Gott und die Welt.

Neuerdings studiert man ja in Bern nicht mehr Zoologie. Man macht auch keinen Diplomabschluss mehr. Sondern man studiert „Ecology and Evolution“ und wird zum „Meister in Ökologie- und Evolutionswissenschaften“ gekürt.

Als ich diese Wörter im September 2010 zum ersten mal auf der website der Uni Bern aufblinken sah, da dachte ich „Mitüüri und wer soll einen Ikolotschi änd Efoluuuschon anstellen?“ Was macht ein Personalchef, der eine Stelle für einen Biologen ausgeschrieben hat, der seinem Chemiefabriggli die notwendigen Umweltmassnahmen vorschlägt? Er wird vermutlich einen Zoologen suchen, der sich mit Wirbellosen auskennt, der einiges von Gewässerschutz versteht, der mit den Ämtern, den Fachwissenschaftern reden kann, der Gutachten auswertet, die betriebsinterne Planung vorantreibt, den Chefs dreinredet und sagt, was sie anders machen müssen. Kann ein Ikolodschi änd Efolution so etwas? Der Personalchef wird das Mäppchen stirnrunzelnd zur Seite schieben und vergessen.

Inzwischen merkte ich, dass die einzigen, aber wirklich die allereinzigen, die sich auf diese Bezeichnung kaprizieren die Zoologieprofessoren selber sind. Die Studenten studieren alle zusammen „Zoologie“, sie gehen an das „zoologische Institut“ zu den „Zoologieprofessoren“ in die „Zoologievorlesungen“. War da noch etwas? Richtig, auch Pflanzenökologen sind neuerdings „Ecology and Evolutionaries“. Aber da beschränken sich die Studenten und bezeichnen sich als „Pflanzenwissenschafter“. Das Wort „Botanik“ hat man vor 15 Jahren entfernt vom Institut und 15 Jahre hat es gebraucht, um seinen Gebrauch auszurotten.

Kürzlich war ich zur Sprechstunde bei einem Statistikprofessor. Wir diskutieren hinterher noch über die Zustände im Biologiestudium im allgemeinen und über die Ausbildung der Ökologen. Er sagt mir, „die Biologieprofessoren meinen immer wieder sie müssten das Rad neu erfinden.“ Da kämen doch glatt die Zoologieprofessoren daher und wollten einen neuen Namen und die Botaniker machen auch grad noch mit. Weiter bemerkt mein Gesprächspartner: „Wer will einen Master of Science in Ecology and Evolution anstellen? Da weiss ja keiner was das ist.“ Nicht einmal die Professorenkollegen aus der Fakultät nehmen die Wörter ernst. Sie bleiben altmodisch, sagen „Zoologie“ und Herrjeh, sogar „Botanik“.

Eben genau, so habe ich es auch gemeint. Alles aber wirklich in der Biologie ist entweder Ökologie oder Evolution. Vor 140 Jahren reduzierte Francis Galton die Diskussion darüber, was die Organismen zu dem macht was sie sind, auf die Frage von „nature or nurture?“ Da grübelte einer im selben lichtlosen Loch herum, einfach mit anderen Worten: „Evolution oder Ökologie?“ – innere Gesetzmässigkeit oder äussere Umstände? Und in einer früheren Zeit sann man nach, ob es Gottes Wille sei oder der Lauf der Welt. Die Frage so zu stellen mag einen Mangel an modernen Konzpten zeigen. Die Leute hatten immer dieselbe Frage vor Augen: Kommt es von innen aus den Gesetzmässigkeiten der Lebewesen oder von aussen, aus den Umständen?

Welcher Personalchef also will einen Wissenschafter anstellen, der akademisch gebildet bestens Bescheid weiss über „Gott und die Welt“?
(Pech gehabt, der heisst nämlich auch nicht mehr Personalchef. Er ist schliesslich ein Hjumenn Rjsursis Mänätschr.)

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