Après nous le déluge!

„Der Jürg redet Blech“, mit solchen Worten traktiert ein lebenserfahrener und mit vielen Wassern gewaschener Studienkollege etliche meiner Kommentare zur minderwertigen Ausbildung und den miserablen Chancen auf dem Arbeitsmarkt von uns Berner Ökologen. Er ist Familienvater und möchte sich gerne eine gesicherte berufliche Zukunft vorstellen.

Anders tönt es dann, wenn eine von den ganz ehrgeizigen, zielgerichteten und arbeitsamen Studienabgängerinnen zum Mittagessen in den botanischen Garten kommt. Ihren Master hat sie an der WSL gemacht, dort etliche Praktikanten schon kennengelernt und seit wenigen Monaten ist sie nun auf dieser seltsamen Irrfahrt von einem Praktikum zum nächsten. Sie beschreibt, wie man die Kontakte knüpft, die Leute kennenlernt, welches die Zufälle und Umstände sind, wie jemand schliesslich eine Stelle bekommt. Die Studentin auf Stellensuche bestätigt meine Kommentare und illustriert jeden einzelnen mit topaktuellen Geschichten.

Bei Ökobüros sind augenscheinlich Umweltingenieure sehr gefragt. Umweltingenieure sind die Sorte Leute, die von allem ein wenig etwas wissen aber nichts richtig können. Die grundsätzliche Schwäche ihres Studiums wird zum grossen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt umfunktioniert. Da braucht ein Umweltbüro einen Geologen und einen Biologen, kann sich aber keinen von beiden wirklich leisten und schon gar nicht zwei neue Stellen.

Die Berichterstatterin bemerkt, der Umweltingenieur wisse ein wenig über Geologie, habe schon ein bisschen von Biologie gehört und man lasse ihn auch grad noch ein wenig Flüsse renaturieren, wo er auch grad meine, er sei jetzt ein bisschen Bauingenieur. Er könne zwar den Flusslauf und die Verbauungen nicht berechnen, aber wenn es grad gut aussehe, mache er „hier noch ein Kürveli und da noch eines“.

Die Frage ist, wie es danach weitergeht. Solcherart „renaturierte“ Flussläufe jedenfalls möchte ich hier im oberen Emmental nicht haben. Gewitter mit rasch anschwellenden Flüssen, Überschwemmungen, Landschäden sind schon so ein Problem. Da brauchen wir nicht auch noch irgendwelche Stümper von Besserkönnern, die sich von Amtes wegen aufdrängen dürfen mit verschlimmbesserten Flussbauten – ETH-Diplom hin oder her.

Umgekehrt, schliesslich rast ja unser Planet in die Klimakatastrophe wie der Schnellzug auf den Prellbock. Wen kümmern dann noch ein paar Kürveli in einem Bachbett und ein paar überschwemmte Keller und unterspühlte Bahngeleise?

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5 Gedanken zu „Après nous le déluge!

  1. Ich habe noch nie erlebt das Umweltingenieure etc.. Renaturierungen planen. Das würde keine Bewilligungsbehörde akzeptieren.

  2. @Hansli

    Da sind Sie sicher besser informiert als ich. Ich schrieb einfach die Geschichte auf, wie sie für die junge Ökologien auf Stellensuche aussieht.

    Kann ein schlaues Ökobüro die Renaturierungsplanung für ein Gewässer nicht einfach dem angestellten Umweltingenieur überlassen und dann unterschreibt halt der Chef für das Projekt?

  3. Ich war da mehrmals dabei. Die Baupläne werden da persönlich vom Wasserbauingenieur den zuständigen Bewilligungsbehörden vorgestellt. Die haben ebenfalls Wasserbauingenieure angestellt. Da wird jedes kleinste Detail durchgekaut und überprüft, ob das den Normen entspricht. Da Hochwassermodelle keine exakte Wissenschaft sind, nur Modelle, liefert das oft erheblichen Diskussionsbedarf. Eine Biologe ist da nur beratend dabei (falls überhaupt zugezogen) und kann Wünsche anbringen, die falls dem Hochwasserschutz nicht widersprechend, umgesetzt werden.

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