Markt ohne Preis.

Mathias Binswanger beschreibt in „Sinnlose Wettbewerbe“ was ein Marktmechanismus aus volkswirtschaftlicher Sicht ist und warum solcher nichts, aber wirklich gar nichts mit Qualitätsförderung an Universitäten zu tun hat. Das kindische Wettbewerberlis unter Wissenschaftlern findet weder an einem Markt statt, noch verbessert es die Qualtität von Lehre oder Forschung. Der Autor unternimmt es, die unsinnstiftenden Bemühungen um den Strukturwandel in unseren Hochschulen aus volkswirtschaftlicher Sicht zu zeigen.


Binswanger bringt das wesentliche über Märkte für sein Thema. So wird es für mich als Laie verständlich. Um das Wesen und die Auswirkungen von Wettbewerben zu zeigen, benutzt er Analogien aus der Sportwelt. Man muss gewohnt sein, in Analogien zu denken. Geschichten werden benutzt, um ein abstraktes Grundprinzip anschaulich zu vermitteln, ohne in abstrakte Theorie abzudriften. Die bibliographischen Daten zum Buch habe ich gestern gegeben.

Märkte sind für Volkswirtschafter ein ewiges und spannendes Thema, so wie für uns Biologen Evolution und ihre Wechselwirkung mit der Umwelt der Organismen es sind.

Den idealen Markt mit Adam Smiths unsichtbar „ordnender Hand“ finden wir Binswanger zufolge nur noch in Dritteweltländern. In Lima habe ich solches beobachten können. Eine ganze Strasse von Handwerkern bietet den Austausch von Auspuffs und Stossdämpfern an. Bei der nächsten Kreuzung biege ich links ab und bin in der Strasse mit den Händlerinnen von Strickgarn. Fast die gesamte Kundschaft in dieser 6 Millionen-Stadt deckte sich in dieser einen Strasse mit Auspuffs und Stossdämpfern ein und in der anderen mit Strickgarnen. Werbung müssen diese Geschäftsleute keine machen. Jeder weiss, wo sie zu finden sind. Die Preise sind ebenfalls gegeben, also spielt es eigentlich keine Rolle, wo ich als Kunde einkaufe.

Die Eigenschaften eines solchen idealen Marktes, wie sie auch Binswanger feststellt, sind: Eine grosse Zahl von Herstellern bzw. Lieferanten einerseits, eine grosse Zahl von Kunden andererseits, vollständige und durchdringende Information zur Ware sowohl der Kunden und wie der Verkäufer. Die Lieferanten maximieren ihren Gewinn, die Kunden maximieren den Nutzen – den Ausgleich schafft der auf diesem Markt geschaffene Preis. Das Preisdiktat setzt die Lieferanten ständig unter Druck, lässt keinen Spielraum beim Preis und behindert das Wachstum der Firma nachhaltig. Für die Kunden ist ein solcher Markt innovationsfeindlich.

Die Anbieter haben nur wenig Möglichkeiten, dieser Sackgasse des Preismechanismus zu entgehen. Sie können die Preise der Konkurrenten beim Feilschen mit Kunden unterbieten. Vielleicht bilden sie Oligopole mit einer nur kleinen Anzahl von Wettbewerbern und können in der Folge die Preise hochtreiben. Wenn sie sich am richtigen Ort einrichten, dann schaffen sie sich eine treue und exklusive Kundschaft und machen dabei die freie Preisbildung überflüssig. Einige glückliche werden mit neuen Erfindungen ihre Konkurrenten ausstechen. Und die Desperados täuschen ihre Kunden mit schlechter Qualität und unterlaufen damit die vollständige Information.

Eine kleine Zahl von Wettbewerbern fand man in Lima bei den Eisenwarenhändlern – nur fünf Spezialisten bieten ein Sortiment von Schrauben, Schraubenziehern, Sekundenklebern. Sie bilden ein Oligopol und machen die Preise bei Importwaren. Eine exklusive Kundschaft finden rennomierte Geschäfte in den Vorstädten, wo der Mittelstand wohnt und die Damen beim Nachmittagstee diskutieren, wo man die schönsten Strickwaren bekommt. Hier ist die Kundenbeziehung wichtiger als der Preis. Einzigartige Angebote bieten zum Beispiel Fotografen. Solche Fotografen mit eigenem Ladengeschäft gab es damals nur drei und einer davon war ausgerechnet in der Strassenecke zwischen Wollhändlerinnen und Auspuffmechanikern.

Was unterscheidet nun die Wettbewerbe unserer Wissenschafter um Abdrucke in Fachzeitschriften, um Forschungskredite von Forschungsförderungsinstitutionen von einem echten Markt? Die Kunden haben nichts zu sagen. Weder die Leser der Journals noch die Abnehmer der wissenschaftlichen Erkenntnisse bestimmen über die Vergabe der Gelder und der Anerkennung. Es gibt Binswanger zufolge keinen Preisbildungsmechanismus, der die Balance zwischen Anbieter und Abnehmer schafft.

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