Standpunkt.

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Das Problem mit dem Standpunkt ist, dass ein geometrischer Punkt zu klein ist, um darauf zu stehen.

Meine persönliche Sicht ist handfest, in meiner eigenen Situation begründet. Ich drücke dieses Jahr genug Steuern ab, um damit einem ordentlichen Professoren den Lohn zu zahlen. Soviel blättere ich zum Glück nur für dieses eine Jahr hin.

Ich will wissen, was passiert mit meinem Geld und ich will, dass mit meinem Geld sorgfältig, haushälterisch umgegangen, dieses Geld gewinnbringend, wirkungsvoll eingesetzt wird. Wenn mein Geld in einer Erwachsenenbildungsinstitution versenkt wird, dann erwarte ich, dass die Studenten wie Erwachsene behandelt und auf ihr Berufsleben vorbereitet werden.

Als ich meinen jungen Studienkollegen zurief, dass sie als Steuerzahler und Stimmbürger Ansprüche stellen können, nämlich dass man sie an dieser Uni ordentlich ausbilde und auf das Berufsleben vorbereite, dann wiederum hörte ich, dass sie ja gar keine Steuern bezahlen täten. Stimmt natürlich nicht. Jeder zahlt zumindest die Mehrwertsteuer und sogar bei solchen die sehr bescheiden leben und im Hotel Mamma sich verköstigen sind das noch 1000 Franken im Jahr. Es ist ihr Geld das da verpulvert wird.

Über die Misere im Ökologiestudium an der Uni Bern habe ich  mich in diesem Blog genug ausgelassen. Die Frage ist, inwiefern politisch Einfluss genommen werden kann. Kürzlich hatte ich einen befreundeten Regierungsrat aus einem anderen Kanton am Telefon. Das ist einer von den Kantonen, die selber keine Universität haben, die einen Haufen Studenten nach Bern schicken, aber nur zahlen aber nicht befehlen können.

Die Frage ist nun, ob bei der Uni Bern überhaupt jemand befehlen kann. Es ist 15 Jahre her, dass der Grosse Rat des Kantons Bern der Uni die politische Autonomie  gewährt hat. Diese politische Autonomie hat sie genutzt und sich weitgehend auch eine finanzielle Autonomie geschaffen, indem sie ein Drittel ihres Geldes von ausserhalb des kantonalen Budgets beschafft.

Im Handkehrum hat unsere Uni dieselbe Autonomie schändlich missbraucht, als sie ungefragt die Bolognareform einführte und dabei die taugliche Berufsausbildung der hiesigen Studenten dem elitären Internationalismus opferte.

Zur Zeit können wir nicht wirklich auf dem parlamentarischen Weg Einfluss nehmen auf die Uni, ausser wir nehmen der Uni ihre politische Autonomie wieder weg. Dazu müsste das Unigesetz geändert werden. Das hingegen liegt in der Kompetenz des Grossen Rates und notfalls in den Möglichkeiten des Stimmvolkes. Missbraucht die Uni ihre Autonomie, vernachlässigt sie ihre Pflichten, dann bleibt dieser Weg offen.

Ich frage betreffenden ausserkantonalen Regierungsrat also, was er meint, wie könnte ich politisch auf die Uni Bern Einfluss nehmen. Die einzige Lösung, die er sieht ist tatsächlich: „Kandidieren Sie und lassen Sie sich wählen in den Grossen Rat.“ Hah! Will ich das? Will ich nicht nur die Arbeit aufnehmen sondern mir die Gummistiefel anziehen und den Weg im nebligen Parteiensumpf  suchen?

Wie sieht es zur Zeit aus in der versumpften Berner Politik? Wir haben einen Erziehungsdirektoren, der regelmässig Entscheide des Grossen Rates ignoriert(zum Beispiel bei der Finanzierung des Botanischen Gartens). Von besonerem Verantwortungsbewusstsein zeugt solches Verhalten nicht.

Dieser Erziehungsdirektor stammt von den Grünen und die wurden vor allem gewählt, weil ein grosser Teil unserer Bevölkerung sich Sorgen um die Umwelt macht. Das Problem ist, dass die Grünen vor allem mit den Ängsten operieren und nicht wirklich mit Kompetenz in Umweltfragen. Damit, dass wir die Autofahrer schikanieren in den Städten und die AKW abschaffen sollen, damit ist die Umwelt nämlich noch lange nicht gerettet. Das ist eine Sorte Leute, die vor allem aus gutgemeinter Weltverbesserung funktionieren. Ahnungslosigkeit ist tragisch verschwistert mit Anmassung. Die Welt ist wie sie ist. Könnte man diese Welt verbessern, dann wäre sie schon besser. Als handfester Zyniker komme ich schlecht klar mit all der grünen Naivität.

Würde mir die Partei des letzten Erziehungsdirektors passen, desjenigen unter dessen Führung unsere Uni zu dem werden durfte was sie heute ist? Mario Annoni war von der FDP und fiel vor allem mit mangelnder Dossierkenntnis auf. Im Grossen Rat las er einfach herunter, was irgendein  Beamter für ihn auf den Zettel geschrieben hatte. Stellten die Parlamentarier Fragen, so wusste er keine Antworten. So wurde es mir zumindest von beiden Seiten berichtet, unabhängig je von SP und von SVP Parlamentariern.

Es war in der Zeit von FDP-Regierungsrat Annoni, als in der Erziehungsdirektion ein zum Platzen aufgeblähter Wasserkopf von Planern, Besserwissern, Sitzungen absitzenden Beamten sich etablierte und zum sich selbst fortpflanzenden Unwesen wurde. Heute herrscht dort ein Verwaltungsapparat, der vollkommen autonom sich am Leben erhält, ausserhalb jeder politischen Kontrolle sich immer neue Aufgaben verschafft, Schulreformen so gestaltet, dass die Reformen mit Garantie reformiert werden müssen. Kein anderer Kanton meint, er bedürfe zusätzlich zu den Lehrern noch 800 Vollzeitstellen, verteilt auf 1000 Leute, um seine Schulen verwalten zu  können!

Dann wäre da die Partei meines Gesprächspartners am Telefon. Die ist leider von der Arbeiterpartei zur SozialarbeiterPartei der Schweiz geworden.  Deren Wähler sind vor allem anderen Lehrer, Beamte, mittlere Kader, Leute also, die ihre Pfründen wahren, ihre in den meisten Fällen wirtschaftlich unproduktive Existenz auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung verteidigen müssen. Gesicherte und erst noch zu hohe Eiinkommen zu verlieren haben. Das ist Partei, die die Interessen der Bildungsverwalter in der Erziehungsdirektion vertritt, der Leute also, die zu allererst die eigene überflüssige Existenz rechtfertigen müssen, bevor sie sich um die Volksschulen und die Ausbildung junger Erwachsener kümmern. Sorry, aber da ist sicher mein Platz nicht.

Kämen wir noch zu der Partei der Gewerbler und der Arbeiter Es ist die Partei der Leute, die das Geld verdienen, das die Linken und die Gutmeinenden verteilen. Es ist die Partei, die sowohl in den Arbeiterquartieren der Städte die Stimmen abräumt, wie auch bei den Gewerblern auf dem Land. Will ich meine Mitgliedschaft erneuern und in der SVP aktiv mein Maul dreinhängen? Womit ist diese Partei in letzter Zeit besonders aufgefallen? Hätte irgendjemand bemerkt, dass die SVP sich besonders hervortut in kantonal bernischer Politik? Ich kann leider keine Beispiele erinnern, ausser wenn man sich vom Erziehungsdirektor hat um den Finger wickeln lassen, jede Position aufgab, bevor man sie überhaupt richtig ausarbeitete und zu vertreten vermochte.

Was also ist meine Position? Ich sehe im Moment keine Möglichkeit, in das Geschehen einzugreifen und zu verhandeln. Politisch habe ich leider nur einen Standpunkt. Position ist das keine. Eine Position kann man vor Gericht halten. Man kann eine Position in Verhandlungen mit einem Automobilhaftpflichtversicherer beharren. Man könnte sogar eine Position in der politischen Meinungsbildung vertreten, nur widern mich zur Zeit der Mief und die Vereinsmeierei in der kantonal bernischen Politik an.

Wer immer politisch Einfluss nehmen wollte auf die Uni Bern müsste eine Reihe von Hürden nehmen, von denen jede fast unüberwindlich erscheint: Er müsste eine Partei finden, die sich für die Berufsbildung von Erwachsenen interessiert und sich ein Sachwissen dazu erarbeitet. Er müsste das Parlament überzeugen. Er müsste einen selbstherrlichen Erziehungsdirektor zwingen, sich an die Vorgaben des Parlamentes zu halten. Er müsste darauf spekulieren, dass der Selbstläufer von Verwaltungsapparat nach zwei Jahrzehnten Larifari in Schranken gewiesen würde.

All das hätte einen hohen Preis: Ein Unibetrieb ist dermassen auf seine Spezialitäten ausgerichtet, darauf in jeder Disziplin wieder anderes zu leisten, sich immer wieder in einer neuen Umgebung auszurichten, dass ein Dreinreden von aussen in jedem Fall zum Holzschnitzen am groben Klotz würde. Gerade in einer Situation, wo kantonale Politik dermassen bedürftig, oberflächlich und in vielen Teilen gewissenlos geführt wird, da würde ich mich nicht getrauen, von aussen her die Kontrolle dieser Uni zu fordern.

So frage ich denn meinen Gesprächspartner, den SP-Regierungsrat aus dem fremden Kanton: „Ist eigentlich die Uni Bern ein rechtsfreier Raum?“ Seine juristisch präzise Antwort: „Nein, nicht rechtsfrei, aber autonom.“ Und ich hake nach: „So ungefähr wie die Reitschule?“ „Das wäre dann doch allzu polemisch!“

He, nu, ich halte meine Augen offen. Wenn es für mein Gefühl zu weit geht, dann allerdings werden sich meine Ohren steif aufstellen und ich müsste meine Lebensplanung noch einmal überdenken. Im Ernst Politik machen, wäre eine neue Aufgabe, an der Front des unmöglichen.

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