Sind Naturwissenschaften kompetitiv?

Um die Frage genauer zu fassen: Entstehen Forschritte in der Biologie in der Kooperation oder aber dank dem Wettbewerb zwischen Wissenschaftlern? In der von den Universitätsrektoren und vom Bundesrat öffentlich gemachten Stellungnahmen wird immer von neuem behauptet, in einem “international kompetitiven Umfeld” müssten unsere Hochschulen “Exzellenz” beweisen. Wenn ein Jüngling irgendwo in Europa eine befristete Professur ergattert, nachdem er mit einem fünfminütigen Vorträglein ein Auswahlgremium von Bildungsbürokraten beeindruckte, dann wird er gerühmt, wie er sich im kompetitiven Umfeld durchgesetzt habe.

Um die Antwort auf die Frage vorwegzunehmen: Die grossen Fortschritte aus den letzten anderhalb Jahrhunderten entstanden nie, nicht ein einziges mal, im Wettbewerb und fast immer in der Kooperation. Die Rede vom Wettbewerb in der Forschung ist im besten Fall die Lebenslüge des einzelnen Forschers. Im schlimmsten Fall ist es brandgefährlicher politischer Agitprop der classe bureaucratique, die ihre erbärmlich nichtsnutzige, Steuergelder verschlingende berufliche Existenz damit rechtfertigt, dass sie über diesen eingebildeten Wettbewerb wacht.

Ich bringe Beispiele aus unserer Geschichte der Evolutionsforschung:

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Die Biologen will keiner.

Nach der Akademikerbefragung des Bundesamtes für Statistik: Naturwissenschaftler sind fünf Jahre nach Masterabschluss so gut wie nie arbeitslos. Laut Bernerzeitung von heute sind die Biologen die Ausnahme. Sie leben in prekären Verhältnissen.

Mit der Statistik gibt es ein wesentliches Problem: Zell- und Molekularbiologen sollten nicht mit einem Masterabschluss auf Stellensuche gehen, sondern vorher doktorieren. Solange eine solche Statistik diese Kategorien nicht erfasst, wissen wir nicht wirklich, wie es steht. Das zweite Problem mit der Statistik ist, dass sie nicht unterscheidet zwischen Ökologen und Laborbiologen.

Und dann noch folgendes Zitat aus dem verlinkten Zeitungsartikel. Das muss man jetzt im Ernst lesen. Man bekommt nebenbei eine Vorstellung, was gestern in meinem Blog mit “spin doctors” gemeint war.

Auch zweifelt [Alt-SP-Nationalrat Rudolf] Strahm an der Aussagekraft der Erwerbslosenstatistik, die gemäss den Richtlinien der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) erhoben wird. Laut ILO gilt bereits als erwerbstätig, wer eine Stunde pro Woche arbeitet.

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Chnutsch i Gring.

Der Schlag trifft mich unvorbereitet, mitten ins Gesicht. Zähne fliegen durch die Luft, Blut fliesst in Strömen aus gebrochener Nase und geplatzten Lippen. Das weggerissene Augenlid hängt lose vor dem blutunterlaufenen Auge herunter. Es ist ja nicht so, dass ich mich im Spiegel nicht wiedererkennen täte. Ich sehe auch sonst nicht viel besser aus. Schmerzen tut es höllisch und es braucht viel, bis ich wegen solchem zum Tokter gehe.

Item, bisher war ich immer davon ausgegangen, dass die Laborbiologen, die Molekularbiologen, die Zellbiologen intakte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, dass die Zustände, die ich hier im Blog reklamiere nur bei den Ökologen so schlimm eingerissen haben. Die letzten Reste meines glückseligen Vertrauens in die Institution Universität gehen im Chaos unter.

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Kindersprache.

Hätte ich meine Kindersprache nicht zur Verfügung, ich wüsste nicht, wie ich die Vorgänge im Hochschulamt beschreiben sollte. Für einen solchen Kindergarten gibt es keine erwachsenen Worte. Nun denn, hier sei die Geschichte zu meinem Wortschatz:

Ich erinnere, wie wir Buben im Sommer 1967 ab und zu mit meinem Vater auf den Belpberg fuhren. Oberhalb von Gerzensee suchten wir in den Sandsteinflühen nach Versteinerungen, Ammoniten und Innenskelette von Tintenfischen, die wir aber “Haifischzähne” nannten. Den wahren Zweck jener Ausflüge aber, erfuhr ich erst vor wenigen Tagen:

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Für die lieben Kollegen, …

… die mich lieber unverbindlich googlen anstatt sich persönlich mit mir zu treffen und neugierige Fragen zu stellen.
Ich wurde übers Wochenende wieder einmal fleissig gegooglet und je nachdem wie man die Suchworte eingibt, kommt man ziemlich geradlinig zu den wirtschaftlichen Auskunftsdiensten, die sich im Salto überschlagen, wenn sie Fragmente meiner wirtschaftlichen Existenz dem dummen Publikum andrehen. Es stimmt zwar, ich habe eine Firma im Handelsregister eingetragen und wie es sich gehört, muss diese auch einen Geschäftszweck haben. Das heisst leider noch lange nicht, dass diese Firma aktiv ist und ich mit solchen Geschäften Geld verdiene.

Wer also dem Enigma auf die Spur kommen will, der soll doch das Kontaktformular ausfüllen und seine Fragen stellen.

Von wegen peer review.

Was machen Gutachter der wissenschaftlichen Fachzeitschriften eigentlich?

Vorletzte Woche war ein Forschungsgruppenleiter von der Novartis Gastdozent in unserer Epigenetikvorlesung. Verblüfft war ich darob, dass in den sehr gut ausgestatteten Labors der Novartis nur ca. 15% der universitären Forschung aus den peer reviewed journals reproduziert werden kann. Diese Zahl deckt sich auffällig mit der Bemerkung einer befreundeten Doktorandin in Vegetationsökologie. Sie untersucht die Regeneration von Trockenrasenvegetation, nachdem die intensive Beweidung aufgegeben wurde. Auch sie stellte fest, dass ca. 80% der publizierten vegetationsökologischen Literatur unbrauchbar in Bezug auf die untersuchte Fragestellung ist. Bei einem grossen Teil der publizierten Forschung fehlt es an der Validität – die journals liefern Schrott, um es klar zu sagen.

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Wann ist genug?

Seit Jahren verfolgt die ETH in ihren öffentlichen Stellungnahmen eine Politik quantitativen Wachstums. Man will international als Spitzenuniversität dastehen, einen grossartigen Ruf haben als Super-Forschungsplatz, der renommierte Forschercracks aus der ganzen Welt anlockt und zu Höchstleistungen animiert. Die Frage ist, wem dieses internationale Ansehen wirklich nützt.

Können unsere Universitäten ihr Niveau nur halten, wenn sie immer neue Professoren aus dem Ausland herbeiholen? Das wollte Felix Müri von mir wissen. Auf die schnelle, mitten in den Leuten im Bundeshauskaffee, konnte ich nur die Antwort aus meiner unmittelbaren Anschauung geben, aus der Froschperspektive des Berner Biologiestudenten.

Meine Antwort war ganz klar: In Bern haben wir Studenten überhaupt grad gar nichts von diesen internationalen Cracks, die dann in der Welt herumdüsen, sich während des Semesters tageweise im Vorbeigehen am Institut blicken lassen und seit Jahren nicht mehr unterrichten.

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Desperados oder “Bologna-Reform à la Bernoise”.

Am Montag habe ich eine Beschwerde gegen die Universität Bern an das Verwaltungsgericht abgeschickt. Zwar hatte die Rekurskommission meine Rechte als Behinderter geschützt. Dafür hatte sie es verpasst, mich auch grad noch vom Diplom- in das Masterstudium zu überführen. Sie bezog sich dabei auf eine Bestimmung im Reglement der phil-nat Fakultät, wonach in Bern nur Studenten den Master machen können, die das Bachelorstudium in den letzten 10 Jahren abgeschlossen hatten.

Ich hatte es extrem streng seit 10. Januar. Innerhalb von vier Wochen musste ich das schweizerische Recht rund um die Bologna-Reform auseinandernehmen. Dabei stellte ich fest, dass die Uni Bern geltende Gesetze bricht und das augenscheinlich sehr selbstverständlich nimmt.

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Mangel an allem.

Pflanzen- und Vegetationsökologen in Bern lernen schlicht nichts über Böden. Boden ist, wo das Wasser herkommt und wo es Nährstoffe hat und ja, dort drin wachsen die Wurzeln. Mehr ist nicht da – nichts von all dem lustigen anderen: Verwitterung der Grundgesteine, Textur mit unterschiedlichen Teilchengrössen, Adsorption von Nährstoffen an Tonmineralen, Wasserverfügbarkeit und Gasaustausch, Porengrössen, Auswaschung. Bodenhorizonte? Noch nie gehört.

Studenten mit solchen Wissenslücken wollen dann über Konkurrenz zwischen Pflanzenarten Bescheid wissen. Sie legen Experimente an und verzählen den Geldgebern, damit könne man etwas über die Ansiedlung unerwünschter Exoten erfahren.

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Forscher als Spielzeug.

Über die Motivation der Politiker kann ich nur spekulieren: Ein halbes Dutzend Berner Grossräte verlangen die “Bestrafung” der Zürcher Wildbiologen — emel drei davon von der SVP aus dem Oberland und auch ein paar von der SP. Das Naturschutzinspektorat hat auch schon reagiert und den Zürchern telefoniert, die Forschungsarbeit sei einzustellen. Es geht um den Unfall bei einer wildbiologischen Doktorarbeit, wo 18 Rehkitze getötet werden mussten, nachdem ihre Funkhalsbänder sich nicht dem wachsenden Tier anpassten. Ich habe dazu kommentiert in meinem früheren Blogeintrag “Drehsessel-Ökologen”.

Gesundes Augenmass und vernunftgesteuertes Handeln sind nicht allzu gefragt, wenn man es mit den Jöhhh-härzig-Naturschützern zu tun bekommt. Die betreffenden Grossräte plustern sich auf, lenken von der eigenen Unfähigkeit ab. Wenn man die wirtschaftliche Misere in diesem Staat und Kanton Bern sieht, dann wird einem ob solch dümmlich wissenschaftsfeindlicher Gesinnung speiübel.

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Oh yes, we can!

Kurzerhand habe ich den ganzen Mykolgiekurs der Uni Bern mitsamt der leitenden Privatdozentin bei mir einquartiert. So kann das Feldpraktikum ungestört durchgeführt werden. Hier sind wir nun, sitzen am Tisch beim Pilzrisotto. Mit leuchtenden Augen und glänzenden Wangen fragt die eine der Studentinnen, eine nach der anderen ihrer Kolleginnen in der Runde “Was ist es, was Dich beim Studium im Herzen bewegt?”

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Putsch im Bundeshaus.

Spin doctors gibt es schon lange im Bundeshaus: Kommunikationsspezialisten, die nicht dazu da sind, Bürger und Presse zu informieren, sondern die Öffentlichkeit zu desinformieren, Wahrheit zu vernebeln, Kleinigkeiten über die Hauptsache zu decken.

Doch dann und wann kommt dank dieser privaten Presse der schlimmste Albtraum ans Licht, Schweinereien, die nicht einmal in der lautesten Polemik von Toni Brunner vorkommen: Heute im Blick finden wir die Namensliste von Gemeintätern, die wieder einmal dem tumben Pöbel in der Schweiz die Mitrede im Staatswesen austreiben wollen.

Angestellte der Bundeskanzlei versuchen, am Bundesrat und am Souverän vorbei, die Demokratie abzuändern. Die FDP sagt es richtig: «Aufgabe der Bundeskanzlei ist es, Dienstleistungen für den Bundesrat, die Verwaltung und die Bevölkerung zu erbringen, und nicht, neue Hürden für Volksinitiativen zu definieren»

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Fische stinken vom Kopf her.

Die Uni Zürich findet keinen Prorektor und der Campus Blog der NZZ fragt nach den Gründen.

Wer letztens die Weltwoche gelesen hat, fand dort einen detaillierten Bericht, wie die Zürcher Erziehungsdirektorin zusammen mit ihrem Amtschef auf den Rektor der Universität losging, um den unbotmässigen Nationalrat Prof. Christoph Mörgeli zu chassen. Die Frau Regierungsrat überschritt massiv ihre Rechte. Der Rektor knickte ein und gab die Selbstverwaltung der Universität Zürich kampflos preis. Nun denn, Frau Aeppli tritt ja jetzt zurück und natürlich ist es überhaupt nicht weil die Weltwoche so sorgfältig recherchierte.

Aus der Uni Bern kann ich über ganz andere, vordergründig unpolitische Vorgänge berichten. Sie zeigen ostentativ, wie Bürokratien die demokratische Willensbildung aushebeln. Und genau darum sind sie umso politischer. An der Uni Bern wurden in den letzten zehn Jahren Strukturen ohne demokratische Legitimation an der Selbstverwaltung vorbei aufgezogen. Man nennt diese parallelen Strukturen “Universitätsleitung”.

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Il n’y a pas de problème!

Kein Problem, ich kann mit der Genfer Professorin und der Fribourger Studienkollegin auch auf Französisch über die Regulation der Genexpression an den Poren des Zellkerns reden. An ihren lustigen Reaktionen merke ich, dass meine Grammatik und meine Idiomatik ein wenig schöner und ein bisschen altmodischer sind, als was sie für gewöhnlich im Unterricht und im Alltag gebrauchen. Über meinen Sprachstil hat sich keine beklagt. Und mir ist jedenfalls mein Französisch lieber als das der Jurassier, die “le schnegg” sagen oder “le papa a schlagé la schwiegermuetter avec le stäcke”.

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Für die Neider und die Möffen, …

.. die über meinen “englischen Sprachstil” herummeckern anstatt meine biologische Fachkenntnis zu bewerten, hier geht es zu meinem anderen Hobby und vielleicht nächstes mal stehen wir dann auf Französisch auf der Matte. Oder wer weiss, vielleicht lernt Ihr ja richtiges Deutsch, wäre auch ein guter Anfang für alle, die auf Englisch radebrechen!

Ah ja, ich habe den Link geflickt. Wer also neugierig ist und noch einmal draufklickt, darf mein schönes Auto ohne Passwort ansehen. Nur mit Passwort bekäme man dann Sachen zu lesen wie “…bravo pour ton Français”.