Ökomigranten.

In meinem gestrigen Blogeintrag habe ich anschaulich von meinem Grundstück aus die enorme Gewalt gezähmter Wassermassen beschrieben. Entfesselt waren sie im Schangnau. Berichte und Bilder dazu habe ich am gleichen Ort gesehen wie meine Leser auch. Als Gaffer mag ich mich nicht im Katastrophengebiet unnützlich machen. In meiner Kindheit hatten wir in Steffisburg ähnliche Überschwemmungen, so dass ich aus einer realistischen Vorstellung heraus berichte.

Eindrücklich sind die Berge von Steinen, die riesigen Haufen von Bäumen. Diese füllen die Gerinne und verstopfen die Durchläufe, so dass das Wasser innert Minuten ausbricht. Daneben lesen wir ab und zu von Hangrutschungen, davon, wie sie Strassen versperren. Hangrutschungen kommen weniger mit dem Gewitterextrem sondern überhaupt mit der Dauer des Regenwetters.

Können Ökologen etwas zur Vorbeugung und zum Schutz beitragen? Ich meine jetzt richtige Ökologen, solche, die im Feld Beobachtungen anstellen können, solche die etwas verstehen von Ökosystemen, die das notwendige vielfältige Wissen zu allen Teilgebieten haben, Artenkenntnis, Vegetationsdynamik, Sukzession, Bodenkunde? Das schliesst dann leider die heutigen Studienabgänger aus, die an der Uni Bern mit einem Master abschliessen, die Häfelibotaniker und all diejenigen, die am Schluss nicht viel mehr können ausser schöne Berichtli schreiben und eindrückliche Vorträglein halten.

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Wie gehabt!

Mit meinen Eltern mache ich einen Ausflug auf die Schynige Platte. Eine Woche lang haben wir den einen Tag abgepasst, wo uns strahlendes Sonnenwetter empfängt. Der Besuch im Alpengarten ist erfrischend. Mir fallen ein paar neu angepflanzte Anlagen auf. Die Pflanzen brauchen noch eine Saison zum Anwachsen. Nächsten Sommer wird es spannend. Im Restaurant bekommen wir zum Mittagessen zümftig grosse Portionen. Die Küche ist einfach und gut gemacht.

Ich begegne der pflanzenökologischen Alpenexkursion der Universität Bern. Der Professor ist wie üblich nicht zum Dienst erschienen. Er hat diese Lehrveranstaltung im Vorlesungsverzeichnis ausgeschrieben Den Unterricht überlässt er wissenschaftlichen Mitarbeitern ohne Lehrberechtigung.

Der Vorgang zeigt vor allem anderen das eine: Die Universität Bern leidet unter massivsten Führungsproblemen. Das Rektorat weiss längst bescheid. Die Universitätsleitung schlampt und weigert sich, die Probleme in Griff zu bekommen. Der Dekan der philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät ist profillos und hat seinen Laden nicht im Griff.

Kein Wunder, dass diese Berner Ökologen hinterher keine Arbeit finden. Die Arbeitgeber haben es natürlich längst gemerkt. Solche Absolventen schreiben schöne Berichtlein, wissen tun sie so gut wie fast gar nichts – bei weitem nicht was man von einem 25-jährigen mit Uniabschluss zu recht erwartet.

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Sind Naturwissenschaften kompetitiv?

Um die Frage genauer zu fassen: Entstehen Forschritte in der Biologie in der Kooperation oder aber dank dem Wettbewerb zwischen Wissenschaftlern? In der von den Universitätsrektoren und vom Bundesrat öffentlich gemachten Stellungnahmen wird immer von neuem behauptet, in einem “international kompetitiven Umfeld” müssten unsere Hochschulen “Exzellenz” beweisen. Wenn ein Jüngling irgendwo in Europa eine befristete Professur ergattert, nachdem er mit einem fünfminütigen Vorträglein ein Auswahlgremium von Bildungsbürokraten beeindruckte, dann wird er gerühmt, wie er sich im kompetitiven Umfeld durchgesetzt habe.

Um die Antwort auf die Frage vorwegzunehmen: Die grossen Fortschritte aus den letzten anderhalb Jahrhunderten entstanden nie, nicht ein einziges mal, im Wettbewerb und fast immer in der Kooperation. Die Rede vom Wettbewerb in der Forschung ist im besten Fall die Lebenslüge des einzelnen Forschers. Im schlimmsten Fall ist es brandgefährlicher politischer Agitprop der classe bureaucratique, die ihre erbärmlich nichtsnutzige, Steuergelder verschlingende berufliche Existenz damit rechtfertigt, dass sie über diesen eingebildeten Wettbewerb wacht.

Ich bringe Beispiele aus unserer Geschichte der Evolutionsforschung:

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Die Biologen will keiner.

Nach der Akademikerbefragung des Bundesamtes für Statistik: Naturwissenschaftler sind fünf Jahre nach Masterabschluss so gut wie nie arbeitslos. Laut Bernerzeitung von heute sind die Biologen die Ausnahme. Sie leben in prekären Verhältnissen.

Mit der Statistik gibt es ein wesentliches Problem: Zell- und Molekularbiologen sollten nicht mit einem Masterabschluss auf Stellensuche gehen, sondern vorher doktorieren. Solange eine solche Statistik diese Kategorien nicht erfasst, wissen wir nicht wirklich, wie es steht. Das zweite Problem mit der Statistik ist, dass sie nicht unterscheidet zwischen Ökologen und Laborbiologen.

Und dann noch folgendes Zitat aus dem verlinkten Zeitungsartikel. Das muss man jetzt im Ernst lesen. Man bekommt nebenbei eine Vorstellung, was gestern in meinem Blog mit “spin doctors” gemeint war.

Auch zweifelt [Alt-SP-Nationalrat Rudolf] Strahm an der Aussagekraft der Erwerbslosenstatistik, die gemäss den Richtlinien der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) erhoben wird. Laut ILO gilt bereits als erwerbstätig, wer eine Stunde pro Woche arbeitet.

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Chnutsch i Gring.

Der Schlag trifft mich unvorbereitet, mitten ins Gesicht. Zähne fliegen durch die Luft, Blut fliesst in Strömen aus gebrochener Nase und geplatzten Lippen. Das weggerissene Augenlid hängt lose vor dem blutunterlaufenen Auge herunter. Es ist ja nicht so, dass ich mich im Spiegel nicht wiedererkennen täte. Ich sehe auch sonst nicht viel besser aus. Schmerzen tut es höllisch und es braucht viel, bis ich wegen solchem zum Tokter gehe.

Item, bisher war ich immer davon ausgegangen, dass die Laborbiologen, die Molekularbiologen, die Zellbiologen intakte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, dass die Zustände, die ich hier im Blog reklamiere nur bei den Ökologen so schlimm eingerissen haben. Die letzten Reste meines glückseligen Vertrauens in die Institution Universität gehen im Chaos unter.

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Kindersprache.

Hätte ich meine Kindersprache nicht zur Verfügung, ich wüsste nicht, wie ich die Vorgänge im Hochschulamt beschreiben sollte. Für einen solchen Kindergarten gibt es keine erwachsenen Worte. Nun denn, hier sei die Geschichte zu meinem Wortschatz:

Ich erinnere, wie wir Buben im Sommer 1967 ab und zu mit meinem Vater auf den Belpberg fuhren. Oberhalb von Gerzensee suchten wir in den Sandsteinflühen nach Versteinerungen, Ammoniten und Innenskelette von Tintenfischen, die wir aber “Haifischzähne” nannten. Den wahren Zweck jener Ausflüge aber, erfuhr ich erst vor wenigen Tagen:

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Für die lieben Kollegen, …

… die mich lieber unverbindlich googlen anstatt sich persönlich mit mir zu treffen und neugierige Fragen zu stellen.
Ich wurde übers Wochenende wieder einmal fleissig gegooglet und je nachdem wie man die Suchworte eingibt, kommt man ziemlich geradlinig zu den wirtschaftlichen Auskunftsdiensten, die sich im Salto überschlagen, wenn sie Fragmente meiner wirtschaftlichen Existenz dem dummen Publikum andrehen. Es stimmt zwar, ich habe eine Firma im Handelsregister eingetragen und wie es sich gehört, muss diese auch einen Geschäftszweck haben. Das heisst leider noch lange nicht, dass diese Firma aktiv ist und ich mit solchen Geschäften Geld verdiene.

Wer also dem Enigma auf die Spur kommen will, der soll doch das Kontaktformular ausfüllen und seine Fragen stellen.

Von wegen peer review.

Was machen Gutachter der wissenschaftlichen Fachzeitschriften eigentlich?

Vorletzte Woche war ein Forschungsgruppenleiter von der Novartis Gastdozent in unserer Epigenetikvorlesung. Verblüfft war ich darob, dass in den sehr gut ausgestatteten Labors der Novartis nur ca. 15% der universitären Forschung aus den peer reviewed journals reproduziert werden kann. Diese Zahl deckt sich auffällig mit der Bemerkung einer befreundeten Doktorandin in Vegetationsökologie. Sie untersucht die Regeneration von Trockenrasenvegetation, nachdem die intensive Beweidung aufgegeben wurde. Auch sie stellte fest, dass ca. 80% der publizierten vegetationsökologischen Literatur unbrauchbar in Bezug auf die untersuchte Fragestellung ist. Bei einem grossen Teil der publizierten Forschung fehlt es an der Validität – die journals liefern Schrott, um es klar zu sagen.

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Wann ist genug?

Seit Jahren verfolgt die ETH in ihren öffentlichen Stellungnahmen eine Politik quantitativen Wachstums. Man will international als Spitzenuniversität dastehen, einen grossartigen Ruf haben als Super-Forschungsplatz, der renommierte Forschercracks aus der ganzen Welt anlockt und zu Höchstleistungen animiert. Die Frage ist, wem dieses internationale Ansehen wirklich nützt.

Können unsere Universitäten ihr Niveau nur halten, wenn sie immer neue Professoren aus dem Ausland herbeiholen? Das wollte Felix Müri von mir wissen. Auf die schnelle, mitten in den Leuten im Bundeshauskaffee, konnte ich nur die Antwort aus meiner unmittelbaren Anschauung geben, aus der Froschperspektive des Berner Biologiestudenten.

Meine Antwort war ganz klar: In Bern haben wir Studenten überhaupt grad gar nichts von diesen internationalen Cracks, die dann in der Welt herumdüsen, sich während des Semesters tageweise im Vorbeigehen am Institut blicken lassen und seit Jahren nicht mehr unterrichten.

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Mangel an allem.

Pflanzen- und Vegetationsökologen in Bern lernen schlicht nichts über Böden. Boden ist, wo das Wasser herkommt und wo es Nährstoffe hat und ja, dort drin wachsen die Wurzeln. Mehr ist nicht da – nichts von all dem lustigen anderen: Verwitterung der Grundgesteine, Textur mit unterschiedlichen Teilchengrössen, Adsorption von Nährstoffen an Tonmineralen, Wasserverfügbarkeit und Gasaustausch, Porengrössen, Auswaschung. Bodenhorizonte? Noch nie gehört.

Studenten mit solchen Wissenslücken wollen dann über Konkurrenz zwischen Pflanzenarten Bescheid wissen. Sie legen Experimente an und verzählen den Geldgebern, damit könne man etwas über die Ansiedlung unerwünschter Exoten erfahren.

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Forscher als Spielzeug.

Über die Motivation der Politiker kann ich nur spekulieren: Ein halbes Dutzend Berner Grossräte verlangen die “Bestrafung” der Zürcher Wildbiologen — emel drei davon von der SVP aus dem Oberland und auch ein paar von der SP. Das Naturschutzinspektorat hat auch schon reagiert und den Zürchern telefoniert, die Forschungsarbeit sei einzustellen. Es geht um den Unfall bei einer wildbiologischen Doktorarbeit, wo 18 Rehkitze getötet werden mussten, nachdem ihre Funkhalsbänder sich nicht dem wachsenden Tier anpassten. Ich habe dazu kommentiert in meinem früheren Blogeintrag “Drehsessel-Ökologen”.

Gesundes Augenmass und vernunftgesteuertes Handeln sind nicht allzu gefragt, wenn man es mit den Jöhhh-härzig-Naturschützern zu tun bekommt. Die betreffenden Grossräte plustern sich auf, lenken von der eigenen Unfähigkeit ab. Wenn man die wirtschaftliche Misere in diesem Staat und Kanton Bern sieht, dann wird einem ob solch dümmlich wissenschaftsfeindlicher Gesinnung speiübel.

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Oh yes, we can!

Kurzerhand habe ich den ganzen Mykolgiekurs der Uni Bern mitsamt der leitenden Privatdozentin bei mir einquartiert. So kann das Feldpraktikum ungestört durchgeführt werden. Hier sind wir nun, sitzen am Tisch beim Pilzrisotto. Mit leuchtenden Augen und glänzenden Wangen fragt die eine der Studentinnen, eine nach der anderen ihrer Kolleginnen in der Runde “Was ist es, was Dich beim Studium im Herzen bewegt?”

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Putsch im Bundeshaus.

Spin doctors gibt es schon lange im Bundeshaus: Kommunikationsspezialisten, die nicht dazu da sind, Bürger und Presse zu informieren, sondern die Öffentlichkeit zu desinformieren, Wahrheit zu vernebeln, Kleinigkeiten über die Hauptsache zu decken.

Doch dann und wann kommt dank dieser privaten Presse der schlimmste Albtraum ans Licht, Schweinereien, die nicht einmal in der lautesten Polemik von Toni Brunner vorkommen: Heute im Blick finden wir die Namensliste von Gemeintätern, die wieder einmal dem tumben Pöbel in der Schweiz die Mitrede im Staatswesen austreiben wollen.

Angestellte der Bundeskanzlei versuchen, am Bundesrat und am Souverän vorbei, die Demokratie abzuändern. Die FDP sagt es richtig: «Aufgabe der Bundeskanzlei ist es, Dienstleistungen für den Bundesrat, die Verwaltung und die Bevölkerung zu erbringen, und nicht, neue Hürden für Volksinitiativen zu definieren»

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Fische stinken vom Kopf her.

Die Uni Zürich findet keinen Prorektor und der Campus Blog der NZZ fragt nach den Gründen.

Wer letztens die Weltwoche gelesen hat, fand dort einen detaillierten Bericht, wie die Zürcher Erziehungsdirektorin zusammen mit ihrem Amtschef auf den Rektor der Universität losging, um den unbotmässigen Nationalrat Prof. Christoph Mörgeli zu chassen. Die Frau Regierungsrat überschritt massiv ihre Rechte. Der Rektor knickte ein und gab die Selbstverwaltung der Universität Zürich kampflos preis. Nun denn, Frau Aeppli tritt ja jetzt zurück und natürlich ist es überhaupt nicht weil die Weltwoche so sorgfältig recherchierte.

Aus der Uni Bern kann ich über ganz andere, vordergründig unpolitische Vorgänge berichten. Sie zeigen ostentativ, wie Bürokratien die demokratische Willensbildung aushebeln. Und genau darum sind sie umso politischer. An der Uni Bern wurden in den letzten zehn Jahren Strukturen ohne demokratische Legitimation an der Selbstverwaltung vorbei aufgezogen. Man nennt diese parallelen Strukturen “Universitätsleitung”.

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