Die Kotelett-Touristen.

Am Mittwoch fuhr ich zum ersten mal nach Waldshut, ennet dem Rhein, um Kommissionen zu erledigen. Meine Motivation war ziemlich einfach: Ich kaufe oft technisches Zubehör, Bauteile, Werkzeug im nahen und fernen Ausland. Ich habe in Waldshut ein Postfach, hole die Waren dort ab und bringe sie persönlich über die Grenze. Ich spare mir damit Kosten und Ärger mit der Schweizerischen Post. Die Fillialleiterin auf der Post hier im Eggiwil meinte vor fünf Jahren noch, sie mache einen guten Witz, als sie als Antwort auf eine Reklamation meinte, ich solle die Sachen doch selber bringen und holen.

Jetzt sind wir also so weit. Mit meiner Behinderung ist das eine stolze Reise, die ich während 8 Monaten sorgfältig vorbereitet hatte, bei der sowohl Zeitablauf, wie Route und Zwischenhalte minutiös geplant werden mussten. Sonst hätte ich keine Chance da durchzukommen.

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Für die Söhne und die Töchter.

Heute war Euer erster Tag im Studienjahr, für viele von Euch der Beginn des Universitätsstudiums überhaupt – Ich will Euch ins Gewissen reden.

Ihr habt jetzt die besten Jahre Eures Lebens vor Euch. Nie sonst im Leben lernt ihr so schnell auf einem solchen Niveau von komplexen Überlegungen, so ins Detail.

Viele von Euch sind zwei Jahre jünger bei Studienbeginn als wir das waren. Viele sind knapp 19, wenn sie die ersten Tage im Hörsaal verbringen. Die Matura ist ein Jahr früher und viele machen keinen Militärdienst. Das ist ein Nachteil, wenn es darum geht, sich selber zu organisieren, in einer fremden Umgebung vollkommen selbständig seinen Alltag, sein Lernverhalten zu gestalten. Ich weiss, man redet Euch ein, Ihr seid mit 20-jährig schon erwachsen und vor ein paar Jahren haben die linken Weltverbesserer sogar durchgesetzt, dass man in der Schweiz schon mit 18 mündig ist.
Schliesslich gebe ich Euch auch noch einen Ratschlag: Lasst die Finger von minderwertigen Universitäten. Wenn Ihr Euch die ETH nicht zutraut, dann lasst es besser bleiben.

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Unvernünftig.

Der Kollege meint, ich solle einmal in mein Blog schreiben, was meine Flucht an die ETH Zürich kostet. Ich bin zuwenig gesund, ganze Tage an der ETH einfach so durchzuhalten. Wenn ich in Zürich bin, benötige ich ein Hotelzimmer, das ich in zwei Minuten Gehdistanz direkt auf der anderen Strassenseite finde. Ich zahle dort inzwischen einen Rabattpreis, drei Nächte kosten wenig mehr als am Anfang zwei Nächte kosteten. Essen tue ich meistens aus Büchsen und Plasticbeuteln. Getränke mache ich selber mit dem Tauchsieder in einer weithalsigen Thermosflasche.

Mit Transporten, wenig Essen auswärts, Schulbüchern, Kostenbeiträge an Exkursionen, sepraten ETH-Gebühren, alles eingerechnet, kostet mich ein Jahr an der ETH 10’000 Franken zusätzlich zu meinen normalen Lebenshaltungskosten und zusätzlich zu dem was die Uni Bern von mir abkassieren möchte (da wehre ich mich allerdings inzwischen).
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Ratlos!

Die Universität Bern hat dank einer grossangelegten internationalen Kooperation mit Forschern aus vielen europäischen Ländern herausgefunden, dass Wälder ihre ecosystem services besser erbringen können, wenn die Vielfalt der bestandesbildenden Baumarten grösser ist als in einer Monokultur von gepflanzten Holzlieferanten.

Das durfte ich letzte Woche zuvorderst auf der homepage der Uni Bern erfahren. Mein Chef in Bern war augenscheinlich massgeblich an dieser bahnbrechenden Entdeckung beteiligt.

Solche Ereignisse machen mich ratlos. Was soll ich damit anfangen?

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Wozu das ganze?

Was ist das Studienziel im Fach Biologie an der Uni Bern?

Denkt die Uni Bern überhaupts darüber nach, wozu sie ganz allgemein Studenten ausbildet? Was sind die veröffentlichten Meinungen dazu? Die Uni äussert sich zu den Medizinstudenten. Sie will gute Ärzte ausbilden. Das erfahren wir ab und zu. Bei sämtlichen anderen Studienrichtungen schweigt die Universität Bern.

Wenn es um die berufliche Zukunft ihrer Absolventen geht, gibt sie ein Bild schnoddriger Überheblichkeit. Das wird umso auffälliger, wenn man das mit dem Interview mit der ETH-Rektorin Sarah Springman vergleicht.

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Danke!

Danke allen, die ich in den letzten zwei Wochen begleiten durfte!

Sechs Tage in zwei Wochen, vier verschiedene Übernachtungsorte, sieben Exkursionstandorte, drei Kantone, eine richtige roadshow über mehr als 400 km, quer durch die halbe Schweiz — das war die Gebirgswaldexkursion mit den Masterstudenten von der ETH.

Junge, lebendige, senkrechte Studienkollegen, wie ich sie seit einem Jahr kennenlernen durfte, die mir vertrauen, meine Fragen beantworten und nie an meiner Aufrichtigkeit zweifeln, mehr und besseres könnte ich nirgends finden.

Vielen Dank, ich bin gerührt.

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failsafe

Die Studentin kommt zu mir mit „Du als Botaniker“, zeigt mir ein Zweigende von einer Weisstanne, wir rätseln, ob der kleinen braunen Chnubel, die da auf der Zweigunterseite zwischen den Nadeln hervorstehen, ob das neue männliche Zäpfchen von diesem Jahr sind oder solche vom letzten Jahr. Man bekommt diese nicht jeden Tag zu sehen und diese Sorte Details, wann hatten wir das im Unterricht?

Männliche Blüten der Weisstanne. 1) Zweig von 2013, verblühte Blüten von 2014. 2) Zweigspitze von 2014, neue Zäpfchen für dieses Frühjahr 2015. 3) Zweigknospe für den Frühling 2015

Männliche Blüten der Weisstanne. 1) Zweig von 2013, verblühte Blüten von 2014. 2) Zweigspitze von 2014, neue Zäpfchen für dieses Frühjahr 2015. 3) Zweigknospe für den Frühling 2015

Schneebruch im Herbst und Winterstürme hatten in dieser Waldabteilung am Eschenberg gewütet. Kubikmeterweise wurden die Wipfel von 30 Meter hohen Weisstannen weggebrochen und zu Boden geschleudert. Dazwischen Zweige, Äste aller Grössen. Ich verspreche, der Sache nachzugehen und in meiner umfangreichen Privatbibliothek nachzuforschen.

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fun!

Hier werden Professoren gegrillt! Das Wort stammt nicht von mir, sondern von einem der jungen Studenten.

In Zweiergruppen sollen die Studenten einen Zusammenfassung erstellen, einen Fragebogen ausfüllen, Antwort geben darauf, was das Waldwachstum in der obermontanen Stufe begrenzt. Das ganze sieht harmlos aus. Die vierzehn jungen Leute sind längst vor den vorgegebenen 5 Minuten fertig und sollen Antworten in die Diskussion werfen.

Schon der erste der Studenten geht aufs ganze: Er gibt mutig genug eine Antwort, die gar nicht gefragt war.

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Oh yes, we can!

Kurzerhand habe ich den ganzen Mykolgiekurs der Uni Bern mitsamt der leitenden Privatdozentin bei mir einquartiert. So kann das Feldpraktikum ungestört durchgeführt werden. Hier sind wir nun, sitzen am Tisch beim Pilzrisotto. Mit leuchtenden Augen und glänzenden Wangen fragt die eine der Studentinnen, eine nach der anderen ihrer Kolleginnen in der Runde „Was ist es, was Dich beim Studium im Herzen bewegt?“

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Deutlich genug!

Der neue Rektor der grössten aller Schweizer Universitäten, der Universität Bern nämlich, setzt sich vehement zur Wehr. In der Bernerzeitung von heute gibt er ein Interview und erklärt deutlich und für alle verständlich:

«Wir sind keine Provinz-Universität»

Die Uni Bern hat mehr Studenten als jede andere Uni in der Schweiz, mehr sogar noch als die ETH.

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Wie schafft der Mann das?

Auf einmal ist der Chefjurist Dr. iur. Christoph Pappa zum Mitglied der Universitätsleitung in Bern geworden, man könnte meinen, befördert vom neuen Rektor Christian Leumann.

Fürsprecher Dr. iur. Christoph Pappa, schafft es immer von neuem, sich in Entscheidgremien hineinzudrängen, wo er von Gesetzes wegen nichts zu suchen hat.

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