failsafe

Die Studentin kommt zu mir mit “Du als Botaniker”, zeigt mir ein Zweigende von einer Weisstanne, wir rätseln, ob der kleinen braunen Chnubel, die da auf der Zweigunterseite zwischen den Nadeln hervorstehen, ob das neue männliche Zäpfchen von diesem Jahr sind oder solche vom letzten Jahr. Man bekommt diese nicht jeden Tag zu sehen und diese Sorte Details, wann hatten wir das im Unterricht?

Männliche Blüten der Weisstanne. 1) Zweig von 2013, verblühte Blüten von 2014. 2) Zweigspitze von 2014, neue Zäpfchen für dieses Frühjahr 2015. 3) Zweigknospe für den Frühling 2015

Männliche Blüten der Weisstanne. 1) Zweig von 2013, verblühte Blüten von 2014. 2) Zweigspitze von 2014, neue Zäpfchen für dieses Frühjahr 2015. 3) Zweigknospe für den Frühling 2015

Schneebruch im Herbst und Winterstürme hatten in dieser Waldabteilung am Eschenberg gewütet. Kubikmeterweise wurden die Wipfel von 30 Meter hohen Weisstannen weggebrochen und zu Boden geschleudert. Dazwischen Zweige, Äste aller Grössen. Ich verspreche, der Sache nachzugehen und in meiner umfangreichen Privatbibliothek nachzuforschen.

Weiterlesen

fun!

Hier werden Professoren gegrillt! Das Wort stammt nicht von mir, sondern von einem der jungen Studenten.

In Zweiergruppen sollen die Studenten einen Zusammenfassung erstellen, einen Fragebogen ausfüllen, Antwort geben darauf, was das Waldwachstum in der obermontanen Stufe begrenzt. Das ganze sieht harmlos aus. Die vierzehn jungen Leute sind längst vor den vorgegebenen 5 Minuten fertig und sollen Antworten in die Diskussion werfen.

Schon der erste der Studenten geht aufs ganze: Er gibt mutig genug eine Antwort, die gar nicht gefragt war.

Weiterlesen

Den Erfolg am Aufwand gemessen.

Regierungsstellen in aller Welt machen immer dasselbe. Sie geben Abermillionen für die Förderung von xyyx aus: Förderung des Wohlstandes dörflicher Gemeinschaften im afrikanischen Busch, gute Schulen für Kinder aus bildungsfernen Einwandererfamilien in der Pariser Banlieu, Ansiedlung von Industriefirmen im Berner Jura und hurra, mehr “Biodiversität”, möglichst überall wo es in der Schweiz Freude macht.

Am Schluss, wenn das ganze Geld verpulvert ist und niemand wirklich weiss wofür genau, da stellt sich dann ein Regierungsmitglied vor die staunenden Presseleute und erklärt ihnen den Grosserfolg des Förderprojektes. Er berichtet halbstundenlang wofür alles Geld ausgegeben wurde: Tümpel für Gelbbauchunken, Pufferstreifen für Biber, speziell gepflegte Pufferstreifen für die Helm-Azurjungfer, Nistkästen für Schleiereulen und Turmfalken.

Weiterlesen

Grüezi Herr Brechbühl, …

Es gibt sie, die grossen Aufsteller in meinem Bloggerleben. Ich schwelge, wenn jemand von meinem Wissen etwas haben möchte. So kann ich von meinem wenigen von Herzen teilen und weiss dabei, dass es geschätzt wird.

Eine Leserin möchte wissen, wie sie bei sich einen Moosgarten anlegen kann. In ihrem Garten hat es sowieso schon viel Moos, das ganze Tal ist schattig, alles ist nass und das Gras ist lästig zum Pflegen.

Moosgarten von Saihō-ji

Moosgarten von Saihō-ji, Bild aus wikipedia

Als dahergelaufener, Allerwelts-Ökologiestudent kann ich es ja versuchen, mein bestes geben. Hier ist darum meine Antwort:

Weiterlesen

Dicke Luft im Muotathal

Ich bringe ein Beispiel dafür, was alles schief gehen kann in der Kommunikation zwischen Umweltspezialisten und betroffener Bevölkerung. Davon schrieb ich schon in meinem vorletzten Blogeintrag.

Letzte Woche durften wir im Blick darüber lesen, wie schlimm dreckig die Luft im abgelegenen Muotathal sei und zwar noch viel schlimmer als im verdreckten Ballungszentrum von Zürich.

Die Graphik im Blick wurde unverändert übernommen aus dem Infoblatt der Gemeinde Muotathal. Darauf zu sehen ist der Vergleich der Schadstoffmessungen nach Messstationen für Feinstaub (Partikelgrösse PM10), für das an die PM10 gebundene PAK und eine von mehreren im Massenspektrometer abgetrennten Fraktionen des PAK, nämlich das krebserregende Benzo(a)pyren. Für die Methoden und eine Überblick über die Situation für die ganze Schweiz, eignet sich am besten der technische Bericht des BAFU.

Worum geht es? Geht es um putzigen Staub, zu dessen Beseitigung wir die neueste Werbung am telévision konsultieren? Geht es um irgendwelche abstrakt fernen Monsterstoffe, über die nur die Gschtudierten wirklich Bescheid wissen? Nein, es geht um Russ!

Weiterlesen

Von wegen peer review.

Was machen Gutachter der wissenschaftlichen Fachzeitschriften eigentlich?

Vorletzte Woche war ein Forschungsgruppenleiter von der Novartis Gastdozent in unserer Epigenetikvorlesung. Verblüfft war ich darob, dass in den sehr gut ausgestatteten Labors der Novartis nur ca. 15% der universitären Forschung aus den peer reviewed journals reproduziert werden kann.

Weiterlesen

Oh yes, we can!

Kurzerhand habe ich den ganzen Mykolgiekurs der Uni Bern mitsamt der leitenden Privatdozentin bei mir einquartiert. So kann das Feldpraktikum ungestört durchgeführt werden. Hier sind wir nun, sitzen am Tisch beim Pilzrisotto. Mit leuchtenden Augen und glänzenden Wangen fragt die eine der Studentinnen, eine nach der anderen ihrer Kolleginnen in der Runde “Was ist es, was Dich beim Studium im Herzen bewegt?”

Weiterlesen

Noch viermal schlafen!

Selten habe ich mich so gefreut. Für mich ist es wie erster Schultag. Am Dienstag um 8 Uhr fange ich an der ETH mit der Vorlesung in Gebirgswaldökologie an.

Im ganzen bin ich wirklich begeistert, wie an der ETH die jungen Studenten ausgebildet werden. Jedem, der etwas in Sachen Feldökologie, Prozesse in natürlichen Ökosystemen studieren will, kann ich nur unbedingt empfehlen, an der ETH Zürich Umweltnaturwissenschaften zu studieren. Die Unterschiede zur Uni Bern sind eklatant. Das fängt schon damit an, dass es an der ETH tatsächlich Lehrveranstaltungen gibt und dass dort die ganz allermeisten Professoren an der Schule anwesend sind und – als Berner Student will man es fast nicht glauben – wirklich unterrichten. Die ETH-Studenten klönen über den Leistungsdruck, aber sie wissen nicht welches Geschenk sie dafür bekommen.

Weiterlesen

Hornochsen!

Arthur George Tansley war ungefähr in meinem Alter, als er am 18. Dezember 1918 einen kampferprobten Bericht an Frederic Clements schrieb. Tansley war damals schon ein berühmter Biologe. Ich bin ein berüchtigter Ökologiestudent, der auch gerne ein Ökologe sein möchte. Immerhin, wer meine Biographie kennt, weiss, dass ich persönlich nicht weniger geleistet habe, auch wenn es gegen aussen kaum sichtbar wird.

Tansleys Worte könnten fast von mir stammen:

“I’ve been getting some experience in the ‘Gentle art of making enemies’ lately. The more you keep your temper the madder they get. Reactionary forces are pretty strong here, and it will be a hard struggle to get anything progressive done. But I am going to have a good try.”

Zitiert in
Golley, Frank B. (1996): A History of the Ecosystem Concept in Ecology: More than the Sum of the Parts