Unsinn.

Form statt Inhalt, Menge statt Qualität, Besserwisserei statt besserem Wissen, akademisches Proletariat anstatt intellektueller Elite – meine pessimistische Sicht auf die Lehre an unserer Uni und speziell bei den Ökologen habe ich aus der Froschperspektive dargestellt.

Einen guten Überblick mit dem Auge des Adlers gibt hingegen Mathias Binswanger – Fachlehrer für Volkswirtschaft am Tech in Solothurn. Pardon in Zeiten der Bolognareform sagt man natürlich auch einem Tech „Fachhochschule“ und der ist ja jetzt auch Professor. Henu, seine wissenschaftliche Qualifikation ist ausser Frage. Er hat an der Uni St. Gallen habilitiert.

Mathias Binswanger:
Sinnlose Wettbewerbe – Warum wir immer mehr Unsinn produzieren
Herder, Freiburg im Breisgau, 2010

Vergriffen – antiquarisch besorgen über eurobuch.com

Meine Buchbesprechung und meine Schlussfolgerungen daraus muss ich auf drei Blogeinträge verteilen.

Mein Hinweis auf das Buch ist nicht besonders originell. Der Balti schreibt darüber auf seinem TikiWiki und ich habe es wegen seiner Beschreibung antiquarisch besorgt. Das Buch ist lesenswert.

Morgen beschreibe ich was Binswanger zufolge passiert, wenn man künstliche Wettbewerbe ohne Markt schafft. Im nächsten Eintrag werde ich Binswangers Einblick in die historische Herkunft dieser obszönen Wettbewerberlis-Spiele zusammenfassen und dazu die Frage stellen, ob wir Universitäten schaffen, wo es am Schluss nur noch deutschen Doktoranden und deutschen Professoren wohl ist. Sehr offensichtlich werden nämlich die Qualitätsansprüche der jungen Generation von Schweizer Studenten missachtet – nüchterne, aufmerksame, gescheite junge Erwachsense, konservativ in ihrer Werthaltung und etwas sehr unpolitisch. In der dritten Folge werde ich der Frage nachgehen, wie wir den Ausweg aus der Sackgasse finden. Es ist offensichtlich, dass sich die wissenschaftlichen Bereiche unserer Uni immer mehr isolieren von der gesellschaftlichen Realität, von den Anforderungen der Arbeitgeber, den politischen Einbindung. Ich denke nicht, dass man in der Schweiz auf die Dauer Unsinn für viel Geld produzieren kann. Die Leute sind zu nah an der Sache dran.

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2 Gedanken zu „Unsinn.

  1. Der Elfenbeinturm existiert wahrscheinlich seit der ersten Universität…

    Die politische Vernetzung ist im Übrigen unerwünscht. Wer sich zu sehr exponiert, der wird massiv unter Druck gesetzt! Von Öffentlichkeit, Politik und Industrie. Zudem lässt der Job als Professor kaum andere Aktivitäten zu. Oder die Uni ist sehr wohlwollend, wie in ZH mit den drei Nationalräten. Das sind eigentlich von der Uni bezahlte Berufspolitiker.

    Zum Glück hatte ich einige deutsche Professoren (und aus anderen Ländern) während meiner Ausbildung. Die haben sich wirklich für uns Studenten eingesetzt. Bei denen waren wir nicht nur eine Nummer wie bei 90% der CH-Professoren.

    Mit dem Wettbewerb wir sicher übertrieben. Allerdings sind die neuen Professoren in wissenschaftlicher Hinsicht einiges besser als viele der jetzt Pensionierten. Da hatte es einige dabei die nicht wirklich viel geleistet haben. Weder wissenschaftlich noch für die Studenten.

  2. @Hansli

    Um das Missverständnis möglichst zu beseitigen, habe ich im Blogeintrag den Ausdruck „politische Vernetzung“ korrigiert und ersetzt mit „politische Einbindung“.

    Mir ist klar, dass Professoren nicht ihre Forschungsergebnisse parteipolitisch vereinnahmen lassen sollen. Der linke Kriminologe Prof. Kilias ist da ein abschreckendes Beispiel, wie er seine Wissenschaft den jeweiligen politischen Erfordernissen anpasst.

    Was ich meinte, ist möglicherweise im Kanton Bern anders als anderswo: Hier haben sich die Parteien vor Jahren aus der Bildungspolitik verabschiedet. Es gibt schlicht keine politische Kompetenz in Berufsbildungsfragen. Bildungsdiskussionen beschränken sich auf die Frage, wieviele Gratis-Kinderhüteplätze der Kanton anbieten soll und ob der Kindergarten ab 4-jährig obligatorisch sei. Wenn es um die Fachhochschulen geht, dann interessiert die Bildung niemanden. Es geht einzig um die Verteilung der Finanzen auf die Regionen. Berufsschulen werden reihum liquidiert, ohne dass die Regierungsvorlagen gross diskutiert werden. Um die Uni kümmert sich überhaupt niemand mehr.

    In dieser politisch vollkommen anspruchslosen Situation, werden vom Grossen Rat keine Anforderungen an die Uni mehr gestellt. Sie kann sich abkapseln und in einer Scheinwelt von Pseudo-Wettbewerben, Rankings, „Qualitätssicherung“ verlieren.

    Dabei soll sich die Uni allerdings folglich nicht beklagen, wenn ihre finanziellen Anliegen von den Parteien und vom Grossen Rat ignoriert werden. Es gibt schlichts nichts, was politische Aufmerksamkeit auf eine solche Universität lenken könnte.

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