Minimum.

Was ein ausgebildeter Ökologe aus der Sicht der heutigen Arbeitgeber wert ist, das kann man direkt am Lohn ablesen. Ein Praktikant – egal auf welcher Ausbildungsstufe – bekommt bei der schweizerischen Eidgenossenschaft in keinem Fall mehr als 2500 Franken pro Monat. „Masters of Science in Ecology and Evolution“ stehen bei der WSL Schlange für diesen Lohn.

Bei andern Arbeitgebern ist es ähnlich. Ein doktorierter Ökologe verdient nicht mehr als ein Master. Die Arbeitgeber misstrauen sehr offensichtlich den Unis und sind nicht der Ansicht, dass man dort beim Doktorieren wesentliches oder nützliches dazulernt.

Zum Vergleich: Während meiner jungen Studienjahre, 1994, da war ich für kurze Zeit beim Landwirtschaftsamt des Kantons Luzern angestellt. Dafür konnte ich 20 Franken pro Stunde verrechnen, was 3700 Franken Monatslohn entspräche. Ein Studienkollege erledigte die Feldarbeit für sein Diplom im Auftrag der WSL zu 30 Franken pro Stunde, für mehr als 5500 pro Monat also, zuzüglich AHV Beiträge, aber ohne Pensionskasse. Für eine Hilfsassistenz an der Uni bekam man vor bald 20 Jahren 2800 im Monat. Allerdings hiess an unserem Institut eine Achtelshilfsassistenz, dass man ein 40% Pensum arbeitete.

Praktikantenlöhne gab es auch. Bei einem eher gut zahlenden Arbeitgeber in der Privatwirtschaft waren das 75’000 Franken Jahreslohn, entsprechend 6250 pro Monat. Für diesen Lohn war man während 6 Monaten auf Probe angestellt. Wenn man sich in dieser Zeit bewährte, dann blieb man und verdiente anschliessend um die 90’000, entsprechend 7500 im Monat als Anfangslohn.

Diese Arbeitgeber von damals waren der Meinung, ein ausgebildeter Diplombiologe sei fähig, seine wissenschaftliche Arbeit selbständig zu erledigen. Man müsse ihn einzig in die spezielle Arbeitsweise des Betriebes, wie zum Beispiel wie die Daten erfasst werden etc. einführen.

Ein Meister der Ökologie- und Evolutionswissenschaften von heute hat ein paar grundlegende Dinge gelernt. Er weiss ein wenig Bescheid über biologische und ökologische Sachen. Können tut er gar nichts. Dafür geht er jetzt in das Praktikum. Wenn er Glück hat, wird man ihn im Praktikum ausbilden.

Wenn er Pech hat, dann reissen bei uns die Zustände ein, wie sie im Herkunftsland unserer Professoren und Doktoranden immer mehr üblich werden: Die jungen trampen während Jahren von einer Praktikumsstelle zur anderen, werden 30, haben Kinder und sind immer noch nicht recht ausgebildet. Praktikanten werden dort missbraucht als Hilfsgärtner, Hilfssekretäre, Hilfsarbeiter. Und wenn man ehrlich ist, sind sie auch nicht zu mehr zu gebrauchen.

Das betreibungsrechtliche Existenzminimum wird ausgerechnet, wenn Du Schulden hast und die nicht zahlst und man Dir alles abknöpft, was immer man kann, ohne dass Du verhungerst oder erfrierst. In einer ganz struben Zeit habe ich das einmal nachrechnen müssen. Es wären in meinem Fall 2600 Franken gewesen. So weit gekommen ist es zum Glück nicht und meine Schulden habe ich inzwischen auch alle bezahlt.

Item, nehmen wir diese 2600 Franken Existenzminimum als Vergleichsbasis zu dem Maximum für einen Praktikanten bei der WSL von 2500 Franken.

Wir haben unseren Professoren und den Hochschulrektoren die Bolognareform durchgehen lassen. Solches ist die Folge davon!

P.S. Vergraben in meinen Akten liegt noch eine Tarifliste des Ökologenverbandes der Schweiz aus dem Jahr 1995 herum. Da werde ich bei Gelegenheit ein paar von den Zahlen noch genauer nachschlagen.

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5 Gedanken zu „Minimum.

  1. Diese Löhne werden seit langem nicht mehr bezahlt. Tariflisten sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind. Das hält niemand ein. Wer auf einen guten Lohn aus ist, der hat das falsche Studium gewählt. Hilfsassistenten haben an der ETH oder Uni etwa 25 bis 30.-. Praktikum wie angegeben. In der Privatwirtschaft viel weniger. Einzig Stellen beim Bund oder den Kantonen sind gut bezahlt.

  2. @Hansli

    Gibt es diese Tariflisten überhaupt noch? Ich erinnere Anfang 90er Jahre waren die Tariflisten des Ökologenverbandes eine ernste Sache und wurden für gewöhnlich eingehalten.

    Was wäre der Grund? Hat es im ganzen zuviele Ökologen und alle bekommen wenig Lohn? Oder hat sind vor allem die jungen dran mit Praktikumslohn für ein Sackgeld? Hat es zuviele junge Ökologen oder sind sie einfach nur schlecht ausgebildet?

  3. Der Grund ist einfach. Der billigst erhält den Auftrag. Irgendeine Tarifliste existiert sicher, hab keine Ahnung wo, da irrelevant für den Alltag. Beziehungswiese die Kantone haben Ansätze für die Aufträge. Nur existiert halt ein Unterschied zwischen der verrechneten und den tatsächlichen Stunden.
    Für Feldarbeiten werden halt billig Studenten oder Praktikanten angestellt. Proben für die Auswertung für die Ausland geschickt oder zu einer Hausfrau die das zum Niedrigsttarif als Hobby macht. Einen anständigen Lohn haben nur die Gurus. Aber auch der liegt unter dem Lohnniveau z.Bsp. eines guten Ingenieurs. Einzig Staatsangestellte sind gut bezahlt.

  4. @Hansli

    Welche Ingenieurberufe decken sich teilweise mit den Aufgaben von biologisch ausgebildeten Ökologen? Mir kommen Forstingenieure in den Sinn und Agronomen. Aber die ETH führ diese Ausbildungen ja nicht mehr durch.

    Gehören diese auch zu den Ingenieuren, die besser verdienen als die Ökologen?

  5. Ich meinte natürlich nur im Vergleich mit der Ausbildungsniveau, natürlich sind die Ausbildungen nicht gleich. Mit einer Ausnahme: Umweltnaturwissenschafter und Umweltingenieure haben praktisch die gleiche Ausbildung. Aber die Umweltingenieure finden leichter eine Stelle und sind besser bezahlt. Forstingenieure verdienen gleich wie die Biologen, beim Staat gut, sonst Hungerlohn. Die Agronomen sind besser bezahlt, da im Landwirtschaftsbereich das Geld aus politischen Gründen nie knapp ist.

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