigt die Forschungsgruppe mindestens einen Tierversuchsleiter (Grundausbildung 1 Woche, 3 bis 4 Jahre Erfahrung, und Leiterausbildung ca. 3 Tage) und er muss alle Handlungen am Tier selber durchführen oder jemand mit der Grundausbildung unter seiner Aufsicht. Im Klartext heisst das, Studenten kommen gar nicht mehr in den Kontrakt mit Tieren. Da die Grundausbildung 1000.- kostet. Wer z.Bsp. einen Mäusekurs anbieten will und mit Studenten im Feld Mäuse fangen geht, der braucht ebenso eine Tierversuchsbewilligung. Ich kann dazu nur sagen. Der Tierschutz hat gewonnen. Für Ökologen ist die Forschung mit tierschutzrelevanten Gruppen und die Ausbildung daran praktisch verunmöglicht worden.
    Das Beste jedoch ist: Als Tierversuch gilt nur die Handlung am lebenden Tier. Ich darf ohne Tierversuchsbewilligung mit einem Netz fischen wobei die Fische getötet werden oder tödliche Mäusefallen verwenden. Tote Tiere sind nicht Tierschutzrelevant.

    Das ist gelebte CH-Politik.

  16. Noch besser ist, dass die Tierschutzverordnung sogar Haltungsvorschriften für Tiere enthält die zu deren Tod führen.

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