My own private global warming!

Ich will auch eine! Alle haben eine, nur ich nicht! Ich will auch eine globale Erwärmung haben. Brülll, grännn, pläääär!

Ich habe überall gesucht und nirgends die globale Erwärmung gefunden. Die Erde wurde statistisch nachgerechnet seit 15 Jahren nicht mehr wärmer (vergleiche die Grafik in der linken Spalte). Darum habe ich mir meine eigene private Klimaerwärmung gekauft. Die kann ich jetzt jeden Tag im Hosensack mitnehmen:

Mammutzahn aus Alaska, handgeschmiedetes Messer aus dem Aubrac.

Mammutzahn aus Alaska, handgeschmiedetes Messer aus dem Aubrac.

Das Hirn gewaschen.

Exkursion mit den Waldbauern. Die Exkursion ist obligatorisch, um die 20 sind dabei und kaum eine, die keine Fragen stellt. Der Unterricht ist spannend und lehrreich, die Beispiele im Gelände jedes anders, neu durchzudenken. Die Studenten werden aufgefordert, vom Lehrstoff her Vorschläge zu machen und sie entwickeln spannende Überlegungen. Mir fällt ein weiteres mal auf, wie sehr viel selbständiger und belebter die ETH-Studenten sind im Vergleich zu den passiven Konsumenten an der Uni Bern.

Wir bekommen den letzten Schrei im Detail erklärt: Wie kann der Förster von heute dafür sorgen, dass sein Nach-nach-nach-nach-Folger in 100 Jahren Bäume ernten kann, die man in der heutigen Marktsituation gewinnbringend verkaufen könnte (Kirschbäume, Eschen, Ahorne, mindestens 50cm dick und nicht so viele gewöhnliche Buchen, die keiner will)? Oder aber wie kann er mit minimalen Investitionen, möglichst wenig teurem Arbeitsaufwand, dennoch dafür sorgen, dass seine Nach-nach-nach-Folger in 80 Jahren, die heutzutags bei Möbelschreinern und Zimmerleuten begehrten Fichten und Tannen an die Sägereien liefern? Mein Leser wird den Widerspruch bemerken: Ökologische Nachhaltigkeit ausrichten, als ob in 100 Jahren von der Natur immer noch das gefordert würde, was in der Wirtschaft von heute grad modern ist.

Die Grundüberlegungen sind gescheit zusammengestellt: Heute wenig investieren in eine ungewisse Zukunft, flexibel unterschiedliche Sortimente vorbereiten, dabei nach der natürlichen Dynamik der Waldbestände gehen, Grossrisiken mindern, indem die Eintretenswahrscheinlichkeit von Sturmschäden, Schneebruch und anderen Kalamitäten gemindert wird. Wir bekommen Beispiele aus der Praxis vorgestellt, Pflegeeingriffe in verjüngende Wälder, wie sie sich über 20 Jahre Dauer bewährt haben.

Mir fällt auf, wie einfach die statistischen Überlegungen gehalten werden. Das sind die Realitäten in der schweizerischen Waldforschung: Wir haben ein stark wechselndes Gelände, sehr unterschiedliche Nutzungsgeschichten, Pflanzen mit Generationendauern von 80 oder 100 Jahren und dazu gibt es nur in wenigen Fällen Zeitreihen von mehr als 60 Jahren. Wollte man Versuche mit Replikaten machen, so könnten wir im Wald nicht im Ernst mit plots von weniger als zwei Hektar Grösse arbeiten, dazu treatments, blockdesigns, Zufahrten, und schon wären wir bei einer Versuchsfläche so gross wie das Grosse Moos oder dem ganzen Kanton Aargau.

Keiner der Studenten hakt nach, fragt, wie man Probleme mit kurzen Zeitreihen, abhängigen Stichproben, Versuchen ohne Replikate bewältigen will.

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Die Bolognareform ist nicht die Wurzel unserer Bresten.

Die Redaktorin von NZZ Campus hat mit Ihrer These vollkommen recht, es ist nicht die Bolognareform, die uns kaputtmacht. Die Wurzel allen Übels in der Schweiz ist in Wahrheit die Bürokratisierung sämtlicher Lebensbereiche, die Art wie eine exponentiell wachsende classe bureaucratique sich ausbreitet, alles und jeden in Bedrängnis bringt, der in diesesm Land produktive Arbeit leistet. Aspekte davon habe ich mehrmals in meinen Blogs angeschnitten.

Übergangen von den Journalisten, ist längst ein postmarxistischer Klassenkampf ausgebrochen in diesem Land. Dieser zeigt sich in dem unberechenbaren Verhalten der Stimmbürger, die der classe politique eine Ohrfeige nach der anderen verpasst. Sie sind die unentwegten, die längst gemerkt haben, dass die SVP sich für die Interessen der produktiven werktätigen Bevölkerung einsetzt und die SP die Privilegien der Ausbeuterklasse der Bürokraten verteidigt.

Die Tochter allen Übels ist der heutzutags übliche Thesenjournalismus. In den Redaktionen hockt die Sorte von Anpassern, die der classe bureaucratique zudienen, indem sie über die Welt berichten, wie sie sein sollte und nicht über die Welt wie sie ist. Sie sorgen für die stromlinienförmige Gleichförmigkeit des öffentlichen Diskurses.

Ich beschreibe im folgenden die sieben Grundübel schlecht gemachten Journalismus’ und nutze dazu den verlinkten Thesenbericht von Simona Pfister.

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Von wegen peer review.

Was machen Gutachter der wissenschaftlichen Fachzeitschriften eigentlich?

Vorletzte Woche war ein Forschungsgruppenleiter von der Novartis Gastdozent in unserer Epigenetikvorlesung. Verblüfft war ich darob, dass in den sehr gut ausgestatteten Labors der Novartis nur ca. 15% der universitären Forschung aus den peer reviewed journals reproduziert werden kann. Diese Zahl deckt sich auffällig mit der Bemerkung einer befreundeten Doktorandin in Vegetationsökologie. Sie untersucht die Regeneration von Trockenrasenvegetation, nachdem die intensive Beweidung aufgegeben wurde. Auch sie stellte fest, dass ca. 80% der publizierten vegetationsökologischen Literatur unbrauchbar in Bezug auf die untersuchte Fragestellung ist. Bei einem grossen Teil der publizierten Forschung fehlt es an der Validität – die journals liefern Schrott, um es klar zu sagen.

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Oh yes, we can!

Kurzerhand habe ich den ganzen Mykolgiekurs der Uni Bern mitsamt der leitenden Privatdozentin bei mir einquartiert. So kann das Feldpraktikum ungestört durchgeführt werden. Hier sind wir nun, sitzen am Tisch beim Pilzrisotto. Mit leuchtenden Augen und glänzenden Wangen fragt die eine der Studentinnen, eine nach der anderen ihrer Kolleginnen in der Runde “Was ist es, was Dich beim Studium im Herzen bewegt?”

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Aus was rächt isch, …

… aber ds Hemmli ghört i d’ Hose! Das Hotel ist diesmal ausgebucht. Hier übernachte ich, wenn ich in Zürich Vorlesung habe und zum Glück habe ich rechtzeitig reserviert. Für diejenigen, die mich nach den Kosten fragen: Ich zahle bar, ich habe keinen Steuerzahler, dem ich die Kosten anhängen kann und richtig, ich habe gestern zwei Franken Rückgeld bekommen. Es ist der einzige Möglichkeit, wenigstens zwei Vorlesungen pro Woche trotz meiner Behinderung zu meistern.

Für mich lohnt sich der Aufwand. Der Lehrbetrieb hier ist frisch, konzentriert, die Studenten auf Draht, stellen Fragen. Mein Eindruck ist, dass hier allgemein sehr viel mehr kooperiert wird als in Bern – sogar die Frauen tun das. Die Professoren haben Routine und sie machen sich verständlich.

Mir wird immer deutlicher, was eigentlich des Problem der Uni Bern mit mir ist: Die wissen um die miserablen Zustände an unserem Institut. Wie der Teufel die Nässe aus dem steinernen Trog, fürchten sie den scharf beobachtenden, unbestechlichen, finanziell unabhängigen Zeugen. Das genügt offensichtlich zum Mobben, immer neue Steine in den Weg legen, mir das Studium vermiesen, wo immer möglich. Mich zu schikanieren, verbraten die Verantwortlichen ihren ganzen Arbeitsaufwand, den sie gescheiter zur Beseitigung der Misstände einsetzen täten.

Tagungen an der ETH. Die geladenen Gäste werden hier einquartiert. Interessiert wie immer beobachte ich die Leute beim Frühstück. Das sind die Jungforscher, diejenigen, die unserer internationalistischen Intelligentsja zufolge auf Vernetzung angewiesen sind.

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Traumjob.

Das hier ist der Traumjob für jeden Ökologen — eine spannende Geschichte aus der Bernerzeitung. Kaum zu glauben, dass die KWO während Jahren vergeblich nach einem Biologen suchte.

Das hat vermutlich damit zu tun, dass moderne Akademiker lieber links, urban, weltoffen sind, gegen AKW und gegen Grosskraftwerke sowieso und darum ihr Leben lieber zwischen Kaffeeautomat, Telefonhörer, Photokopierer verbringen als dass sie zupacken und etwas spannendes machen.

Oder vielleicht hat es auch damit zu tun, dass an der Uni Bern die Ökologen zu Berichtlischreibern und Aktenschiebern ausgebildet werden, ohne brauchbares naturkundliches Grundlagenwissen.

Der Stand der Irrtums.

Haben Immissionen aus der Luft europaweit einen Einfluss auf den Zustand des Waldes?

Der aktuelle Stand (De Vries et. al. 2014) aus dem ICP Forests monitoring ist, dass die unterschiedliche Anwendung der Methoden in den verschiedenen Ländern den grössten Teil der Varianz in den Daten erklärt. Der Waldzustand wird anhand unspezifischer Parameter erhoben (Blatt- bzw. Nadelverluste), so dass eine Reihe von confounding factors die Korrelation mit möglichen Ursachen (Klima, Bewirtschaftung, Luftverschmutzung, Ozon, Säure-, Nährstoffeintrag) erschweren. Ein Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Blattverlust konnte nach 30 Jahren Dauerbeobachtung nicht nachgewiesen werden. Die Luftverschmutzung beeinträchtigt den Waldzustand höchstens zeitlich und örtlich begrenzt.

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