The Delinquent Teenager.

Das ist der Titel von einem der wichtigeren Neuzugänge zu meiner Privatbibliothek. Geschrieben wurde das Buch von der kanadischen Recherchierjournalistin Donna Laframboise.
Laframboise hat sich aufgemacht, die Ungereimtheiten im Verhalten und in den Veröffentlichungen des IPCC-Panels zu dokumentieren. Herausgekommen ist ein detailliert recherchiertes Buch, „The delinquent teenager who was mistaken for the world’s top climate expert“. Vom Sprachstil her ist es geschrieben mit lustvoller, hämischer Polemik. Der Anmerkungsteil umfasst einen Viertel des Buches und dokumentiert mit präziser Sorgfalt sämtliche Quellen, woher sie ihre Informationen hat.

Ich ziehe ein anderes Fazit aus dem Buch. Es ist nicht die Frage, ob das IPCC-Panel lüge. Vielmehr gibt es einen grundlegenden Irrtum über Zwecksetzung, Einrichtung, Zusammenstellung und Arbeitsweise des IPCC-Panels. In unserer Öffentlichkeit wird das IPCC als wissenschaftliches Gremium gezeigt. Diese Meinung ist ein haltloses Gerücht.

Tatsächlich war das IPCC-Panel von Anfang an etwas anderes: Es wurde mit einer politischen Zielsetzung begründet, seine Mitglieder wurden nach politischen Kriterien ausgewählt, seine Führung ist politisch strukturiert, die Arbeitsweise ist politisch. Wenn das IPCC-Panel von sich sagt, sie hätten einen eigenen „peer review“ Ablauf für die Überprüfung der jeweiligen Sachstandsberichte, so sorgt dieser fahrlässige Umgang mit einem Fachwort für weitere Missverständnisse. Was das IPCC-Panel als „peer review“ bezeichnet ist unter jedem denkbaren Gesichtspunkt nicht vergleichbar mit dem peer review von wissenschaftlichen Fachzeitungen. In der Schweiz wäre das angemessene Wort dafür „Vernehmlassungsverfahren“. Eine ausgewählte Anzahl Leute wird aufgefordert, den Senf dazuzugeben. Die machen das nach eigenem Gutdünken und die Autoren der IPCC-Kapitel berücksichtigen diese Meinungskundgebungen insofern es ihnen grad in den Kram passt. Damit wäre zusammengefasst, was mir beim Leses des Buches von Donna Laframboise am meisten auffiel.

Als wissenschaftliches Gremium verstehen auch unsere Klimatologiestudenten das IPCC-Panel. Wenn Dozenten der Uni Bern aus den IPCC Berichten zitieren, dann tun sie das ebenfalls, als täten sie eine wissenschaftliche Quelle heranziehen.

Wir können auch exemplarisch nachvollziehen, wie es dazu kommt, dass sich solcherartige Missverständnisse dermassen hartnäckig in der Öffentlichkeit etablieren:

Meinen eingeschränkten Recherchen zufolge, ist Laframboise tatsächlich als Familienname in Gebrauch in Kanada. Also nehme ich einmal an, die Frau heisse wirklich so. In Kanada hält sie einen Universitätsabschluss in „woman studies“. Donna Laframboise arbeitete viele Jahre lang als „investigative journalist“. Bei uns würde man sie als „Recherchierjournalistin“ bezeichnen.

Der Beruf des Recherchierjournalisten ist in der Schweiz weitestgehend ausgestorben. Unsere Zeitungen drucken einfach die vorgefertigten Presseverlautbarungen von Regierungsstellen und von Interessenverbänden ab. Ämter informieren nicht mehr über ihre Geschäfte, sondern sie besolden „Kommunikationsbeauftragte“. Das sind journalistisch ausgebildete „spin-doctors“. Ihre Aufgabe ist, die Öffentlichkeit gezielt und nachhaltig im Interesse der Verwaltung und der Regierung zu manipulieren. Das ist der beste Weg für einen Apparat von Staatsangestellten, in einer direkten Demokratie das eigene wirtschaftliche Fortkommen abzusichern.

Dieser lässliche Umgang mit öffentlicher Information mag einer der Gründe sein, warum die Schweiz ausser Deutschland die letzte Bastion der Länder ist, wo das Klimageschtürm noch zum Nennwert genommen wird. Das IPCC-Panel ist ein politischer Verwaltungsapparat wie Dutzende andere auch. Er sucht sein bestes, um sich am Leben zu erhalten.

Donna Laframboise begründet im Nachwort, warum sie sich die Mühe genommen und ihr beschauliches drittes Berufsleben als Fotografin unterbrochen und sich noch einmal in den Chrampf hartnäckiger Recherchiererei gestürzt hat:

„In my youth I wore an activist button that read: Question authority. As a feminist who holds an undergraduate degree in woman’s studies, I believe in making my own decisions. I don’t allow myself to be bossed around. Not by men – and not by green activists.“

Was soll ich noch sagen? Mir wäre manchmal lieber, meine jungen Studienkollegen wären nicht gar so brav, dermassen arbeitsam, so umgänglich und politisch dem mainstream angepasst. Dennoch ist mir wohl mit ihrer nüchternen und bodenständigen Art, das Leben und die Arbeit anzupacken.

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