Von wegen…

… Klimaerwärmung: wenn es an Ostern schneit, dann ist es kaum wegen der Klimaerwärmung. Ein Wetterereignis macht noch lange keinen Klimawandel. Schliesslich ist es ein Unterschied, ob wir mit der Grundgesamtheit zu tun haben oder mit einer willkürlichen Stichprobe.

… eine neue Etikette macht noch lange keine neue Gesinnung.

… Statistik, wo kämen wir hin, wenn die Leute den Unterschied nicht mehr kennen täten. Wenn wir einen besonders warmen März hinter uns haben, ja dann ist es statistisch, weil dann kommt der von der Klimaerwärmung. Ups, der Februar war rekordkalt, das wissen wir doch jetzt wirklich alle, das war eben ein Wetterereignis, ein Kapriole und somit kein Hinweis auf den Zustand des weltweiten Klimas. Das wird nämlich statistisch wärmer.

… Unterschiede: Wer von Stichproben auf die Grundgesamtheit schliesst, der schafft Verallgemeinerungen. Wer offen nur den genehmen Teil der Stichprobe gelten lässt und aus der abhängigen Stichprobe Schlussfolgerungen für die Gesamheit zieht, der ist ein Rassist. Wer die Auswahl heimlich trifft und dabei auf seine Karriere schielt, ist ein Datenfälscher. Wer die Auswahl hinterhältig vornimmt und ein politisches Ziel verfolgt damit, der betreibt Desinformation.

… die Jungen und die Ewiggestrigen: Die politische Schweiz von heute teilt sich in diejenigen, die den Kalten Krieg miterlebt haben und diejenigen, die damals noch zu jung waren. Von denen, die damals dabei waren, gibt es diejenigen, die wissentlich und wissenschaftlich geführt Demagogie und Desinformation betrieben. Sie spielen heute die harmlosen. Zu diesen ewigen Kalten Kriegern zähle ich die Anhänger und die Mitläufer der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. Sie haben nie wirklich verstanden, dass die Zeiten des Klassenkampfes vorbei sind. Sie singen bei jeder Parteiversammlung die sozialistische Internationale und strecken dazu die Faust in die Höhe. Sie hantieren mit dem alten Jargon und unterschlagen ihre eigene finstere Vergangenheit.

Die meisten von uns älteren hatten zwar die Zeiten des Kalten Krieges durchlebt, aber wenige wissen, welch riesiges Glück sie hatten, heil davongekommen zu sein.

Meine jungen Studienkollegen von heute wissen kaum, in welcher glücklichen Zeit sie aufgewachsen sind. Sie kennen den Kalten Krieg und seine Wirren nicht einmal recht aus Erzählungen. Denjenigen, die den ewigen kalten Kriegern auf den Leim gehen, mag ich kaum etwas vorhalten. Ich nehme es mit Aufmerksamkeit zur Kenntnis.

Weil es meine Überlegungen so genau illustriert, so gut zur Jahreszeit passt und weil ich in jener Zeit grad genau so jung war, zitiere ich zu Ostern aus der Rede des Nationalrates Peter Vollmer vor dem XI. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands vom 21. April 1986. Er überbrachte seine Grussbotschaft im Namen der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. Vollmer rühmte in seiner Rede die grossartige Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien.

Nationalrat Peter Vollmer widmete seine Rede den aktuellen grossen Themen, dem Weltfrieden, der Gerechtigkeit, dem Schutz der Umwelt. Er strich Erich Honecker den Honig ums Maul als er befand:

Eine sinnvolle Existenz zu ermögliche ist nur in einer lebenswerten Umwelt möglich. Was nützt der materielle Wohlstand, was nützt die soziale Sicherheit, wenn um uns herum unser Lebensraum verpestet und vergiftet ist.

Ich war beeindruckt von der Rede Eures Generalsekretärs, des Genossen Erich Honecker, über den Leistungsausweis Eurer Ökonomie und Eurer Gesellschaft… wie die Menschen hier in diesem Land für Frieden und Gerechtigkeit eintreten und wie sie mit ganz konkreter Arbeit einen Beitrag für eine menschengerechte Welt und Gesellschaft leisten.

April 1986, das war drei Jahre bevor die Ungarn aufhörten die Löcher im Eisernen Vorhang zu flicken. Da frage ich mich, wie lange die Sozialdemokratische Partei der Schweiz noch braucht, sich bei den deutschen Opfern zu entschuldigen fürdiese schleimigen Lobhudeleien beim letzten totalitären Potentaten Europas. Dazu allerdings müsste man hinstehen können und auch vor dem eigenen Stimmvolk zugeben können, wie anpasserisch und verlogen man war.

Der Wortlaut dieser Rede liegt hier auf meinem Tisch. Ich könnte die genaugleiche Rede für etliche meiner jungen, engagierten Kollegen vorlesen. Ich täte einfach die Worte „SED“, „Parteitag“, „Honecker“ weglassen und alles andere munter plagieren und schon wäre ich topmodern, für den Umweltschutz und der beste Kandidat, die Welt zu retten.

… bei den Grünen ist alles ganz anders: Richtig, die hiessen bis zum Fall der Berliner Mauer „Progressive Organisationen der Schweiz“, waren einen kommunistische Frontorganisation und wollten den Marxismus einführen. Nach dem Mauerfall war Marxismus nicht mehr wirklich sexy. Aber ouh, wie geil, in Deutschland haben die Grünen Erfolg, von jetzt an sind wir auch „Grüne“.

Vielleicht kommt eine Zeit, wo wir unseren Schulkindern den Kalten Krieg erklären mögen. Vielleicht kommen die Sozialdemokraten auch einmal so weit, zu ihrer Vergangenheit zu stehen und sich bei den Opfern zu entschuldigen. Dass die Grünen je etwas anderes sein werden als alter Wein in PET-Flaschen, daran glaube ich kaum.

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