Digiknipse.

Spezifikation: Klein, robust, flach, wasserdicht, mit GPS, billig – ich brauche eine Kamera, die ich wirklich dabei habe, mit der ich dokumentieren kann, was mir unterwegs auffällt.

Testbild TX1, mit Blooming.

Deutlich sichtbar das „Blooming“ des Sensors, insbesondere links unten neben den weissen Zugenblüten.

Die von mir ausgewählte Kamera erfüllt 3 von 5 Kriterien. Sie ist allerdings nicht wasserdicht und verfügt über kein GPS für die Kartierung der Fotos. Die Sony DSC-TX1 kostet zur Zeit Fr. 148.- als Liquidationsmodell beim photovision an der Marktgasse in Bern.

Ich bringe einen kurzen Testbericht.

Also denn, zum Test meines neuen Fötelers:

Das Objektiv mit Zoom ist vollständig intern im Gehäuse. Dies macht die Angelegenheit sicher vor Beschädigungen beim Hantieren im Feld. Das Objektiv ist beim Versorgen gut geschützt hinter einem Schiebedeckel, so dass man die Kamera problemlos in den Hosensack stecken kann. Fast die gesamte Bedienung läuft über den Touchscreen. Mit meinen dicken Fingern ist das ein Vorteil im Vergleich zu den üblichen Kameras mit ihren 10 Knöpflein. Der Touchscreen funktioniert auch, nachdem ich den Display mit einer Schutzfolie abgedeckt habe. Diese finde ich nötig, um Kratzer zu verhindern. Das ganze Apparätli ist klein wie ein Zigarettentruckli und 140g schwer.

Für mich gewöhnungsbedürftig ist eine Kamera ohne optischen Sucher, die man, wie die japanischen Touristen, die Grosi und die Gotti mit ausgestreckten Armen vor sich hinhält. Ich nehme das Ding immer noch reflexartig an das Auge, wenn ich schnell einen Schnappschuss machen will.

Wichtige Funktionen für die Naturfotografie sind bei dieser Kamera eingebaut: Man kann den Blitz tagsüber einschalten, um im Gegenlicht aufzuhellen. Die Belichtung kann korrigiert, der Messbereich eingestellt werden.

Der Weissabgleich funktioniert automatisch. Das kann allerdings bei Wiesenfotos mit viel Grün im Hintergrund Probleme machen. Eine manuelle Anpassung des Weissabgleiches ist nötig. Dazu sollte man wenn irgend möglich eine neutrale 18% Graukarte zu Hilfe nehmen – am besten die standardisierte Karte von Kodak besorgen. Leider gibt es bei dieser Kamera keine der sonst üblichen voreingestellten Weissableiche für Aussenaufnahmen, im Sonnenlicht, im Schatten, bei Bewölkung.

Nahaufnahmen sind bis 3cm Distanz möglich. Ich denke eher nicht, dass man das ohne Stativ machen sollte. Es gibt ein Stativgewinde und anstelle des fehlenden Fernauslösers kann man auch den Selbstauslöser auf 2 Sekunden einstellen. So werden Verwackelungsunschärfen verhindert. Für die oben gezeigte Aufnahme habe ich den eingebauten Bildstabilisator benutzt. Der ist eine Notlösung. Wie er sich sonst so auf die Bildqualität auswirkt, weiss ich noch nicht.

Kunstgerechte Nahaufnahmen fertigt man mit der maximalen Brennweite an, das heisst auf grösste Tele-Vergrösserung eingestellt. Die „digitale Vergrösserung“ soll man als Spielzeug für japanische Kunden ansehen und in den Voreinstellungen ausschalten.

Ein junger Studienkollege gibt sich extrem nicht beeindruckt, dass das Tele „nur“ einen 4-fachen Brennweitenbereich aufweist. Der technische Vorteil davon: Ich konnte keine chromatischen Aberrationen feststellen. Inwieweit Bildverzerrungen am Bildrand und Randunschärfen auftreten, habe ich nicht nachgeprüft. Solche Bildfehler werden durch den kleinen Zoombereich ebenfalls weniger krass.

Als wirklich auffälliger technischer Mangel fällt das sogenannte „Blooming“ des Sensors auf. Auf dem obigen Bild kann man diesen physikalischen Effekt als helle Lichthöfe rund um die Blütenblätter herum vor dem dunkelgrünen Hintergrund erkennen. Links unten werden mehrere Zugenblügen so umstrahlt. Rechts unten ist das Blooming als Aufhellung einer feingezogenen Lücke zwischen zwei nahezu parallelen Zungenblüten zu sehen. Das ist dort, wo sich radial eine langgezogene Lücke erstreckt zwischen den weissen Zungenblüten, von den gelben Röhrenblüten her bis zum Rand des Blütenstandes.

Viele Kunden mögen überbeeindruckt sein von den 10.2 Megapixeln, die dieser Minisensor zusammenpflückt. Genau dieses „Blooming“ ist allerdings die Kehrseite von zu stark integrierten Sensoren. Folgendes ist der physikalische Hintergrund: Von den im hellen Licht stark angeregten Pixeln fliessen Elektronen über auf weniger nahegelegene Pixel in der Dunkelheit. Das passiert immer dann, wenn der Elektronenstrom nicht rasch genug abgeführt wird und die Pixel zu nahe beieinander sind.

Welche Einschränkungen bei der Aufnahmetechnik sich aus diesem Mangel ergeben, kann ich zur Zeit nicht abschätzen. Ich sehe ihn als schwerwiegend an. Mit „nur“ 7 statt der 10 Megapixel würde dieser Fehler nicht auftreten.

Als Augenmass: Ein Photobelichter vermag nicht mehr als 400 dpi auszugeben. Das ist auch das Maximum, das unsere Augen bei einer normalen Betrachtungsdistanz auflösen können. Ein 10 Megapixel Bild enthält genug Inforamtion für einen A3 Druck. Wer braucht das? Und wer hält sich ein A3 Bild 20cm vor die Nase? 10 Megapixel bei einer Kompaktkamera sind für den Werbeprospekt und sonst für gar nichts.

Blooming passiert nicht vor hellen Hintergrund. Das weissliche links unten ist eine Wolke am Himmel.

Ein weiterer Studienkollege will mich übertrumpfen. Seine Kamera könne auch von unten her die Blüemli aufnehmen. Seine Anregung habe ich für dieses Bild genutzt. Die Blume muss nicht abgerissen werden, so dünn ist das Gehäuse. Man beachte: Blooming tritt nicht auf vor hellem Hintergrund. Links unten ist einzig eine Wolke am Himmel.

Die technischen Einzelheiten findet meine Leser auf digitalkamera.de, wo man auch Vergleiche mit anderen Modellen anstellen kann. Zwei der aktuellen Modelle von Sony, TX10 und TX100 sind wasserdicht.

Zubehör kaufe ich bei ebay. Einen Reserveakku finde ich nötig. Als Originalzubehör kostet er beim Fachhändler 90 Franken. Das ist weit jenseits von jedem Anstand. Die Schweizer Fachhändler sollen also aufhören zu jammern, wenn die Kunden sich online eindecken. Bei ebay.ch, direkt aus Hongkong inklusive Porto, zahlte ich gestern Fr. 4.17. Links unten das Kästchen „weltweit“ muss man unbedingt anklicken. Sonst findet man die billigen Angebote nicht, sondern die Suche zeigt nur denselben Chinaramsch von deutschen Versandhändlern. Dort kostetdie Ware 10mal soviel und man muss sich von mehr als 20% der deutschen Fotoversandhändler komplizierte Schikanen wegen Porto, Rechnungen, Formalitäten und Verzollung gefallen lassen. Die Chinesen sind bei den Formalitäten problemlos, rasch, freundlich. Für solche Einkäufe bei ebay sind ein paypal Konto und eine Kreditkarte notwendig.

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