Was macht eigentlich die Fachschaft?

Nein, sicher nicht lesen die Professoren mein Blog! Immerhin, in den letzten wenigen Wochen fragten mich grad zwei Professoren, was eigentlich die Fachschaft der Biologiestudenten mache.

Von der Fachschaft höre man nur etwas, wenn ein Student mit seinen Noten nicht zufrieden sei. Dann täten die dem Studenten mit dem Rekurs helfen. Aber sonst? Wenn wir Studenten schon nicht zufrieden seien mit dem Lehrbetrieb, dann sollen wir doch konkrete Vorschläge machen! Er, der Professor, höre immer wieder Klagen, es gebe viel zuviele Stunden in den ersten Studienjahren. Aber dann wäre es an der Fachschaft dreinzureden, Forderungen zu stellen, zu erklären, was die Studenten brauchen.

Jedesmal wenn es einen neuen Vertreter für den Studienausschuss brauche, gehe es ewig, bis die Fachschaft jemanden schicken könne. In der Hauskomission im Institut für Pflanzenwissenschaften warte man schon lange auf einen Vertreter.

Österliches Fachschaftstreffen im botanischen Garten – es war gut gemeint: Zwei nette, lebendige, kontaktfreudige junge Frauen organisierten Ostereiersuchen. Sie hatten sich extra Mühe gegeben und kein allereinziger ist gekommen. Die eine versucht, sich das zu erklären mit „vielleicht war das das falsche für 20-jährige Erwachsene so ein bisschen Eili verstecken“.

Vielleicht ist es etwas anderes, was ich selber oft beobachte: Das gnadenlose, auf die Minuten berechnete Zeitmanagement dieser Jungen. Da wird gefeilscht um jede Minute, sogar wenn Studentinnen zusammenarbeiten. Entweder sind sie am Anschlag, so wie die Frauen, mit denen ich Kontakt habe oder sie sind Minimalisten. Von den letzteren bekomme ich nichts mit. Bei den Pflanzenwissenschaften landen die Originale, die komischen Käuze, die Leute, die sich interessieren, spannend sind, hart arbeiten. Das ist ein kleiner Bruchteil von all den Biologiestudenten.

Was also ist mit den vielen anderen? Ich weiss es nicht. Manchmal bekomme ich den einen oder anderen von den vielen anderen zu sehen – letzten Sommer im obligatorischen R-Programmierkurs zum Beispiel. Ich habe keine Erfahrung mit Minimalisten. Hinter Minimalismus kann sich fast alles verstecken: Mangelndes Können oder ungenügende gymnasiale Vorbildung können damit überdeckt werden. Man kann das Studium absitzen, um es den Eltern recht zu machen. Vielleicht ist man im falschen Studium gelandet, weil man den Numerus clausus für die Medizin nicht geschafft hatte. Oder man treibt vor sich hin, aus Langeweile und Ziellosigkeit im Leben. Das alles wären Leute, die definitiv mit mir überfordert wären. So lerne ich sie nicht kennen. Ich komme auch nicht dazu, solches zu beobachten, weil ich weder bei den Zoologen noch bei den Zellbiologen verkehre.

Wenn sie schon nicht an die Fachschaftstreffen gehen, dann gäbe es dafür mein Blog! Meine Leser könnten sich melden, ihre Meinung und Ansichten hinschreiben. Selbstverständlich lesen nicht nur die Professoren mein Blog nicht. Sondern auch alle meine Studienkollegen bis auf einen einzigen lesen mein Blog nicht und reagieren taten nur zwei Assistenten, die sich betupft gefühlt hatten.

Über all die Leute, die nämlich mein Blog sicher gar nicht lesen, schreibe ich dann ein ander mal. Auffällig ist nämlich, wie gut meine Nicht-Leser selbst über die Details informiert sind, wie mein Alter oder meinen Geburtstag.

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