Gesetzesgrundlage.

Ohne Gesetzesgrundlage werden am Institut für Pflanzenwissenschaften Studenten gezwungen, ihre Leistungen in englischer Sprache unter Beweis zu stellen. Es gibt hier eine Sorte Dozenten und Assistenten, die ihre eigenen Gesetze mitbringen, die von ihnen aus gesehen an der Uni Bern gelten sollen.

Aus dem Universitätsgesetz:

Art. 11

Sprachen
1 Die deutsche und französische Landessprache sind gleichberechtigt.
2 Unterrichtssprachen sind Deutsch und nach Bedarf und Möglichkeit Französisch. Es können auch Veranstaltungen in anderen Sprachen durchgeführt werden.
3 Die Studierenden haben das Recht, Studienleistungen, namentlich Prüfungen und Arbeiten, auf deutsch oder französisch zu erbringen.

Ich habe innert einem Studienjahr mehrere Lehrveranstaltungen besucht, wo man die Prüfungen in englischer Sprache ablegen konnte. Ein einziger schottischer Professor macht regelmässig die Studenten aufmerksam, dass sie ihre Seminararbeiten auch auf Deutsch einreichen dürfen.

Die schweizerischen und deutschen Assistenten beharren auf Englisch und unterschlagen die Rechte der Studenten. Sie finden eine überbordende Vielfalt von Prüfungen, Vorträge, Diskussionsteilnahmen, Seminararbeiten, die in Englisch zu bewältigen sind.

Aus einem anderen Grund entbehren die von unseren Assistenten durchgeführten Leistungskontrollen der Gesetzesgrundlage. Die Gesetzeswidrigkeit ergibt sich aus dem RSL 05 (Reglement über das Studium und die Leistungskontrollen ann der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät):

RSL 05

Art. 16 1 Die zur Durchführung von Leistungskontrollen … berechtigten Personen sind Dozierende der Fakultät nach Artikel 9 Absatz 1 Buchstaben a bis f bzw. a bis d UniV

Blättern wir also weiter zur Universtitätsverordnung (UniV) und finden heraus, dass Assistenten gar keine Rechte haben, Leistungen zu kontrollieren, Noten zu vergeben und sachlich auch nicht die Aufträge für die Leistungskontrollen vorgeben dürfen.

Universtitätsverordnung

Art. 9

Kategorien

1 Dozentinnen und Dozenten sind
a die ordentlichen Professorinnen und Professoren,
b die ausserordentlichen Professorinnen und Professoren,
c die Assistenzprofessorinnen und Assistenzprofessoren,
d die hauptamtlichen Dozentinnen und Dozenten,
e die Lehrbeauftragten,

Noch ist im Kanton Bern die Frage nach legal oder illegal noch lange nicht scheissegal, ausser man gehöre zum Autonomen Jugendzentrum in der Reitschule. Die Uni hat zwar ihre Autonomie, aber sie beansprucht nicht die politische Anarchie für sich.

Soll ich mir überhaupt noch weiter Gedanken machen über solchermassen rechtswidrige Leistungskontrollen? Zum eigentlichen Sorgenkind werden sie, wenn der gar nicht berechtigte Assistent die Aufträge in einer Sprache erteilt, die er nicht wirklich beherrscht.

Ich habe ein halbes Jahr darüber nachgegrübelt, bis ich herausfand, was der Mann wirklich gemeint hatte als er formulierte: „Present the scientific problem for the discussion!“ Jedenfalls lag ich aus seiner Sicht total daneben mit der Vorbereitung einer Diskussion zu einer anspruchsvollen wissenschaftlichen Fragestellung.

Über solches schreibe ich gelegentlich, wenn ich in diesem Blog das weitverbreitete Chüeplütter-Englisch drannehme.

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