Weihnacht der Untoten.

Warum muss ausgerechnet in der letzten Woche vor Weihnachten ein Semester enden? Die Studenten werden mit dem Stress von Prüfungen und Noten geplagt. Und noch schlimmer ist der Stress der Dozenten mit den Qualitätsbewertungen. Schmausend festen hier die Untoten. Der Moloch frisst die Kinder der Gemeinschaft, verschlingt sie im hellen Feuer, als wäre der vertrocknete Weihnachtsbaum schon im Vollbrand. Und wennschon Qualitätssicherung: Wie genau will diese Uni mit ihrer naturwissenschaftlichen Fakultät feststellen, ob sie brauchbare Wissenschafter hervorbringt?

Man muss sich folgendes vorstellen. Die Studenten legen 20 Leistungskontrollen pro Jahr ab: Prüfungen, Semesterarbeiten, Vorträge. Ein paar Prüfungen kommen gut, bei anderen steckt man ein, was an Noten halt so daherkommt. Die meisten meiner jungen Studienkollegen freuen sich über gute Noten. Aber sie lassen es sich alles gefallen, so wie sie sich das ganze Studium gefallen lassen. Man lässt das alles über sich rinnen, bringt jede einzelne Lehreinheit, jede Prüfung hinter sich und vergisst das ganze. Mit dem nächsten Semester kommen neue Dozenten, neue Themen, wieder viel zuviel und viel zu allgemeingültiges Wissen. Nur weniges wird eingeübt, kaum etwas im tatsächlichen Lebensraum angeschaut und untersucht. Verhaltenskontrollen werden als „Leistungskontrollen“ reglementarisch kaschiert. In Wirklichkeit sind es ganz altmodische Fleiss- und Betragensnoten, wie man sie vor Jahrzehnten aus den Primarschulzeugnissen entfernt hat. Was das mit naturwissenschaftlichem Können zu tun hat, weiss ich nicht. Viel zu schnell wird auswendiggelernt und noch viel schneller vergessen.

Überrascht war ich nicht mehr, als mir kürzlich ein junger Studienkollege von sich aus erzählte, was ich aus meinen Beobachtungen schon vor 8 Monaten geschlossen hatte: Das Wissen, das er wirklich beherrscht, hat er in der Mittelschule gelernt. Das Grundstudium war im wesentlichen Zeitverschwendung. Schon zwei Semester später sind 80-85% des Lehrstoffes wieder vergessen, sogar bei Themen, die den Studenten brennend interessieren. Es ändert leider gar nichts an der Sache, wenn man meine Beobachtungen und Berichte als Polemik auslegt.

Was ist mit den Dozenten? Sie haben in diesem Semester ein oder maximal zwei Lehrveranstaltungen durchgeführt. Für einen jungen Dozenten ist eine einzige Qualitätsbewertung der Masstab seiner Arbeit. Er wird dieselbe Lehrveranstaltung nächstes Jahr wieder durchführen, sich ein weiteres mal fragen, warum sich die Studenten so wenig melden, so still und versumpft vor sich hinbrüten, wenig fragen und noch weniger sagen und sang- und klanglos verschwinden, wenn das Semester fertig ist. Was immer ernsthaft bemühte Dozenten sich ausdenken, was man besser machen könnte, es ist nicht klar, ob das neue Publikum, der neue Jahrgang ähnliche oder andere Kriterien mitbringt. Ein System, dermassen im Fluss, dermassen ohne Ecken und Kanten, dermassen abhängig von zufälligen Schwankungen, ohne von der Sache gegebenen Schranken, das ist unberechenbar. Woher soll also ein Dozent sich Gewissheit verschaffen, ob seine Arbeit nützlich ist?

Die Uni bläht eine weitere Bürokratie auf, nimmt verunsicherte Seelen unter ihren Schirm. Man verteilt „anonyme Fragebogen“, wobei in einer Lehrveranstaltung mit einer Handvoll von Teilnehmern die Antwortbogen rasch identifiziert sind. Da lässt man fünf Dutzend Fragen beantworten. Die Nuancen zwischen den Fragen sind kaum zu erkennen. Man fragt, ob der Student sich interessiert hat, ob er nachgekommen ist, ob man ihm genug Unterrichtsmaterial gegeben hat, ob der Dozent sich anständig benommen hat und wie lange der Student schon studiert.

Wenn ein professioneller Fragebogenautor in der Dienststelle für Qualitätssicherung vier oder fünf echte Fragen stellt und dazu 60 redundante Fragsätze mit Kreuzchen beantworten lässt, dann setzt er sich dem Verdacht aus, dass er nicht wirklich weiss was er wissen will.

Die Uni behilft sich solcher Fragebogen und will damit die „Qualität der Lehre“ „evaluieren“. Ich habe kürzlich mit einem Spezialisten mich unterhalten, einem Maschineningenieur, der genau das studiert hat: Qualitätskontrolle. Er arbeitet seit Jahrzehnten als Spezialist in einem Betrieb wo Menschenleben davon abhängen, ob die Qualität der Anlagen perfekt ist. Ich fragte also, wie kann die Qualität von Unterricht untersucht und bewertet werden?

Das Resultat der Diskussion war, dass ein Herstellungsprozess für sich gesehen keine Bedeutung hat. Man muss das Produkt beurteilen, schauen, ob das Produkt im voraus festgelegten objektiven Kriterien entspricht. Was genau ist das Produkt einer naturwissenschaftlichen Lehre? Die Vorlesungsfolien, die Unterrichtsmaterialien, das sind nicht „Produkte“ sondern Hilfsmittel. Das eigentliche Produkt ist der ausgebildete Naturwissenschafter. Nach welchen Kriterien kann man die Qualität der von der Uni hervorgebrachten Naturwissenschafter bewerten? Was überhaupt ist ein gut ausgebildeter Naturwissenschafter? Erst wenn diese Fragen beanwortet und die Naturwissenschafter unabhängig überprüft sind, kann man überhaupt zurückschliessen auf die Qualität der Lehre.

Die Qualitätssicherung der Uni ist reine Selbstbeschäftigung, eine nervernaufreibende Angelegenheit für die Betroffenen, weil sie darin einen Sinn sehen wollen, der nicht gegeben ist. Das System ist neurotisch.

Was soll der Leiter eines fortgeschrittenen Seminares für Studenten im fünften und siebten Semester damit anfangen, wenn die Studenten ankreuzen, er habe zuviel Wissen vorausgesetzt für seine Lehrveranstaltung? Soll er nächstes Jahr das Anspruchsniveau herunterschrauben, so die Studenten zufriedenstellen und hinterher als besser positionierter Dozent dastehen? Oder soll er bei seinen Kollegen reklamieren, einfordern, dass in der Grundausbildung das notwendige Wissen vermittelt wird, damit die werdenden Naturwissenschafter auch fähig sind, in Zusammenhängen zu denken und weiterführende Fragen durchzuarbeiten? Hätte er Erfolg damit, so wären die Studenten der nächsten Jahrgänge besser auf ein anspruchsvolles Seminar vorbereitet und könnten ihm dann attestieren, dass ein Anspruchsniveau genau passend ist.

Vermutlich wird der Dozent entscheiden, das Niveau nach unten zu regulieren. Dann entsteht eine Spirale ständige neuer Nivellierung nach unten, weil die anderen Dozenten wiederum noch weniger gut ausgebildete Studenten bekommen, die ein noch tieferes Niveau einfordern.

Ich habe damit erklärt, wie diese Form der „Evaluation“ zu einer übermässigen Simplifizierung der Fakten und Oberflächlichkeit im Umgang mit dem Gegenstand unseres wissenschaftlichen Interesses führt. Die weiteren Überlegungen zeigen, dass derartige Bewertungen auch den Konformismus unter den Dozenten fördern – vor allem bei den jungen Dozenten, die noch nicht so viel Erfahrung haben und noch nach persönlichen Kriterien suchen müssen.

Worauf ich hinaus will: Die Bewertung einzelner Lehrveranstaltungen ist bedeutungslos, wenn man die Unterrichtsqualität eines ganzen Fachbereiches beurteilen will. Die Bewertung gibt im besten Fall wieder, wie gut die Studenten mit dieser speziellen Lehrveranstaltung klarkamen. Ihre Kriterien richten sich ebenfalls nur selten danach, ob sie am Schluss des Studiums im grossen Ganzen ein zusammenhängendes, qualitativ hohes Wissensniveau erreicht, selbständig arbeiten, komplexe Zusammenhänge durchdenken, Fragen entwickeln können. Nur Ausnahmestudenten haben einen persönlichen Ausbildungsplan, wissen im voraus wohin die Reise geht.

Womit vergleichen eigentlich junge Studenten die Lehrveranstaltung, wenn sie bewerten? Sie vergleichen als erstes mit dem Wochenplan. War es möglich, zusammen mit 20 anderen Lehrveranstaltung diesen Stoff zu bewältigen? Sie vergleichen den Inhalt des Unterrichtes mit der Leistungskontrolle. War es möglich, die Prüfung mit minimalem Lernaufwand zu bestehen? Sie vergleichen mit dem allgemeinen Konsumismus: Waren die Unterrichtsmedien so aufbereitet, dass alles normal und selbstverständlich erscheint oder musste man sich anstrengen und die Dinge durchdenken, bis sie Sinn ergaben? Ist Naturwissenschaft immer normal und selbstverständlich? Brauchen wir in dieser medial überfütterten Welt übehaupt einen Transfer des Selbstverständlichen?

Auf diesem Weg führt die Auswertung von Fragebogen ebenfalls nicht zu mehr Gründlichkeit in der Ausbildung. Sie gibt einzig einen Anhaltspunkt, ob ein Dozent in der Norm ist, inhaltlich, formal nirgends über die Stränge schlägt.

Was ist das Produkt der Ausbildung? Wie erkennt man, ob ein Lehrbetrieb brauchbare, selbständige, mit ihrem Fachgebiet vertraute erfolgreiche junge Menschen in die Berufswelt entlässt? Warum und wie sollten die persönlich auf einzelne Dozenten zielenden studentischen Antwortbogen den Gang der Ausbildung als ganzen verbessern?

Darüber haben sich unsere universitären „Qualitätssicherer“ keine Gedanken gemacht. Meine intensive Beschäftigung mit den für die Qualisätssicherungsindustrie geschaffenen websites der Uni Bern lassen mich zweifeln, ob diese Leute überhaupt über Qualität nachdenken oder viel eher einen weiteren bürokratischen Moloch füttern, einfach dafür sorgen, dass ihr Laden am Laufen bleibt.

Somit wäre die Frage an meine Leser gestellt: Nach welchen Kriterien bemisst man das Produkt einer naturwissenschaftlichen Ausbildung? Was ist ein guter Naturwissenschafter?

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22 Gedanken zu „Weihnacht der Untoten.

  1. Ich habe mit diesem Text ein, zwei grundsätzliche Probleme. Zum einen frage ich mich, weshalb die Evaluation einer einzelnen Lehrveranstaltung (und darum geht es einem pflichtbewussten Dozenten tatsächlich) in eine allgemeine Evaluation des Dozenten umgewandelt werden soll. In meinen Augen liefe das auf eine wenig zielführende Vermischung zweier unterschiedlicher Ebenen hinaus; das Produkt einer (natur-)wissenschaftlichen Ausbildung soll respektive kann man anders messen. Die Frage, was ein guter Naturwissenschaftler ist, kann ich natürlich nicht beantworten, verfüge ich doch ausschliesslich über einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund. Und dort – man glaubt es kaum – tummeln sich immer noch so einige hellwache, blitzgescheite, interessierte Studenten, die auch noch ab und an unglaublich anregende Fragen stellen.

    Der zweite Punkt ist, dass man sich in der Hochschulpädagogik durchaus den Kopf darüber zerbricht, wie produktive Lehre stattfinden kann, wenn das Wissens- und Leistungsniveau heterogen ist, wie das an der Uni vielfach der Fall ist. Gute Dozierende informieren sich über Lehrtechniken, die helfen, dieses Gefälle zu umschiffen. Eine Nivellierung nach unten ist dabei keineswegs nötig.

    Es ist, um es kurz zusammenzufassen, also nicht so, dass man sich seitens der Uni keine nützlichen Gedanken hinsichtlich der sinnvollen Gestaltung universitärer Lehre machen würde. Nur trägt das wenig Früchte, solange Dozierende nicht verpflichtet sind, Kurse in Hochschulpädagogik zu belegen – und solange wissenschaftliches Personal nicht (auch) nach menschlichen, d.h. in diesem Fall: pädagogischen Fähigkeiten ausgewählt und beurteilt wird.

    admin: Verschreiber gemäss Vorgabe der Kommentatorin korrigert.

  2. @Zoé
    Sie fragen wie aus der Evaluation der Lehrveranstaltung die Bewertung des Dozenten wird:
    1) Das Qualitätssicherungsreglement der Uni Bern sieht Massnahmen vor, falls ein Dozent während längerer Zeit schlechte Noten bekommt von den Studenten. Das Professoren-Kollegium solle einen einzelnen Kollegen ins Gebet nehmen und definitiv verpflichten zu vom Kollegium vorgeschriebenen Massnahmen, ansonsten… Nur die Sanktionsmöglichkeiten fehlen in dem Reglement.

    2) Ein junger Dozent mit ein oder zwei Lehrveranstaltungen wird die Kritik zwangsläufig auf sich selber als Dozenten nehmen und nicht auf den Inhalt oder Aufbau der Veranstaltung beziehen.

    Ich habe Lehrveranstaltungen gesehen, die so schwierige Themen sich herausnahmen, dass es fast unmöglich ist, eine perfekte Pädagogik dazu zu leisten. Entweder man überfordert die Studenten oder man bleibt bei den Allgemeinplätzen. Der Wert einer solchen Veranstaltung ist im Zusammenhang mit der gesamten Ausbildung zu bestimmen. Für sich gesehen ist sie ein Himmelfahrtskommando.

    Mich erreichen Nachrichten, von schweizerischen Wissenschaftern sich weit fernhalten von einem Lehrauftrag an der Uni. Sie haben es nicht nötig, sich in solche Bürokratien einspannen und als Trottel vorführen zu lassen. Etliche wären vielleicht bereit, auf einen Drittel des Lohnes in der Privatwirtschaft zu verzichten und an der Uni zu lehren und zu forschen, wenn man sie lehren und forschen lassen täte.

    Ein weiteres mal kann die Uni Ausreden suchen dafür, dass sie keinen hiesigen Nachwuchs findet. Die Warheit ist, dass sie selber den Nachwuchs vergrätzt.

  3. Auch hier gilt es verschiedene Ebenen auseinanderzuhalten: Der Dozierende wird bei der Lehrevaluation nicht in seiner Funktion als Forschender bewertet, sondern in derjenigen des Wissensvermittlers – ob einer ein guter Dozent ist, ist also nicht zwingend deckungsgleich mit dem Umstand, ob er einen guten Forscher/Naturwissenschaftler abgibt. Auch die Dozierenden selbst dürften das so sehen.

    Himmelfahrtskommando-Lehrveranstaltungen, wie Du sie beschreibst, kenne ich aus meinem Fachbereich nicht. Insofern kann ich zu dieser Problematik nichts beitragen, scheint es sich doch um eine genuin naturwissenschaftliche zu handeln.

    Natürlich vergrätzt die Uni ihren einheimischen Nachwuchs, nur ist die wuchernde Bürokratitis lediglich ein Grund unter vielen. Ein anderer, der zugegebenermassen schwer ins Gewicht fällt, ist die (wenigstens bei uns) übliche 50%-Anstellung im Mittelbau, von der kein Mensch vernünftig leben, geschweige denn im Zweifelsfall eine Familie ernähren kann.

  4. @zoé

    Das mit der Qualität habe ich ausschliesslich auf Aspekte der Ausbildung bezogen.

    Über die Qualität der Forscher an der Uni kann ich nicht allzuviel sagen. Aber die Uni Bern hat einen umfangreiche Qualitätssicherung für die Lehre eingerichtet. Dieser Apparat beschäftigt sich ausschliesslich mit isolierten Lehrveranstaltungen und deren Dozenten. Nirgends denkt man über das eigentliche Produkt nach, nämlich über die Qualität der von der Uni entlassenen Naturwissenschafter. Auch derBildungsgang als komplettes ganzes wird nicht überprüft.

    Ein Naturwissenschafter wird nur als Ausnahme akademischer Forscher. In der industriellen Forschung gelten andere Regeln und viele Ökologen haben ganz andere Aufgaben in Planung, Begutachtung, als Mittelschullehrer.

    Wenn ich von begeisterten, leistungswilligen, konzentrationsfähigen Studienkollegen höre, dass ihr solides Grundwissen aus der Mittelschule stamme und das ganze Bachelorstudium sinnloses Auswendiglernen war und man nach anderthalb Jahren schon 85% vergessen habe, dann ist das ein Alarmzeichen. Da können die Dozenten noch so gute Evaluationen einfahren.

  5. Gute LehrerInnen – damit sind hier Universitäts- und Hochschul-LehrerInnen gemeint – können für’sThema/Gebiet begeistern. Und das gelingt nur, wenn die Lehrperson selbst begeistert ist. Aber: Hier ist es so, wie überall: Dem Esel kann man das Wasser und das Heut nur hinstellen. Saufen und fressen muss er selber! Natürlich ist es besser, wenn gerade auch in Hochschulen etwas „pädagogisches Handwerk“ dazu kommt. Das wäre auch für die Dozierenden eine Erleichterung.

    Zur Frage, was ein guter Naturwissenschaftler ist, muss gesagt werden, dass alllzuviele Studenten vergessen, dass neben dem Fakten-Lernen auch noch so etwas wie Denk-Arbeit hinzukommen sollte. Allerdings fehlt in unserem Schulsystem die Einsicht, dass man denken lernen kann, nämlich, indem man lernt, Fragen zu stellen. Und gerade das ist meist bei Lehrpersonen der Zubringerschulen verpönt. An der Uni wird es dann schwierig, diese Denktechniken nachzuholen. Ebenso wird vernetztes Denken nicht geschult. Zusammenhänge zu berücksichtigen, stört das Fakten-Lernen und Prüfungen für soch komplexere Lerneinheiten zu schreiben, ist anstrengend ebenso wie die Korrektur der Arbeiten. Zudem müsste die Lehrperson eben auch noch Wissen haben, welches über den „schulischen“ Fachhorizont hinausgehen. Das sind hohe Ansprüche für die z.T. bescheidenen Rntschädigungen in den Zubringerschulen.

    Trotzdem: m.E. sollten Naturwissenschafter auch in den Geisteswissenschaften „schnuppern“ (müssen). Ohne Prüfung und ohne Druck, etwa in der Philosophie, der Psychologie, Soziologie, Geschichte usw.Dort könnten sie den Umgang mit Wissenschaft lernen, die keine Resultate produziert, die man doppelt unterstreichen und abhaken kann, sondern könnten lernen, dass solche Resultate Wissen und Lösungen auch ermöglichen, ebenso richtig sein können.

    Der Widerspruch zwischen sogenannten „exakten“ Wissenschaften und GEisteswissenschaften ist nämlich nicht so gross, wie man immer glaubt: Die Mutter aller Wissenschaften, die Physik, arbeitet ebenso wie die Geisteswissenschaften in Teilbereichen mit Modellen. Gerade die Nuklearphysik muss mit Modellen arbeiten. So auch die Psychologie, Soziologie, Politologie usw. Alle diese Wissenschaften erarbeiten Resultate, die richtig sind, sich als richtig erweisen. Und die Frage nach den Menschen, den Auswirkungen unseres Tuns, hat immer und überall seine Berechtigung – auch wenn das in gewissen Kreisen etwas aus der „Mode“ gekommen, um nicht zu sagen, out ist.

  6. @ Anita Dürr

    Danke für Ihren Beitrag.
    Der Lesbarkeit zuliebe habe ich in Ihrem Beitrag die Zeilenumbrüche editiert. Hoffentlich habe ich nichts kaputt gemacht.

    Ihr Hinweis, dass denken lernen eine wichtige jedoch schlecht messbare Aufgabe für Studenten ist, der war überfällig. Einverstanden bin ich zudem, dass den Studenten erlaubt sein soll, zusätzliche Lehrveranstaltungen zu besuchen, ohne ständig bewertet und geprüft zu werden. Das widerspricht allerdings den Regeln des Bolognastudiums, wo alles und jedes kontrolliert und bewertet werden muss.

    Ein weiteres mal haben wir einen EU-Reglementierungsschrott in der Schweiz eingeführt, nicht weil er sinnvoll ist, unseren Studenten oder Dozenten oder dem Land dienen täte, sondern weil es die EU so macht.

    Denken lernen wäre demnach auch eine Aufgabe für unsere Politiker. Leider gibt es Menschen, die bekommen Kopfweh, wenn sie denken müssen.

  7. Ich würde ja einwerfen wollen, dass wenn Studenten erst an der Uni das Denken beigebracht werden soll, es dafür eigentlich schon viel zu spät ist. Und weshalb das vernetzte Lernen im Bolognasystem zu kurz kommt, haben wir ja schon des Öfteren diskutiert – es reibt sich schlicht und ergreifend mit den Erfordernissen leicht nachprüfbarer Leistungsausweise. Schliesslich soll sich auch der Vorbereitungs- und Korrekturaufwand der Dozierenden in einem erträglichen Mass bewegen (dies als keineswegs ironisch gemeinte Ergänzung zu den Ausführungen von Anita Dürr).

    Ihren letzten Punkt würde ich allerdings gerne weiterspinnen: Natürlich verfügen auch die Geisteswissenschaften über eine eigene Methodologie und, was noch viel wichtiger ist, über eine eigene Epistemologie, wenn man so will. So ist, wer lernen will, analytisch mit einer Vielzahl von Faktoren zu operieren, bei den Historikern bestens bedient. Und die Soziologen operieren nicht nur mit Modellen: sie sind sich zugleich auch der Grenzen derselben bewusst, ist doch Wissenschaftstheorie für sie kein Fremdwort.

  8. Ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, dass es an der Uni Bern keine Gremien gibt, die über die Qualitätssicherung der einzelnen Bildungsgänge wachen. Diese Arbeit wird oft von Kommissionen erbracht, über deren Arbeit die Allgemeinheit wenig erfährt – die aber dennoch hinter verschlossenen Türen stattfindet.

    Um jedoch zum Hauptthema zurückzukommen: gerade weil ein Naturwissenschaftler nur in Ausnahmefällen akademischer Forscher wird, scheint es mir wenig sinnvoll, die Qualität eines ganzen Bildunggangs mit einem Mittel zu messen, dass primär für die Qualitätssicherung einzelner Lehrveranstaltungen (d.h. der Lehre als solcher) eingesetzt wird. Man müsste, wenn schon, sehr genau zwischen den Inhalten und deren Vermittlung differenzieren.

    Und wie gesagt, solche Alarmzeichen sozusagen zugleich inhaltlich unter- und formal überforderter Studenten kenne ich in dieser Form nicht. Auch bei uns wird über die Sinnhaftigkeit dieses oder jenes Leistungsausweises diskutiert, aber grosso modo mühen sich die Studis nicht mit dem Auswendiglernen von Detailwissen ab (das bekanntlich im Bedarfsfall jederzeit nachgeschlagen werden kann). Vielmehr liegt der Fokus auf der Vermittlung der wissenschaftlichen Vorgehensweise/Methodologie im Umgang mit diesem Wissen.

  9. @zoé
    Würden Sie unsere Professoren fragen, sie täten dasselbe auch sagen wie Sie:

    Vielmehr liegt der Fokus auf der Vermittlung der wissenschaftlichen Vorgehensweise/Methodologie im Umgang mit diesem Wissen.

    Das mag bei Ihnen so zutreffen. Täte mir hier ein Professor das gleiche ins Gesicht sagen, ich müsste mich fremdschämen ob der Lebenslüge.

  10. Ohne Detailwissen ist keine Analyse möglich, sind keine Zusammenhänge erkennbar, kann keine neue Idee getestet werden. Wer denkt das sei nur sinnloses Auswendiglernen. Der hat nichts begriffen. Spätesten beim Eintritt ins Erwerbsleben wird derjenige auf die Schnauze fliegen. Gerade Biologen brauchen enorm viel Detailwissen!
    Wenn ich mit Kunden an einer Feldbegehung bin, an einer Sitzung, kann ich nicht erst noch Wikipedia nachschlagen. Bei d er schlecht bezahlten Arbeit im Feld zählt jede Minute, da müssen die Artenkennisse im Kopf sein und nicht im Buch.
    In der Wissenschaft muss ich jederzeit meine Arbeit verteidigen können, und meine Arbeit in einem grösseren Kontext erklären können. Zudem kann ich Forschung nicht nachschlagen, ich bin ja gerade daran etwas Neues zu entdecken.

  11. @Hansli

    Ihr Diskussionsbeitrag trifft meine letzte Frage, nämlich was einen guten Naturwissenschafter ausmache.

    Sie arbeiten im Feld?

    Haben Sie in den letzten Jahren einen Kollegen oder Nachfolger anstellen müssen? War ein einziger dabei, der in den letzten 5 Jahren in Bern ausgebildet wurde und den man für diese Arbeit gebrauchen konnte?

    Was die Artenkenntnis angeht: Ich gebe Ihnen gerne die Adressliste der Biologieprofessoren an der Uni Bern. Davon gibt es 24 Stück. 22 von diesen müsste man erst noch überzeugen, dass Biologen wenigstens einen guten Teil aus der Tier-, Pflanzen-, Pilz-, Bakterienwelt kennen sollten. Viel Glück!

    Was das Detailwissen betrifft – wir reden von zwei verschiedenn Dingen: Ich bin umgeben von jungen, leistungswilligen, hochmotivierten Studienkollegen, die zwei Jahre lang einen konzeptlos zusammengewurstelten Berg von, als letzte Warheit verkauften, Fakten auswendiglernten und grad wieder vergassen.

    Sie meinen das Detailwissen, das sich einer aneignet, wenn er sich in ein Spezialgebiet vertieft und sich darin auskennt. Die wirklich begabten unter meinen Studienkollegen wünschen sich eine solchermassen vertiefte Kenntnis. Wo sie es bekommen, ist unklar.

  12. Ich bin nicht aus Bern. Daher kann ich die dortige Lehre nicht beurteilen. An der UZH und der ETHZ ist folgt die Ausbildung einem Konzept. Für den Studenten ist dies jedoch nicht wirklich ersichtlich. Die sehen zu oft nur die Punkte! Die Verknüpfungen sieht der Student erst in der Bachelor und Masterarbeit. Böse gesagt, die 10% tauglichen sehen das. Ich z.Bsp. brauche in meiner jetzigen Arbeit das wissen über einige chemische Prozesse. Mir genügt zu wissen, was abläuft, nicht jedes Detail. Aber hätte ich das vergessen, wüsste ich nicht einmal, das da etwas mein Ergebnis beeinflusst und ich würde eine falschen Aussage treffen.
    Im Vergleich zu meinem Studium ist die heutige Lehre in Zürich nach der Bolognareform wesentlich verbessert worden. Die Auswahl an Vorlesungen ist vielfältiger, sind qualitativ besser, mehr praktische arbeiten.
    Ich bin aber in der freien Wirtschaft und in der Forschung tätig. Artenkenntnisse werden nicht mehr gelehrt, obwohl für die praktische Arbeit wichtig. Nur das ist nicht das einzig wichtige. Gerade als Gutachter muss ich ein Biotop umfassend bewerten. Dazu sind alle Prozesse, Kreisläufe und auch Konzepte aus der Evolution wichtig. Das wird gelehrt und ist trotzdem vergessen. Als Gutachter brauche ich ausser vertieften Kenntnissen (meist Artenkenntnisse) in einem Spezialgebiet umfangreiches Wissen über Lebensräume und die bestimmenden Faktoren. Wer das nach dem Studium nicht kann, der hat keine Chance. Die meist kleinen Ökobüros haben kein Geld um jemand mehrere Monate einzuarbeiten. Die Einarbeitung besteht aus technischen Details wie der Arbeitsweise, Berichteschreiben, etc… Wissen wird da nicht mehr aufgearbeitet, das muss eingesetzt werden.

    Eins muss natürlich klar sein. Ökologie ist ein absolutes Orchideenfach und nur die wenigsten werden da einen Job finden. Ich schätze einmal von 100 gehen 1 bis 2 in die Forschung ca. 5 in die Privatwirtschaft oder Staat.

  13. @Hansli

    Im ganzen stimmen Ihre Aussagen über die notwendigen Kenntnisse überein mit dem was ich von Kollegen aus meiner ersten Studienzeit vor 20 Jahren höre.

    Was ich an Ihrem Beitrag nicht richtig verstehe: Sind Sie der Meinung an der Uni Zürich und an der ETH sei der Unterricht in Artenkenntnis ebenfalls verbessert worden?

    Was den Bedarf an Ökologen in der Planung und Begutachtung angeht, so sehe ich das folgende kommen: In der Zeit nach der Rothenturm-Initiative und zu Zeiten des Waldsterbens wurden sehr viele Ökologen angestellt beim Bund, bei den Kantonen oder sie begründeten die Umweltbüros. Viele sind 55 Jahre alt oder sogar noch älter. Es kommt also recht bald eine Pensionierungswelle, im Bafu, im kantonalen Naturschutzinspektorat, bei den Umweltbüros, in den Bundesforschungsanstalten wie der WSL – überall wird der Nachwuchs auf das übelste fehlen.

    Von meinen jungen Studienkollegen in Bern kenne ich keinen, der eine solche Stelle ausfüllen könnte. Einige meinen, sie hätten „Artenkenntnis“. Aber das ist weil sie einmal für eine Prüfung 200 Arten auswendiglernen und eine kleine Auswahl aus Feld und Wiese wiedererkennen mussten.

    Andere meinen, sie täten sich mit Florenwerken auskennen, weil sie schon viele Tage lang in der Flora Helvetica geschmöckert und die Bilder auf der Suche nach dem passenden Pflanzennamen durchgeblättert hatten. Das ist das eigentlich dramatische: Sie werden auf einer Stufe der Ignoranz gehalten, dass sie nicht einmal merken wieviel ihnen fehlt, geschweige denn, dass sie eine Ahnung hätten, wie sie sich ihr fehlendes Wissen selber aneignen könnten.

    Der King auf dem Häfi war ich, als ich einem Bachelorstudenten und zwei Doktorandinnen die Flora der Schweiz von Hess, Landolt und Hirzel zeigte. Unser Institut ist im Besitz von sechs Exemplaren dieser gewichtigen drei Bände, alle in unterschiedlichen Stadien des Verfalls oder der Wiederherstellung vom vielen Gebrauch. Gebraucht wurden sie vor 20 Jahren. Heute sind sie verschämt in einer finsteren Ecke zuhinterst in der Bibliothek versteckt.

    Im übrigen hörte ich mehrere male in Diskussionen mit Bachelorstudenten, das hier sei nicht „die“ Bolognareform, sondern die Berner Variante der Bolognareform. Sie haben sich vermutlich weiter herum umgesehen als ich selber.

  14. An der UZH und der ETHZ wurde wie überall die Systematik abgebaut. Eine Vernünftige Systematik wird nur noch in der Botanik gelehrt, obwohl auch gekürzt. In Bern müsste zumindest mit den Leuten vom Museum doch besser sein. Das hat für die Unis zu wenig Impact. Neben diesen Ranglistenfetischismus, sind die Systematiker auch selbst schuld. Da wurde / wird zu oft viel zu schlechte Arbeit abgeliefert. In kaum einem Bereich habe ich so viele schlechte Arbeiten gesehen. Allerdings kann Systematik / Taxonomie nur beschränkt gelehrt werden. Das ist viel zu umfangreich und wird immer ein kratzen an der Oberfläche bleiben. Alle die ich kenne haben sich das in der Freizeit seit ihrer Kindheit angeeignet oder während ihrer Doktorarbeit.
    Im Prinzip haben wir Unis mit stark abgebauter Systematik / Taxonomie / Life History dieser Arten, kombiniert mit immer weniger Studenten die wirklich daran interessiert sind. Das Studium wird zu oft mit einem reinen Punktesammeln verwechselt. Ab so und so vielen punkten ist man dann Master oft he Universe…. Bei Gesprächen mit Studenten habe ich das Gefühl, dass der Minimalistenanteil zugenommen hat. Auch zu meiner Zeit als Diplomstudent mussten eine Gewisse Anzahl Vorlesungen mindestens besucht und mit Prüfung / Arbeiten bestanden werden. Nur haben sich damals ab Fachstudium ca. 2/3 die Fächer nach Interesse belegt und nicht wie jetzt 2/3 die Vorlesungen nach dem Aufwand pro Punkt ausgesucht. Das führt dann für mich zu Ihrer genannten Ignoranz. Für mich ist das die googel-Generation.

  15. @Hans, zur Erläuterung: In meinen jeweiligen Spezial- und Forschungsgebieten kenne ich mich auch bestens aus – bis ins kleinste Detail, genau wie Sie. Die übrige Unmenge an fachlichem Detailwissen, mit der ich mich nicht aktiv beschäftige, liegt hingegen brach, und insofern totes Wissen (das ich im Bedarfsfall nachschlagen müsste).

  16. PS: Dazu müsste ich zunächst jedoch wissen, wo/wie ich nachschlagen muss (ganz sicher nicht in Wikipedia)… Insofern würde ich mich Jürgs wissensspezifischer Unterscheidung anschliessen: mit einer blossen Anhäufung nutz- respektive konzeptlos zusammengewürfelter Fakten ist niemandem gedient – zumal wenn es eigentlich darum gehen sollte, sich nachhaltig Zusammenhänge zu erschliessen.

  17. @zoé
    Das mit dem gewusst wo nachschlagen ist im Fall nicht so trivial wie die meisten meinen. Erstens muss ich ein Grundgerüst in meinem Fachgebiet haben, um überhaupt die richtigen Fragen stellen zu können. Dann ist natürlich die Art von passivem halbvergessen immer wieder nützlich: „Da war doch etwas, was mir der Prof. so und so oder der Friedu am Kaffeetisch damals in Boston erzählt hatte…“ Dann braucht es, wie Hansli sagt, Zeit und Musse zum Nachschlagen, Vergleichen, Nachprüfen. Auch das muss man zuerst erlernen und einüben.

    Zudem: Wenn ich heute mich neu einarbeite in Teilgebiete meines Faches, dann ist die wikipedia oft ein guter Anfang. Die Fachartikel sind zum Teil von hervorragender Qualität und auf einem hohen akademischen Niveau. Auch da braucht es sehr viel Erfahrung, um die Qualität einzuschätzen, um zu entscheiden wie weiter, wenn entweder der Artikel zu kompliziert ist gemessen am eigenen Vorwissen oder denn an der eigenen Frage vorbeigeht oder eben nicht zuverlässig erscheint.

  18. Kann alles unterschreiben, ausser eben: Studenten sollten sich bei der Einarbeitung in ein Thema gezielt mit Speziallexika und Handbüchern auseinandersetzen (der Umgang mit Fachliteratur ist in der Tat ein Lernprozess für sich), und Wikipedia vorerst aussen vor lassen – gerade, weil Ihnen die Erfahrung fehlt, um die Qualität der einzelnen Artikel richtig einordnen zu können.

    Und das passive Halbvergessene, natürlich… Das rettet so manches Tischgespräch unter Fachkollegen an eher langweiligen Tagungen.

  19. Hansli, ich würde Ihnen beipflichten: wenn ich vergleiche, unter welchen Bedingungen ich damals in Zürich studiert habe, und unter welchen Bedingungen heute gelehrt (und gelernt) wird, dann würde auch ich sagen, dass das aktuelle Angebot in meinem Fachgebiet systematischer und zielgerichteter ist, wenngleich nicht zwingend vielfältiger. Bologna hat zumindest das bewirkt, dass man sich noch einmal genau überlegt hat, wie ein Lehrgang aufgebaut sein muss, um das Produkt (den Wissenschaftler) zu generieren, das man am Ende gerne hätte. Noch ist bei weitem nicht alles Gold was glänzt, doch wurden im Verlauf des Umstellungsprozesses immerhin bereits einige sinnvolle Neuerungen durchgesetzt. Zwischenzeitlich geht es darum, selbige zu optimieren sowie allfällige exzessive Auswüchse zu bekämpfen: mithin die Spreu vom Weizen zu trennen, wenn man so möchte.

    Was den grassierenden Minimalismus angeht, der durch das Bologna-Punktesystem sozusagen systemimmanent gefördert wird: Nun, mir als Dozentin ist an Studenten, die sich einfach nur irgendwie durchs Studium bringen wollen, nicht sonderlich gelegen. Das sind weder die allgemeingebildeten Generalisten, von denen die Öffentlichkeit im Medienbereich, in der Politik etc. profitiert, noch die angehenden Nachwuchswissenschaftler. Ich sehe insofern nicht, weshalb ich mir wegen ihnen den Kopf zerbrechen sollte – entweder sie bestehen ihre Prüfungen und erbringen ihre Leistungsnachweise, oder aber ich lasse sie ohne Wimpernzucken im nächsten Semester noch einmal antraben. Und was sie nach erfolgtem Studium mit ihrem Leben anfangen, ist schliesslich alleine ihr Bier.

    Sie sehen also, meiner Meinung nach ist das Leben viel zu kurz, um es mit halbpatzigen Aktionen zu verschwenden. Meine (knappen) Ressourcen verwende ich deshalb auf die Förderung der Interessierten, der Fragenden, der Fleissigen – wenn sie dazu noch brillant sind: Bingo! Letzteres müssen sie jedoch nicht sein; mir reicht es im Zweifelsfall bereits, wenn jemand sich ehrlich bemüht.

  20. @zoé
    Man sagt übrigens „halbbatzig“. Das Wort stammt aus dem Bauernkrieg. Die Grosse Rat des Kantons Bern hatte die Abwertung des Batzens auf die Hälfte verfügt und zwar just am Tag bevor die Gülte (Hypothekarzinsen auf Bauerngütern) abgeliefert werden musste. Die Batzen waren also alle beim Volk und bei den Bauern und sie sollten von heute auf morgen doppelt soviel an die Gnädigen Herren und Kreditgeber abliefern.

    Der Bauernkrieg war unter drei oder vier Gründen eine Revolte gegen diese Währungsreform. Um die Stadt Burgdorf zu sichern heuerten die Gnädigen Herren französische Berufssoldaten an. Den eigenen Truppen konnte man ja nicht trauen. Die Bauern zogen vor Burgdorf auf und verspotteten die Franzosen als „halbbatzige“, weil sie da waren, den halben Batzen zu verteidigen.

    Das jedenfalls erfahre ich aus Benjamin Hofstetters „Rebell von Eggiwil“.

  21. Pingback: Vollstrecker. | The Daily Ecologist

  22. @zoé

    Hatte viel Freude an Deinen Zuschriften. Alles gute und gute Gesundheit. Melde Dich wann immer Du willst!

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