Den Erfolg am Aufwand gemessen.

Regierungsstellen in aller Welt machen immer dasselbe. Sie geben Abermillionen für die Förderung von xyyx aus: Förderung des Wohlstandes dörflicher Gemeinschaften im afrikanischen Busch, gute Schulen für Kinder aus bildungsfernen Einwandererfamilien in der Pariser Banlieu, Ansiedlung von Industriefirmen im Berner Jura und hurra, mehr “Biodiversität”, möglichst überall wo es in der Schweiz Freude macht.

Am Schluss, wenn das ganze Geld verpulvert ist und niemand wirklich weiss wofür genau, da stellt sich dann ein Regierungsmitglied vor die staunenden Presseleute und erklärt ihnen den Grosserfolg des Förderprojektes. Er berichtet halbstundenlang wofür alles Geld ausgegeben wurde: Tümpel für Gelbbauchunken, Pufferstreifen für Biber, speziell gepflegte Pufferstreifen für die Helm-Azurjungfer, Nistkästen für Schleiereulen und Turmfalken.

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Der nationale Diskurs.

Das Thema ist Finanzpolitik, die den Forschern die wirtschaftliche Grundlage abgräbt. Es ergibt sich aus einem Bericht in der Bernerzeitung vom 24. Januar zu “Weniger EU-Forschungsgelder”. Die Rechnung mit den hunderten Bundesmillionen, die wir der EU-Bürokratie vertrauensvoll überantworteten, ist nicht aufgegangen. Man könnte meinen, es sei über Nacht passiert, da gingen 20% dieses Geldes hopps.

Die online-Diskussion in der Bernerzeitung zum Thema ist eigenartig. Da melden sich Wissenschaftler zu Wort, die Finanzthemen nicht vom wissenschaftlichem Austausch in der Forschung zu unterscheiden vermögen.

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Grüezi Herr Brechbühl, …

Es gibt sie, die grossen Aufsteller in meinem Bloggerleben. Ich schwelge, wenn jemand von meinem Wissen etwas haben möchte. So kann ich von meinem wenigen von Herzen teilen und weiss dabei, dass es geschätzt wird.

Eine Leserin möchte wissen, wie sie bei sich einen Moosgarten anlegen kann. In ihrem Garten hat es sowieso schon viel Moos, das ganze Tal ist schattig, alles ist nass und das Gras ist lästig zum Pflegen.

Moosgarten von Saihō-ji

Moosgarten von Saihō-ji, Bild aus wikipedia

Als dahergelaufener, Allerwelts-Ökologiestudent kann ich es ja versuchen, mein bestes geben. Hier ist darum meine Antwort:

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Dicke Luft im Muotathal

Ich bringe ein Beispiel dafür, was alles schief gehen kann in der Kommunikation zwischen Umweltspezialisten und betroffener Bevölkerung. Davon schrieb ich schon in meinem vorletzten Blogeintrag.

Letzte Woche durften wir im Blick darüber lesen, wie schlimm dreckig die Luft im abgelegenen Muotathal sei und zwar noch viel schlimmer als im verdreckten Ballungszentrum von Zürich.

Die Graphik im Blick wurde unverändert übernommen aus dem Infoblatt der Gemeinde Muotathal. Darauf zu sehen ist der Vergleich der Schadstoffmessungen nach Messstationen für Feinstaub (Partikelgrösse PM10), für das an die PM10 gebundene PAK und eine von mehreren im Massenspektrometer abgetrennten Fraktionen des PAK, nämlich das krebserregende Benzo(a)pyren. Für die Methoden und eine Überblick über die Situation für die ganze Schweiz, eignet sich am besten der technische Bericht des BAFU.

Worum geht es? Geht es um putzigen Staub, zu dessen Beseitigung wir die neueste Werbung am telévision konsultieren? Geht es um irgendwelche abstrakt fernen Monsterstoffe, über die nur die Gschtudierten wirklich Bescheid wissen? Nein, es geht um Russ!

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Von wegen peer review.

Was machen Gutachter der wissenschaftlichen Fachzeitschriften eigentlich?

Vorletzte Woche war ein Forschungsgruppenleiter von der Novartis Gastdozent in unserer Epigenetikvorlesung. Verblüfft war ich darob, dass in den sehr gut ausgestatteten Labors der Novartis nur ca. 15% der universitären Forschung aus den peer reviewed journals reproduziert werden kann.

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Oh yes, we can!

Kurzerhand habe ich den ganzen Mykolgiekurs der Uni Bern mitsamt der leitenden Privatdozentin bei mir einquartiert. So kann das Feldpraktikum ungestört durchgeführt werden. Hier sind wir nun, sitzen am Tisch beim Pilzrisotto. Mit leuchtenden Augen und glänzenden Wangen fragt die eine der Studentinnen, eine nach der anderen ihrer Kolleginnen in der Runde “Was ist es, was Dich beim Studium im Herzen bewegt?”

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Noch viermal schlafen!

Selten habe ich mich so gefreut. Für mich ist es wie erster Schultag. Am Dienstag um 8 Uhr fange ich an der ETH mit der Vorlesung in Gebirgswaldökologie an.

Im ganzen bin ich wirklich begeistert, wie an der ETH die jungen Studenten ausgebildet werden. Jedem, der etwas in Sachen Feldökologie, Prozesse in natürlichen Ökosystemen studieren will, kann ich nur unbedingt empfehlen, an der ETH Zürich Umweltnaturwissenschaften zu studieren. Die Unterschiede zur Uni Bern sind eklatant. Das fängt schon damit an, dass es an der ETH tatsächlich Lehrveranstaltungen gibt und dass dort die ganz allermeisten Professoren an der Schule anwesend sind und – als Berner Student will man es fast nicht glauben – wirklich unterrichten. Die ETH-Studenten klönen über den Leistungsdruck, aber sie wissen nicht welches Geschenk sie dafür bekommen.

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Hornochsen!

Arthur George Tansley war ungefähr in meinem Alter, als er am 18. Dezember 1918 einen kampferprobten Bericht an Frederic Clements schrieb. Tansley war damals schon ein berühmter Biologe. Ich bin ein berüchtigter Ökologiestudent, der auch gerne ein Ökologe sein möchte. Immerhin, wer meine Biographie kennt, weiss, dass ich persönlich nicht weniger geleistet habe, auch wenn es gegen aussen kaum sichtbar wird.

Tansleys Worte könnten fast von mir stammen:

“I’ve been getting some experience in the ‘Gentle art of making enemies’ lately. The more you keep your temper the madder they get. Reactionary forces are pretty strong here, and it will be a hard struggle to get anything progressive done. But I am going to have a good try.”

Zitiert in
Golley, Frank B. (1996): A History of the Ecosystem Concept in Ecology: More than the Sum of the Parts

Der Arschlochposten.

Ich komme noch einmal auf das Thema zurück, das Attentat auf die Charlie Hebdo Redaktion vor zwei Wochen. Für mich ist es ein Lehrstück darüber, wie billig Schweizer Journalisten heutzutags davonkommen, mit wie wenig sich das Publikum zufrieden gibt, wie leicht man einfach so über das wesentliche hinweggehen kann.

Als Ökologe frage ich mich immer wieder, welche Informationen wirklich an das interessierte Publikum weitergegeben werden.

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