First Contact.

Ihr wisst schon, Captain Jean-Luc Piccard, sein Raumschiff Enterprise treffen in der Ferne des Weltraumes auf eine unbekannte intelligente Spezies, die natürlich auch einen Kopf, zwei Arme und zwei Beine hat und praktischerweise sogar Englisch spricht. Sein Aussenteam nimmt den ersten Kontakt auf.

Erster Kontakt mit den Rektoratsdiensten der ETH Zürich. Innert weniger Stunden bekomme ich eine präzise formulierte email, einen Rundumüberblick über die Situation der ETH im Verhältnis zu Schweizer Universitäten, drei mögliche Vorgehensweisen für meinen Fall, zwei Links zu den zuständigen Stellen und Formularen in der ETH. Sauber, präzise, hier werden Probleme gelöst, danke, bravo, dafür zahle ich gerne Steuern in harten Franken von meinem sauer erkämpften Geld!

Meine jungen Kollegen von der ETH, letztes auf Pilzexkursion in Valbella, wollten ja unbedingt wissen, was die Unterschiede seien zwischen Uni Bern und ETH Zürich. Unter anderem klagten einige, die ETH sei ungemein bürokratisch organisiert. Meine Antwort lautet: Ihr kennt den Wert einer funktionierenden Bürokratie nicht!

Was also ist so anders an der Uni Bern?

Weiterlesen

Ahnungslos

Gestern, Telefon mit Fürsprecher Markus Siegenthaler, Datenschutzbeauftragter im Kanton Bern. Mit ihm bin ich im Gespräch, nahezu so lange wie es den Datenschutzbeauftragten überhaupt gibt. Seinen Anleitungen folgende habe ich ein halbes Dutzend Datenschutzprozesse geführt und gewonnen, wenn es sein musste auch vor Verwaltungsgericht.

Dass die bei der Uni keine Ahnung haben, was zur gesetzlichen Akteneinsicht dazugehört und was nicht, das kann sich der Datenschutzbeauftragte nicht vorstellen. Mit ihm erlebe ich dasselbe wie vor ein paar Monaten mit der Juristin Daniela Pedinelli, der Chefin im Hochschulamt. Auch sie konnte sich nicht vorstellen, dass mehrere Professoren seit Jahren einfach die Uni schwänzen und nicht zum Unterricht erscheinen. Ihr war die Idee fremd, dass eine grosse Zahl vor allem junger Professoren nicht weiss, wie man Prüfungen durchführt und bewertet.

Kurzum: Die kantonalen Ämter sind schlicht ahnungslos darüber, wie ahnungslos das Generalsekretariat der Universität Bern unter der Leitung von Dr. jur. Christoph Pappa ist, wenn es um die korrekte Führung der Universiät geht. Diese Amtsjuristen haben alle auch in Bern studiert, vor 20 Jahren oder so. Sie haben ein Bild vom Funktionieren dieser Uni, das vor 20 Jahren so zugetroffen hat oder so ungefähr ähnlich, wenn der gnädige Schleier des weisen Alters darüberfällt. Die Uni Bern zehrt von ihrer Substanz. Sie lebt von ihrem guten Ruf. Wann dieses Kapital aufgebraucht sein wird, weiss ich nicht.

Weiterlesen

Vier Studenten, drei Prüfungen, zwei Universitäten…

… Zeit Rückschau zu halten auf drei Lehrveranstaltungen mit ihren Prüfungen. Meine jungen Studienkollegen berichten über nahezu identische Schwierigkeiten bei Prüfungen in der Molekularbiologie. Einer urteilt über drei Prüfungen an zwei verschiedenen Universitäten, er sei nicht ernst genommen worden. Man habe ihn über einzelne Chnüblidetails befragt, während er in grossen Zusammenhängen, die Prozesse, wie sie ineinander wirken, gelernt habe. Der andere Gesprächspartner sagt, er sei erwischt und fertiggemacht worden, indem man ihn über einzelne Strukturen in präzisen Details befragt habe, während er die Prozesse, wie die Abläufe ineinander wirken, gelernt habe.

Mir selber passierte noch einmal dasselbe. Allerdings reagierte ich anders. Ich setzte mich direkt in der viertelstündigen mündlichen Prüfung vehement zur Wehr, um wenigstens ein Beispiel von den komplexen Prozessen erklären zu dürfen, so wie wir alle sie gelernt hatten. Sonst wäre ich in einzelnen Chnüblidetails erstickt worden. So ist das jetzt also! Nicht einfach der Jürg macht Stunk, sondern er weist auf ein Problem, das jedem seiner jungen Gesprächspartner als dringendestes aufgefallen ist.

Weiterlesen

Die Bolognareform ist nicht die Wurzel unserer Bresten.

Die Redaktorin von NZZ Campus hat mit Ihrer These vollkommen recht, es ist nicht die Bolognareform, die uns kaputtmacht. Die Wurzel allen Übels in der Schweiz ist in Wahrheit die Bürokratisierung sämtlicher Lebensbereiche, die Art wie eine exponentiell wachsende classe bureaucratique sich ausbreitet, alles und jeden in Bedrängnis bringt, der in diesesm Land produktive Arbeit leistet. Aspekte davon habe ich mehrmals in meinen Blogs angeschnitten.

Übergangen von den Journalisten, ist längst ein postmarxistischer Klassenkampf ausgebrochen in diesem Land. Dieser zeigt sich in dem unberechenbaren Verhalten der Stimmbürger, die der classe politique eine Ohrfeige nach der anderen verpasst. Sie sind die unentwegten, die längst gemerkt haben, dass die SVP sich für die Interessen der produktiven werktätigen Bevölkerung einsetzt und die SP die Privilegien der Ausbeuterklasse der Bürokraten verteidigt.

Die Tochter allen Übels ist der heutzutags übliche Thesenjournalismus. In den Redaktionen hockt die Sorte von Anpassern, die der classe bureaucratique zudienen, indem sie über die Welt berichten, wie sie sein sollte und nicht über die Welt wie sie ist. Sie sorgen für die stromlinienförmige Gleichförmigkeit des öffentlichen Diskurses.

Ich beschreibe im folgenden die sieben Grundübel schlecht gemachten Journalismus’ und nutze dazu den verlinkten Thesenbericht von Simona Pfister.

Weiterlesen

Unterschiede.

Jetzt ist ein Jahr her, dass ich von der Pilzexkursion der ETH aus Valbella zurückgekehrt bin. Mindestens einen Blogeintrag von damals bin ich schuldig geblieben. Die Studentinnen der Forstwissenschaften und der Umweltnaturwissenschaften hatten mich gefragt, was die Unterschiede im Studienbetrieb seien zwischen dem ETH-Studium und demjenigen der Biologie an der Uni Bern.

Weiterlesen

Die kleine Freude im Biologenalltag.

Ich kann es nicht lassen. Aber Schadenfreude ist immer noch die beste Freude. Die Lästernachbarin, diejenige, die sich über mich als “Chaos-Gärtner” lustig machte, die hat nie Unkraut in ihrem Salatbeet. Jäten gesehen habe ich sie auch nie, dafür schön präzise mit einem kleinen reservierten Giesskännlein hantieren. He nu, im selben Salatbeet steht auch ihr Johannisbeerstrauch. Der ist sauber entlaubt, hat wohl zuviel round-up erwischt.

Derweil bin ich schon bei der Brombeerernte und wöchentlich gibt es eine neue Portion Austernseitlinge.

Rechts Austernseitlinge auf Sägemehl, links Brombeeren, im Hintergrund Gladiolen vor dem Aufblühen, im Vordergrund Rotklee als Gründüngung.

Rechts Austernseitlinge auf Sägemehl, links Brombeeren, im Hintergrund Gladiolen vor dem Aufblühen, im Vordergrund Rotklee als Gründüngung.

Von wegen peer review.

Was machen Gutachter der wissenschaftlichen Fachzeitschriften eigentlich?

Vorletzte Woche war ein Forschungsgruppenleiter von der Novartis Gastdozent in unserer Epigenetikvorlesung. Verblüfft war ich darob, dass in den sehr gut ausgestatteten Labors der Novartis nur ca. 15% der universitären Forschung aus den peer reviewed journals reproduziert werden kann. Diese Zahl deckt sich auffällig mit der Bemerkung einer befreundeten Doktorandin in Vegetationsökologie. Sie untersucht die Regeneration von Trockenrasenvegetation, nachdem die intensive Beweidung aufgegeben wurde. Auch sie stellte fest, dass ca. 80% der publizierten vegetationsökologischen Literatur unbrauchbar in Bezug auf die untersuchte Fragestellung ist. Bei einem grossen Teil der publizierten Forschung fehlt es an der Validität – die journals liefern Schrott, um es klar zu sagen.

Weiterlesen

Forscher als Spielzeug.

Über die Motivation der Politiker kann ich nur spekulieren: Ein halbes Dutzend Berner Grossräte verlangen die “Bestrafung” der Zürcher Wildbiologen — emel drei davon von der SVP aus dem Oberland und auch ein paar von der SP. Das Naturschutzinspektorat hat auch schon reagiert und den Zürchern telefoniert, die Forschungsarbeit sei einzustellen. Es geht um den Unfall bei einer wildbiologischen Doktorarbeit, wo 18 Rehkitze getötet werden mussten, nachdem ihre Funkhalsbänder sich nicht dem wachsenden Tier anpassten. Ich habe dazu kommentiert in meinem früheren Blogeintrag “Drehsessel-Ökologen”.

Gesundes Augenmass und vernunftgesteuertes Handeln sind nicht allzu gefragt, wenn man es mit den Jöhhh-härzig-Naturschützern zu tun bekommt. Die betreffenden Grossräte plustern sich auf, lenken von der eigenen Unfähigkeit ab. Wenn man die wirtschaftliche Misere in diesem Staat und Kanton Bern sieht, dann wird einem ob solch dümmlich wissenschaftsfeindlicher Gesinnung speiübel.

Weiterlesen

Oh yes, we can!

Kurzerhand habe ich den ganzen Mykolgiekurs der Uni Bern mitsamt der leitenden Privatdozentin bei mir einquartiert. So kann das Feldpraktikum ungestört durchgeführt werden. Hier sind wir nun, sitzen am Tisch beim Pilzrisotto. Mit leuchtenden Augen und glänzenden Wangen fragt die eine der Studentinnen, eine nach der anderen ihrer Kolleginnen in der Runde “Was ist es, was Dich beim Studium im Herzen bewegt?”

Weiterlesen

Die Heidi Sisters.

Ein paar von den Blogs überschlagen sich wieder einmal in der Übung politischer Korrektheit, die sie dann als “nettiquette” verbrämen.

Dazu mein belustigter Einwand: Ich habe mir gestern abend wieder einmal den “Blues Brothers 2000″ Film angeschaut. Ich fragte mich auf einmal, wie nur würde Blues Brothers 2000 aussehen, wenn der in der politisch korrekten Schweiz gedreht würde? Vermutlich wären wir dann bei den Heidi Sisters — alle würden handörgelen, hudigäägelen, mistträppelen. Dort wollen uns die Linken haben, dann wären wir zumindest politisch korrekt, putzig und ohne eigene Meinung.

Weiterlesen