Tiefpunkt

Ich denke nicht, dass mein Respekt vor der Universität Bern als Institution noch tiefer sinken kann. Letzten Dezember gewann ich bei der Rekurskommission den Prozess von wegen Anpassung der Studiensituation an meine Behinderung. Unter anderem verfügte die Rekom eine angemessene Verlängerung der Fristen für die Diplomarbeit. Ich habe diese Fristen akzeptiert und bin glücklich damit. Die 30 Monate laufen seit ich davon Kenntnis habe, seit dem 10 Januar.

Die Fakultät hat verloren. Der Fall ist klar. Der Dekan findet, er mache jetzt grad mal gar nichts und verbietet sogar dem Leiter meiner Diplomarbeit irgendwelche Fragen dazu zu beantworten. Soweit sind es erbärmlich schlechte Verlierer. Aber meine Zeit läuft weiter, erst recht wenn ich mich nicht wehre. Am Schluss kann man mir dann vorwerfen, die 30 Monate seien abgelaufen und ich sei halt selber schuld, wenn ich jetzt mein Studium nicht mehr abschliessen könne.

Eine Uni, die solche Tricks nötig hat, die dermassen den Gagg in der Hose hat vor einem erfahrenen und genau beobachtenden Studenten — wieviel Respekt hat eine solche Uni verdient? Ich kenne keine Worte, um meine Verachtung und meine Abscheu vor diesen Leuten auszudrücken.

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Von wegen peer review.

Was machen Gutachter der wissenschaftlichen Fachzeitschriften eigentlich?

Vorletzte Woche war ein Forschungsgruppenleiter von der Novartis Gastdozent in unserer Epigenetikvorlesung. Verblüfft war ich darob, dass in den sehr gut ausgestatteten Labors der Novartis nur ca. 15% der universitären Forschung aus den peer reviewed journals reproduziert werden kann. Diese Zahl deckt sich auffällig mit der Bemerkung einer befreundeten Doktorandin in Vegetationsökologie. Sie untersucht die Regeneration von Trockenrasenvegetation, nachdem die intensive Beweidung aufgegeben wurde. Auch sie stellte fest, dass ca. 80% der publizierten vegetationsökologischen Literatur unbrauchbar in Bezug auf die untersuchte Fragestellung ist. Bei einem grossen Teil der publizierten Forschung fehlt es an der Validität – die journals liefern Schrott, um es klar zu sagen.

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Wann ist genug?

Seit Jahren verfolgt die ETH in ihren öffentlichen Stellungnahmen eine Politik quantitativen Wachstums. Man will international als Spitzenuniversität dastehen, einen grossartigen Ruf haben als Super-Forschungsplatz, der renommierte Forschercracks aus der ganzen Welt anlockt und zu Höchstleistungen animiert. Die Frage ist, wem dieses internationale Ansehen wirklich nützt.

Können unsere Universitäten ihr Niveau nur halten, wenn sie immer neue Professoren aus dem Ausland herbeiholen? Das wollte Felix Müri von mir wissen. Auf die schnelle, mitten in den Leuten im Bundeshauskaffee, konnte ich nur die Antwort aus meiner unmittelbaren Anschauung geben, aus der Froschperspektive des Berner Biologiestudenten.

Meine Antwort war ganz klar: In Bern haben wir Studenten überhaupt grad gar nichts von diesen internationalen Cracks, die dann in der Welt herumdüsen, sich während des Semesters tageweise im Vorbeigehen am Institut blicken lassen und seit Jahren nicht mehr unterrichten.

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Mangel an allem.

Pflanzen- und Vegetationsökologen in Bern lernen schlicht nichts über Böden. Boden ist, wo das Wasser herkommt und wo es Nährstoffe hat und ja, dort drin wachsen die Wurzeln. Mehr ist nicht da – nichts von all dem lustigen anderen: Verwitterung der Grundgesteine, Textur mit unterschiedlichen Teilchengrössen, Adsorption von Nährstoffen an Tonmineralen, Wasserverfügbarkeit und Gasaustausch, Porengrössen, Auswaschung. Bodenhorizonte? Noch nie gehört.

Studenten mit solchen Wissenslücken wollen dann über Konkurrenz zwischen Pflanzenarten Bescheid wissen. Sie legen Experimente an und verzählen den Geldgebern, damit könne man etwas über die Ansiedlung unerwünschter Exoten erfahren.

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Forscher als Spielzeug.

Über die Motivation der Politiker kann ich nur spekulieren: Ein halbes Dutzend Berner Grossräte verlangen die “Bestrafung” der Zürcher Wildbiologen — emel drei davon von der SVP aus dem Oberland und auch ein paar von der SP. Das Naturschutzinspektorat hat auch schon reagiert und den Zürchern telefoniert, die Forschungsarbeit sei einzustellen. Es geht um den Unfall bei einer wildbiologischen Doktorarbeit, wo 18 Rehkitze getötet werden mussten, nachdem ihre Funkhalsbänder sich nicht dem wachsenden Tier anpassten. Ich habe dazu kommentiert in meinem früheren Blogeintrag “Drehsessel-Ökologen”.

Gesundes Augenmass und vernunftgesteuertes Handeln sind nicht allzu gefragt, wenn man es mit den Jöhhh-härzig-Naturschützern zu tun bekommt. Die betreffenden Grossräte plustern sich auf, lenken von der eigenen Unfähigkeit ab. Wenn man die wirtschaftliche Misere in diesem Staat und Kanton Bern sieht, dann wird einem ob solch dümmlich wissenschaftsfeindlicher Gesinnung speiübel.

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Oh yes, we can!

Kurzerhand habe ich den ganzen Mykolgiekurs der Uni Bern mitsamt der leitenden Privatdozentin bei mir einquartiert. So kann das Feldpraktikum ungestört durchgeführt werden. Hier sind wir nun, sitzen am Tisch beim Pilzrisotto. Mit leuchtenden Augen und glänzenden Wangen fragt die eine der Studentinnen, eine nach der anderen ihrer Kolleginnen in der Runde “Was ist es, was Dich beim Studium im Herzen bewegt?”

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Schlechte Verlierer!

Gestern musste ich den Regierungsstatthalter ersuchen, die Vollstreckung eines rechtskräftigen Beschwerdeentscheides vorzunehmen. Man muss sich das vorstellen: Seit drei Jahren kommt das Dekanat der phil-nat Fakultät pünktlich auf jedes Frühjahrssemester hin mit einer neuen Ausrede, warum man mich nicht zuende studieren lasse. Vor drei Monaten hat die Rekurskommission der Universität Bern entschieden, dass ich 30 Monate bekomme, um meine Diplomarbeit fertigzustellen. Der Dekan der phil-nat Fakultät wird schon begriffen haben, dass er verloren hat, hochkant. Was tut er? Er schreibt mir, dass man vorderhand überhaupt nichts tue und dass ich auch nicht betreut werde. Diese Meinung wird dann auch noch vom Rechtsdienst des Uni-Rektorates geschützt.

Der Regierungsstatthalter ist im Kanton Bern unter anderem für Zwangsmassnahmen aller Art, Dinge wie fürsorgerischen Freiheitsentzug, Baustopp bei unbewilligten Bauten oder eben in diesem Fall gegen die renitente Universität zuständig. Er kann zum Beispiel den säumigen Organen der Universität eine Busse androhen und aufsichtsrechtliche Massnahmen durchführen.

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Mein Trost!

Da hat es mich verschlagen in eine Vorlesung von der Sorte, wo ich um keinen Preis in diesem Leben landen wollte: Abkürzungsspeak von Molekularbiologen – die Sorte Sprache wo jeder zweite Satz drei kryptische Abkürzungen von Enzymen, Genen, technischen Methoden enthält. Eigentlich wollte ich nur eine Überblick über den aktuellen Stand der Epigenetik bekommen und lande da wo Spitzenforschung betrieben wird. Erstaunen tut mich, wieviel mein Grundstudium hilft. Was ich vor bald 30 Jahren gelernt habe, ist in keinem seiner Teile falsch oder überholt.

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Persönliche Grösse.

Beeindrucken kann mich ein Professor, wenn er einerseits meine Arbeit kritisiert, mir sagt, wo ich Lücken füllen soll, wenn er aber andererseits die Grösse hat zu sagen: “I never thought of it that way. — So habe ich es noch nie angeschaut.” Das ist mir kürzlich passiert als ich meinen Entwurf zur Semesterarbeit über “noise in ecosystem dynamics” mit dem Dozenten besprach.

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Jammern, aber keine Sachinformation.

Der Rektor der Universität Bern Prof. Martin Täuber verteilte heute flächendeckend an sämtliche Studenten eine SPAM-mail mit der er uns zuredete, einen Appell der Studentenschaften zur Offenheit des schweizerischen Hochschulwesens zu “unterzeichnen”. Eine Durchsicht des Appells zeigt, dass es ein konservativer, rückwärtsgewandter Text ist, voll von den altbackenen Klisches darüber, wie unsere Akademikerwelt sich in die Welt stellen sollte. Jene Schreibe ist blutleer, langweilig, aber von unterschwelligem infantilem Greinen.

Seit die EU-Technokraten im Februar der schweizerischen Demokratie den Krieg erklärten, war diese email die allererste Äusserung, mit der sich die offizielle Universität Bern an die Studenten wandte. Konkretes hat der Rektor nicht zu bieten — keine Sachinformationen über die tatsächlichen Abläufe, keine Zahlen, keine Hinweise dazu, was die Universität Bern in der Angelegenheit unternimmt, dafür ein Aufruf, bei der kopflosen Stimmungsmache der Studentenschaften mitzumachen.

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Journalisten und Bruchrechnen!

Bernerzeitung von gestern lässt sich über den angeblich fürchterlichen finanziellen Verlust aus, den die schweizerischen Hochschulen wegen des Auschlusses aus dem EU-Förderprogramm erleiden. Definitive Zahlen sind für das FRP6 aus den Jahren 2002 bis 2007 verfügbar. Die Schweizerische Eidgenossenschaft verschob 794 Millionen Franken nach Brüssel. 775 Millionen Franken konnten die schweizerischen Hochschulen ergattern. Daraus macht der Berichterstatter aus der Bernerzeitung eine “Rückflussquote” von 1.14. Ich nehme an, in der dritten Klasse beim Bruchrechnen entscheidet sich dann, ob man Naturwissenschaftler oder Journalist wird im Leben.

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Mutti macht’s.

So weit sind wir Schweizer schon: Zuerst musste uns ein Ossi zeigen, wie man eine Schweizer Bank richtig führt. Jetzt muss eine ostdeutsche Bundeskanzlerin unserem Schweizer Bundesrat erklären, wie man die Interessen seines Landes vertritt.

So kommt es dann, dass unsere wissenschaftlichen Abkommen zum Forschungsprogramm Horizon 2000 und zum Studentenaustausch Erasmus+ noch lange nicht gestorben sind.

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