hors-sol Universität

Leuchtende Sonnenwärme im botanischen Garten. Auf der Bank vis-à-vis erweckt eine junge Frau meine Neugierde, wie sie in ein Buch vertieft ist. Heutzutags ist das ein seltener Anblick. Ökologiestudenten lesen kaum noch und wennschon, schon gar nicht ganze Bücher. Auch die meisten Professoren machen der Bibliothekarin keine Anschaffungsvorschläge mehr. Bücher sind überflüssig geworden für das Studium an der Uni Bern.

Nach einer Viertelstunde kneift mich die Neugierde allzu sehr und ich frage, was sie so liest. Ich erfahre, das sei ein ganz einfaches und kleines Büchlein auf Englisch, ein Roman aus den 60er Jahren. Sie wolle drum Englisch lernen. Mir ist immer sympathisch, wenn junge Menschen sich selber auf die Socken machen und sich hineinlegen. Danach erfahre ich allerdings den Schock für die Woche: Sie studiere nämlich Anglistik an der Uni Bern und dort lerne man kein Englisch. So weit sind wir also heutzutags an dieser hors-sol Universität. Studentinnen machen den Meister in Englischwissenschaften ohne dabei brauchbares Englisch zu lernen. Das müssen sie sich selber beibringen.

Wundern tut es mich allerdings nicht mehr wirklich: Ökologen werden promoviert ohne dass sie die Pflanzen und Tiere kennen, also wird es andernorts an unserer Uni nicht viel anders sein. Man kennt am Schluss des Studiums einen Haufen gescheite Details ohne sich in der Sache auszukennen.

Was würde passieren, wenn Ärzte und Juristen genauso entwurzelt und fremd der Welt und den Dingen wären? Die grossen Mengen an Studenten werden bei den Juristen und den Ärzten ausgebildet. Was würden die Arbeitgeber dazu sagen, wenn Juristen die Gesetze nicht kennen und Richter sich nicht auskennen in dieser Welt? Was wäre, wenn ein Arzt noch nie den Puls gefühlt, den Atem abgehört, noch nie einen lebendigen Menschen abgetastet hätte?

Bei den Juristen ist der Zustand normal. Hier wird Weltfremdsein nicht aus Nachlässigkeit in Kauf genommen. Es ist auch nicht Auswuchs schnöder Besserwisserei. Juristen trainieren diesen Zustand schlau und zielgerichtet. Den Boden unter den Füssen verlieren, das ist bei denen eine Art Rauschzustand im Exzess.

Schon vor 40 Jahren haben sich in der Schweiz Richter hervorgetan mit weltfremden Urteilen. Sie kaprizieren sich darauf. Für sie gehört das zur Kunstfertigkeit des Berufes, die Wirklichkeit zu verknüllen und verzerren bis zur Unkenntlichkeit. Sonst wären sie keine richtigen Richter. Mit solchem wird man reich, weil danach ein anderer Jurist oder Anwalt daherkommen muss und die verzerrte juristisierte Welt für seinen Klienten oder Arbeitgeber für gutes Geld neu zurechtbiegen muss. Hätten sie einen ehrlichen Beruf erlernt, so wären sie nicht Juristen sondern Jean Tinguely.

Und bei den Ärzten? Wären Ärzte auf solchem Niveau ausgebildet, dann täten ihnen die Patienten davonlaufen. Man würde schimpfen über die Kurpfuscher. Das alles hätte einen ganz grossen Vorteil: Unsere Krankenkassenprämien würden um dreiviertel sinken.

Ökologen und Englischwissenschafter haben brotlose Berufe erlernt. Sie könnten genausogut sich als freischaffende Künstler im Telefonbuch eintragen. In diesen Fachgebieten gibt es kaum Arbeitgeber, die reklamieren täten, wenn die jungen nach dem Studium nichts wirklich brauchbares können und das wesentliche nicht wissen.

Die Folgen davon werden im Naturschutz, bei Renaturierungsvorhaben, bei ökologischen Interventionen in der landwirtschaftlichen Produktion verheerend sein. Man kauft es den gescheiten aus den Planungsbüros und dem Ämtern schlicht nicht mehr ab, wenn sie nicht wissen, wovon sie reden.

Das Juristengeschäft ist das zweitälteste Gewerbe der Welt und fest in unserer Kultur verankert. Ökologen haben nichts was sie in unserer Kultur verankert. Sie haben nur ihre linke Lobby. Und die ist ganz genau so zuverlässig wie der ideologische Wind, der heute weht. Wir haben grad letztes Jahr sehen können, wie diskussionslos die paar Arven am Oberaarsee uninteressant wurden für unsere Roten und Grünen.

Als einziges hatten Ökologen in vergangenen Jahrzehnten Fachwissen zu bieten, Sachkenntnis. Durchgesetzt haben sie sich dank ihrer Begeisterung für den Beruf und letzlich der körperlichen Zähigkeit, die man sich in jahrelanger Feldarbeit antrainiert. Die Jungen bekommen nichts mehr von all dem auf den Weg. Sogar die Freude und Zuversicht nimmt man ihnen mit diesem Studium.

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